Ja, es steht noch. Vor einem Jahr kam heraus, dass das Gebäude einsturzgefährdet ist und die Verwaltung schnell ausziehen muss. Doch bislang ist das nicht passiert.
Exakt ein Jahr ist es her, dass in Beilstein und drumherum eine unangenehme Nachricht die Runde machte: Das historische Rathaus des 6400-Einwohner-Städtchens an der Grenze zum Landkreis Ludwigsburg ist derart marode, dass es einsturzgefährdet ist.
Die gute Nachricht: Das mehr als 400 Jahr alte Beilsteiner Rathaus steht nach wie vor. Auch die darin untergebrachte Verwaltung arbeitet dort noch, dabei war man anfangs davon ausgegangen, dass die Mitarbeiter schnellstmöglich aus dem maroden Gebäude raus müssen. Der Auszug war ursprünglich fürs vergangene Frühjahr geplant.
„Das Ergebnis ist eine Katastrophe“
Rückblick: Der Hausmeister des Rathauses hatte im Spätsommer 2024 entdeckt, dass ein Backstein am Giebel sich schon halb herausgearbeitet hatte. Umgehend wurden Haupteingang und Treppe gesperrt, ein Gerüst aufgebaut und Netze gespannt, damit keine Rathaus-Teile auf vorbeilaufende Passanten stürzen können. Ein Spezialunternehmen untersuchte die Fassade.
„Das Ergebnis ist eine Katastrophe“, sagte die Beilsteiner Bürgermeisterin Barbara Schoenfeld damals. Die Fassade wurde als derart schadhaft eingestuft, dass die Verwaltung ausziehen müsse. Zwar nicht sofort, aber doch binnen der nächsten Monate.
Als Ersatzquartier sollten die Räumlichkeiten im Raumaier-Areal dienen. Auf dem Gelände war früher die Spätregenmission angesiedelt, ehe sich die Kommune die Fläche kaufte. Interimsweise dorthin umzuziehen ist heute noch das Ziel, wenngleich sich der Zeitplan mittlerweile deutlich entspannt hat.
Das liegt daran, dass nach der ersten Einschätzung der Experten – das Rathaus sei akut einsturzgefährdet – dann doch die Entwarnung kam. „Einige weitere Untersuchungen haben ergeben, dass dem nicht so ist“, sagt die Bürgermeisterin Barbara Schoenfeld.
Damit und mit einer so genannten Sicherungsfassade konnte man sich nun noch etwas Zeit verschaffen. Dicke Balken stützen die Gefache von außen und teilweise auch als Gegenkonstruktion von innen. Der vordere Eingang zum Rathaus ist weiterhin gesperrt, ins Gebäude kommt man durch den Seiteneingang.
So kann die Verwaltung noch einige Monate in dem historischen Rathaus bleiben, während die Räume im Raumaier-Areal vorbereitet werden. Hier müssen unter anderem Fragen des Brand- und des Arbeitsschutzes geklärt werden.
Der Umzug der Rathaus-Mannschaft ist noch nicht terminiert, die Bürgermeisterin geht davon aus, dass er Mitte oder Ende 2026 stattfinden wird. „Ziel ist natürlich so schnell wie möglich, aber wir müssen uns Schritt für Schritt durcharbeiten.“
Verwaltung zieht mehrere Jahre um
Die Interimszeit in den ehemaligen Räumen der Spätregenmission wird vermutlich „mehrere Jahre“ dauern, so Barbara Schoenfeld. Denn die Sanierung des historischen Gebäudes in der Ortsmitte werde Zeit brauchen. „Da stehen große Gewerke an.“ Zudem werden durch den Denkmalschutz viele Behörden beteiligt sein.
Was dann „was, wann, wie“ am Rathaus passiere, müsse letztlich der Gemeinderat entscheiden, betont Schoenfeld. Ein erster Schritt ist schon geschafft: Das Rathaus ist Teil eines Sanierungsgebietes in der Ortsmitte, für die die Stadt eine Förderzusage erhalten hat. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Schoenfeld. Wenngleich klar ist, dass die Zuschüsse nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein werden. „Für die Rathaussanierung müssen wir mit mehreren Millionen rechnen.“