Im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes kündigen die Gewerkschaften erste Warnstreiks gegen Ende kommender Woche an. So schlimm wie derzeit alle tun wird das aber nicht – zumindest vorerst, meint der StZ-Autor Matthias Schiermeyer.
Stuttgart - Die Aussicht auf Streiks im öffentlichen Dienst löst stets großes Unbehagen aus, seit die Gewerkschaft neben ihren Mitgliedern bei der Müllabfuhr und im Nahverkehr auch die Kita-Erzieherinnen als wichtige Kampftruppe ins Feld führt. Dies wird in der aktuellen Tarifrunde kaum anders sein. Mit Blockaden, die das öffentliche Leben massiv behindern, ist aber noch nicht zu rechnen – allenfalls in der zweiten Aprilhälfte werden die Gewerkschaften ihre Macht ausspielen.
Streit um die Betriebsrente hoch gehängt
Ohne gute Begründung ist eine starke Mobilisierung freilich nicht möglich. Und da es manchem Gewerkschaftsfunktionär dämmert, dass die Sechs-Prozent-Forderung kaum in die Zeit passt, wird nun der Streit um die Betriebsrente hochgehängt. An einer zukunftsfähigen Lösung für die kommunalen Versorgungskassen hängt der weitere Verlauf der Tarifrunde.
Angesichts von Minizinsen und alternden Belegschaften besteht Handlungsbedarf. Andererseits sind Arbeitnehmer sehr empfindlich, wenn Arbeitgeber ihre Betriebsrente beschneiden wollen. Folglich wird Verdi beim Lohn Abstriche machen müssen, um die Kassen zu stabilisieren. Dies erscheint vermittelbar, denn Eingriffe in die betriebliche Altersvorsorge wären für viele nicht üppig bezahlte Beschäftigte die deutlich größere Härte – zumal ja schon die gesetzliche Rente immer weiter schrumpft.