Warntag im Rems-Murr-Kreis Laut heulende Sirenen haben längst ausgedient

Im Bedarfsfall reaktivierbar: die Sirene auf dem Dach  der Begegnungsstätte in Kernen-Stetten. Foto: Patricia Sigerist
Im Bedarfsfall reaktivierbar: die Sirene auf dem Dach der Begegnungsstätte in Kernen-Stetten. Foto: Patricia Sigerist

Vor dem bundesweiten Warntag: Die Integrierte Leitstelle des Rems-Murr-Kreises setzt auf ein digitales System. Ziel des Warntages ist, dass sich die Bürger mit dem Thema Warnung auseinandersetzen.

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Rems-Murr-Kreis - Die Generation 50 plus wird sich gut daran erinnern, an ohrenbetäubende Sirenenklänge, die einst die Schüler in Scharen hinaus auf den Pausenhof lockten. Es waren groß angelegte Probealarme, gerne von lautem Geschrei flankiert als willkommene Unterbrechung des Unterrichts.

Bei den Älteren erscheinen Bilder wie dieses vor dem inneren Auge, wenn für Donnerstag der erstmals stattfindende bundesweite Warntag angekündigt wird. Zeiten, da lautstarker Alarm im ganzen Ort zu vernehmen war, gehören jedoch der Vergangenheit an. Die einst üblichen Sirenen auf Dächern öffentlicher Gebäude wie Rathäusern oder Schulen wurden längst abmontiert oder zumindest stillgelegt. In Fellbach etwa erfolgte dies, so die Auskunft aus dem städtischen Pressereferat, in den 1990er Jahren.

Empfohlen wird, für Smartphones etwa die Warn-App Nina herunterzuladen

Juliane Jastram von der Pressestelle des Waiblinger Landratsamts bestätigt das. „Im Rems-Murr-Kreis werden keine Sirenen zur Warnung der Bevölkerung mehr eingesetzt.“ Allerdings: „Vereinzelt werden noch Sirenen zur Alarmierung der örtlichen Feuerwehr eingesetzt, vorwiegend in ländlichen Gemeinden oder Teilorten. Es besteht aber kein Sirenennetz zur Warnung der Bevölkerung.“ Stattdessen werden bei dem Test am Donnerstagvormittag um 11 Uhr alle an das satellitengestützte modulare Warnsystem (Kürzel: Mowas) angeschlossene Warnmöglichkeiten wie beispielsweise Radio, Fernsehen und Warn-Apps ausgelöst. Empfohlen wird, für Smartphones etwa die Warn-App Nina herunterzuladen, die das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) entwickelt hat.

Ziel des Warntages ist, dass sich die Bürger mit dem Thema Warnung auseinandersetzen. Warnen kann im Falle einer großen Katastrophe wie dem Kriegsfall das Bundesamt für Bevölkerungsschutz. Viel häufiger werden Warnungen aber ganz konkret vor Ort abgesetzt – im Rems-Murr-Kreis von der Integrierten Leitstelle in Waiblingen. Sie greift dabei auf das vom Bund entwickelte Warnsystem zu, das auch Städten und Gemeinden zur Verfügung steht.

Die Waiblinger Leitstelle hat die Bevölkerung vor Geruchsbelästigung gewarnt

Bereits zweimal sei das im Rems-Murr-Kreis geschehen, berichtet die Stabsstelle für Brand- und Katastrophenschutz. Beide Male hat die Waiblinger Leitstelle die Bevölkerung vor Geruchsbelästigung durch Brandereignisse gewarnt – die Bürger konnten daraufhin reagieren und Fenster und Türen geschlossen halten. Konkret geschah dies im vorigen Jahr am 16. April bei einem Gebäudebrand in Schorndorf in einer ehemaligen Gaststätte sowie am 16. August beim Brand einer Lagerhalle in Remshalden-Grunbach.

Beide Ereignisse fanden in der zweijährigen Testphase statt, in der die Leitstelle das vom BBK entwickelte Warnsystem kostenfrei nutzen konnte. Weil sich gezeigt hat, dass die Bürger damit schnell und effektiv vor Gefahren gewarnt werden können, wird der Kreis das System auch weiterhin betreiben. „Damit leisten wir einen weiteren Beitrag zum Schutz und zur Sicherheit der Bevölkerung im Rems-Murr-Kreis“, sagt Daniel Köngeter, im Landratsamt zuständig für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz.

Viele Sirenen wurden in der Tat von Dächern demontiert

In der Waiblinger Leitstelle selbst wird übrigens am Donnerstagvormittag keine besondere Aktion stattfinden. Die allgemeine Entwarnung über Mowas erfolgt dann um 11.20 Uhr durch das BKK, erläutert Juliane Jastram. „Ein Krisenstab wird nicht einberufen, das ist auch nicht Ziel des Warntags.“ Vielmehr sollten die Menschen im Landkreis für das Thema Warnung sensibilisiert werden.

Viele Sirenen wurden in der Tat von Dächern demontiert, aber nicht überall. Unsere Fotografin Patricia Sigerist hat auf der Begegnungsstätte in Stetten noch ein rares Exemplar entdeckt. Die Nachfrage im Rathaus Kernen ergibt eine Besonderheit: Es wurde demnach festgelegt, dass in jedem Ortsteil mindestens eine Sirene vorgehalten werden soll, falls irgendwann doch Alarmierungsbedarf besteht. Die zweite Sirene befindet sich, so die von Rathaussprecherin Susanne Herrmann übermittelte Auskunft des Feuerwehrkommandanten Andreas Wersch, auf dem Dach der Alten Schule und heutigen Bücherei in Rommelshausen. Die Sirenen wären somit funktionsfähig, werden am Donnerstag aber nicht aktiviert. Ohrstöpsel sind also weder in Rommelshausen noch Stetten vonnöten.




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