Warnung vor Einbrüchen „Kommen kaum hinterher“ – mit zwei Esslinger Polizistinnen auf Zivilstreife
Die Polizistinnen Alexandra Preißinger und Katja Schuhholz wissen, wie man Einbrüche verhindert. In Deizisau sind sie deswegen in Zivil auf Streife.
Die Polizistinnen Alexandra Preißinger und Katja Schuhholz wissen, wie man Einbrüche verhindert. In Deizisau sind sie deswegen in Zivil auf Streife.
Es ist ein grauer Novembernachmittag. Die Wolken hängen tief, Kälte fährt durch die Kleidung. In einem Wohngebiet in Deizisau laufen zwei Frauen durch die Straßen – dick eingepackt und mit aufmerksamem Blick. Eine Zivilstreife der Polizei Esslingen. Immer wieder bleiben sie stehen, zeigen auf Häuser, gehen zum Briefkasten und werfen Flyer ein. Alexandra Preißinger und ihre Kollegin Katja Schuhholz sind zuständig für die Einbruchsberatung bei der Polizei Esslingen. „Gerade kommen wir mit den Beratungen kaum hinterher“, sagt Preißinger.
Es ist ein Pressetermin, zu dem die Polizei bewusst eingeladen hat. Mit der besonderen Aktion soll die Bevölkerung darüber informiert werden, wie Einbrüche funktionieren und wie diese verhindert werden können. „In Deizisau haben wir besonders viele Beratungsanfragen bekommen“, sagt Preißinger, deshalb laufen sie hier. Das sei nicht ungewöhnlich: Wenn Einbrüche in der unmittelbaren Nachbarschaft geschehen, wachse die Furcht, es könne auch das eigene Haus treffen.
In Deizisau habe es zuletzt zwar nicht besonders viele Einbrüche gegeben. Seit Mitte des Jahres ermittelt allerdings die Staatsanwaltschaft Stuttgart und eine auf die Bekämpfung von Eigentumsdelikten spezialisierte Ermittlungsgruppe der Kriminalpolizeidirektion Esslingen gegen eine vierköpfige mutmaßliche Einbrecherbande. Ihr wird vorgeworfen, seit „Anfang 2025 Einbruchsdiebstähle in Wohnhäuser in den Landkreisen Esslingen, Göppingen, Ravensburg und Konstanz begangen zu haben“, heißt es in einer Pressemitteilung. Nach Angaben der Polizei soll die Bande für 24 Taten mit einem Vermögensschaden von mehr als 110 000 Euro verantwortlich sein.
Wie gelangen die Täter in Wohnungen? Zivilpolizistin Schuhholz zeigt auf ein Fenster. Gekippt. Auf Kopfhöhe. Potenzial für Einbrecher, erklärt sie und ergänzt: „Es sind wahnsinnig viele Fenster gekippt.“ Die beiden Polizistinnen blicken aus Sicht von Einbrechern auf die Gebäude und klären auf. Für die Banden sei es oft in wenigen Minuten möglich, in Häuser und Wohnungen einzusteigen. Die Polizei zählt deshalb zehn goldene Regeln für ein sicheres Zuhause auf:
„Der Klassiker ist, dass Einbrecher in der Dämmerungszeit durch Wohngebiete laufen oder fahren und schauen, welche Häuser unbewohnt wirken“, erklärt Preißinger. Vor den Häusern blieben die Banden dann oft nicht lange – die Gefahr, entdeckt zu werden, ist zu groß. Wenn es an den Einbruch selbst geht, nutzen Einbrecher das, was man ihnen gibt. „Oft haben sie nur einen Schraubenzieher dabei, nutzen aber Leitern oder Tische im Garten, um Zugang zum Haus zu bekommen.“
Im Kreis Esslingen gab es laut polizeilicher Kriminalstatistik in den vergangenen beiden Jahren jeweils 217 Wohnungseinbrüche oder Einbruchsversuche. Trotzdem ist die Prävention für die Polizeibeamten nicht immer einfach. „Die wenigsten Leute sind begeistert, wenn wir sie auf der Straße ansprechen“, sagt Preißinger. Bei den Streifen beschränke man sich deshalb oft darauf, Informationsflyer in Briefkästen zu werfen. Misstrauen spielt in dem Zusammenhang eine große Rolle: „In Zeiten, in denen es falsche Polizeibeamten gibt, funktioniert es nicht mehr, an Gebäuden zu klingeln und das Gespräch zu suchen.“
Bei der Streife durch das Deizisauer Wohngebiet fällt allerdings auf: Viele Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer hätten eine Beratung nötig. Gekippte, veraltete Fenster, dunkle Kellerabstiege: Nicht immer sind aufwendige Sanierungen nötig, um die eigene Wohnung sicherer gegen Einbrüche zu machen, sagen die Zivilbeamten. Um ihr Wissen zu teilen, sind sie auch an diesem kalten Novembernachmittag durch die Straßen gezogen.