Für die betroffenen 500 Beschäftigten ist die Lage hochprekär: Sechs von 18 Filialen des insolventen Konzerns Galeria Karstadt Kaufhof sollen im Südwesten geschlossen werden – etwa in Stuttgart, Esslingen, Leonberg und Reutlingen. Auch die Politik lässt diese Entwicklung – schon wegen des prominenten Namens – nicht kalt.
Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) hat am Montag Vertreter von Management, Arbeitsagentur, Betriebsräten und Gewerkschaft an einen (virtuellen) Runden Tisch eingeladen. Durchaus glaubwürdig, so war hinterher zu hören, habe sie ihre Unterstützung deutlich gemacht und angeboten, dass sie mit Blick auf einzelne Standorte zu weiteren vermittelnden Gesprächen bereit sei. „Wir begleiten die weiteren Schritte und setzen uns dafür ein, dass es für Mitarbeitende und Innenstädte eine gute Zukunft gibt“, verspricht die Ministerin. Derweil hat sich der Vorstandsvorsitzende von Galeria, Miguel Müllenbach, bei dem Treffen offenbar nicht detaillierter geäußert.
Unterstützung in der Transfergesellschaft
Vonseiten des Ministeriums wird als positives Fazit herausgestellt, dass eine Transfergesellschaft gegründet worden sei, in die Beschäftigte freiwillig wechseln können. Neben einem Transferkurzarbeitergeld erhalten sie dort professionelle Unterstützung bei der Neuorientierung. Dem Vernehmen nach hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) den Verzicht auf den Arbeitgeberanteil erklärt – oftmals scheitern Weiterbildungen und Umschulen auch daran, dass der Arbeitgeber seinen Anteil nicht erbringt. Aus den Reihen der Betriebsräte wurde auch gelobt, dass die Arbeitsagenturen sich schon an den Standorten eingeschaltet hätten, um auf die weiteren Abläufe einzustimmen.
Die Einschätzung der Bundesagentur soll den Betroffenen Mut machen. „Die Arbeitsmarktentwicklung in Baden-Württemberg ist weiter positiv“, sagte der BA-Regionalchef Christian Rauch. Jedem Betroffenen könnten neue Perspektiven eröffnet werden. „Ich verstehe sehr gut, dass nach dem Schock und dem Ärger es aktuell schwer fällt, sich mit der eigenen Zukunft zu beschäftigen – empfehle aber allen, den Blick nach vorne zu richten.“ Für einen Teil werde es Anschlussperspektiven bei neuen Arbeitgebern im Handel geben – ein anderer Teil erhalte durch Qualifizierungen woanders Perspektiven, etwa in Kindertagesstätten durch den neuen Direkteinstieg „Kita“.
Junge Kräfte suchen schon das Weite
Zugleich wird aus den Filialen berichtet, dass die jüngeren Arbeitnehmer schon begonnen haben, sich neue Arbeitgeber zu suchen – wobei viele Beschäftigte schon lange dort sind und der Altersdurchschnitt hoch ist. Und wenn am Stuttgarter Standort Königstraße tatsächlich noch Personal abgebaut wird, wäre man dort nicht in der Lage, Beschäftigte aus der von Schließung bedrohten Filiale Eberhardstraße aufzunehmen.
Verdi-Landeschef Martin Gross sagte im Anschluss: „Es ist klar, dass wir uns intensiv um die Leute kümmern und sie dabei unterstützen – entweder dass dort, wo es noch eine Nachfolgemöglichkeit gibt, die Standorte erhalten bleiben oder dass Beschäftigte im Falle einer Arbeitslosigkeit fit gemacht werden, um möglichst schnell eine Anschlussbeschäftigung zu finden.“ Es wurden bei dem Treffen aber auch gravierende Bedenken möglicher Partner deutlich. Zwar gibt es an einzelnen Standorten Interessenten zumindest für Teilflächen. Doch haben all die Hiobsbotschaften der Vergangenheit Unsicherheit erzeugt, ob Investitionen sinnvoll sind, weil Galeria als Ankermieter irgendwann in die nächste Insolvenz schlittern könnte. „Das Unternehmen hat am Markt und bei den Leuten einfach viel Vertrauen verspielt“, betont Gross.