Warnstreiks angekündigt Verdi spürt Rückenwind bei den Banken

Auch bei Bausparkassen und Banken im Südwesten könnte die Unruhe bald zunehmen. Foto: dpa/Jens Büttner

Die Gewerkschaft Verdi kündigt verstärkte Warnstreiks bei den privaten Banken und Bausparkassen an. Er erlebe eine Tarifbewegung, die es so in dieser Branche noch nicht gegeben hätte, sagt ihr Verhandlungsführer.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Die Banken gehören für die Gewerkschaften zum schwer begehbaren Gelände. Hauptgrund ist die Digitalisierung, die weniger Personal erfordert. Hatten allein die privaten Banken und Bausparkassen zur Jahrtausendwende noch gut 250 000 Beschäftigte, so sind es heute knapp 100 000 weniger. Dieser Schwund an Standorten und Mitarbeitenden schwächt auch die Kampfkraft; hohe Tarifabschlüsse sind fast utopisch. Beim bisher letzten Abschluss von April 2022 wurde eine Gehaltserhöhung von 5,0 Prozent vereinbart – für eine Laufzeit von 35 Monaten. Insofern hat die Inflation die Mitarbeitenden mit voller Wucht getroffen.

 

Von der hohen Inflation voll erwischt

„Das Timing des letzten Abschlusses war denkbar schlecht“, bekennt der Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck. Dass die Inflation so lange auf hohem Niveau verharrt, sei im April 2022 nicht absehbar gewesen. Allerdings sei die Zwischenzeit mit Inflationsausgleichsprämien überbrückt worden. Von diesem Instrument hätten die Banken wie keine andere Branche Gebrauch gemacht – „auch auf unseren Druck hin“.

Einmalzahlungen würden aber nur im Jahr der Auszahlung helfen – die Entwertung der Einkommen sei dauerhaft. „Insofern sehen wir einen erheblichen Nachholbedarf.“ Verdi fordert 12,5 Prozent höhere Gehälter. Schließlich gehe es hier nicht um Großverdiener, sondern Menschen in Filialen und Back-office-Einheiten, die auf dem Niveau von Facharbeitern entlohnt werden. Daher sei die Erwartungshaltung „immens“. Derweil habe das Kreditgewerbe in den vergangenen Jahren nicht gelitten, ganz im Gegenteil: „In fast allen Institutsgruppen konnten die Gewinne erheblich gesteigert werden.“

Vor diesem Hintergrund erlebt der Verhandlungsführer „eine Tarifbewegung, die so in der Bankenbranche noch nicht da war“. In der Vergangenheit sei es durchaus so gewesen, „dass wir nicht flächendeckend mobilisieren konnten, was sich auch in den Ergebnissen ausgedrückt hat“. In der aktuellen Tarifrunde sei ein neuer Rückenwind von den Beschäftigten zu spüren. „Dass da mehr Unruhe ist, merken auch die Arbeitgeber.“

Protestaktionen gab es schon in etlichen Regionen der Republik, nun sollen sich auch die Beschäftigten im Südwesten beteiligen: „Es wird in den nächsten Tagen vor der dritten Verhandlungsrunde am 3. Juli noch mal Warnstreiks geben, wo wir auch Institute und Standorte in Baden-Württemberg einbeziehen.“ Details will Duscheck nicht verraten, aber man darf annehmen, dass auch die gewerkschaftlich relativ gut organisierte Bausparkasse Schwäbisch Hall diesmal mit von der Partie sein wird.

Steigerung der Gehälter um insgesamt 8,5 Prozent angeboten

Den Arbeitgebern konstatiert er einen anderen Ton als früher – „die Gespräche verlaufen konstruktiv und spürbar zugewandter“. Auch dass bereits in der zweiten Runde ein Angebot auf den Tisch gelegt wurde, habe Verdi schon anders erlebt. Tatsächlich hat der Tarifverband AGV Banken am Montag eine Erhöhung der Gehälter um insgesamt 8,5 Prozent in drei Stufen bei einer Laufzeit von 36 Monaten vorgeschlagen. Dies sei „ein Signal, dass wir zu substanziellen Gehaltserhöhungen bereit sind, wenn die Rahmenbedingungen stimmen“, so der Verhandlungsführer Thomas A. Lange. „Als verantwortungsvolle Sozialpartner werden wir eine Brücke bauen zwischen den berechtigten Interessen der Beschäftigten und der privaten Banken – unser Angebot ist dazu ein erster Schritt.“

Duscheck zufolge wollen beide Seiten eine lange Hängepartie vermeiden. Er habe „die Hoffnung nicht aufgegeben, dass wir in der dritten Runde durch die Tür kommen“.

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