Warum die Jazz Open bei Sponsoren so beliebt sind Die Ekstase von Stuttgart hat einen Namen

Das hochwertige Programm und die traumhafte Festivalkulisse machen die Jazz Open für Sponsoren attraktiv. Foto: Opus/Reiner/Pfisterer

In den Logen sind sich die Gäste einig: Die Jazz Open sind das schönste Fest der Stadt. Boris Becker kommt ein zweites Mal und feiert Parov Stelar. Was versprechen sich Sponsoren? Wie gehen sie mit Compliance um? Ein Rundgang auf der Business-Tribüne.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Die Ekstase vom Schlossplatz hat einen Namen: Parov Stelar. Der Österreicher gilt als Erfinder des Genres Elektroswing und verwandelt bei seinem dritten Jazz-Open-Auftritt den Ehrenhof in eine Hüpfburg – in einen 6600-köpfigen Tanzclub. Auf seiner USA-Tour sei er gefragt worden, was der Unterschied zwischen Deutschen und Österreichern sei. Seine Antwort: „Die Österreicher haben die besseren Fußballer, die Deutschen aber die bessere Party-Culture.“

 

Party machen kann man in Stuttgart – und wie! „Würde das Neue Schloss in München stehen, würden die Bilder von dieser Festivalkulisse um die ganze Welt gehen“, sagt ein begeisterter Logengast.

Bargeld hat bei den Jazz Open ausgedient

Der rote Teppich vibriert. Jazz-Open-ChefJürgen Schlensog hat das System Business perfektioniert. Das Festival lässt sich nur mit Geld der Sponsoren finanzieren, die dafür Gäste in ihre Logen samt Speis und Trank einladen dürfen. Sowohl oben auf der Tribüne als auch unten auf dem Schlossplatz ist Michael Wilhelmer der Caterer. Oben sind die Gäste von den Buchern der Logen eingeladen. Unten an den Ständen wird über Karte bezahlt. Bargeld hat ausgedient. Die Zukunft sieht keine Scheine mehr vor (die man allerdings noch auf dem Schlossplatz gegen ein Bezahl-Armband eintauschen kann).

Mit der Zukunft kommt noch nicht jeder klar. „Manchmal dauert es, wenn etwa die Kartennummer verlangt wird“, berichtet Wilhelmer. Bringt man die Becher zurück, wird das Pfand auf der Karte gutgeschrieben. „Die Bank überweist das Geld meist erst nach drei, vier Tagen“, sagt der Wirt, „deshalb fragen viele Kunden nach, wo das Geld bleibt.“

Nur mit dem Eintritterlös des Stehplatzbereichs ließe sich ein Festival von dieser Qualität nicht finanzieren. Rainer Otto Scharr, Chef des 1883 gegründeten Energiehandelsunternehmens Scharr, zählt zu den Sponsoren. Das Geld sei gut investiert, sagt er: „Die Jazz Open tragen dazu bei, dass Stuttgart attraktiv ist – dies hilft uns, Fachkräfte von außerhalb zu finden, die in eine Stadt ziehen wollen, die was zu bieten hat.“

Welche Rolle spielt Compliance bei Scharrs Einladungen? Der Begriff Compliance steht für die Einhaltung von Regeln in Unternehmen und Organisationen, um Rechtsverstöße und Vorteilsnahme zu vermeiden. „Wir haben das genau geprüft“, antwortet der geschäftsführende Gesellschafter, „beim Mittelstand ist einiges anders.“

Martin Hettich, der Vorstandschef der Sparda-Bank, die zu den Hauptsponsoren zählt, sagt, dass er in diesem Jahr etliche Absagen für seine Loge bekommen hat aus Compliance-Gründen. Man müsse sich das genau durchrechnen, wie viele Einladungen man im Jahr annehmen könne. Die oberen Etagen der Tribüne heißen aus gutem Grund „Business-Bereich“. Denn hier wird tatsächlich Business gemacht – in wunderbar entspannter Atmosphäre nach genialen Konzerterlebnissen. Die teuren Plätze sind deshalb immer zuerst verkauft.

„Was hier abgeht, ist sensationell“, sagt Mastercard-Direktor Ralf Monz, der mit der nahezu kompletten Belegschaft aus Frankfurt angereist ist – erst geht’s zum Konzert, dann zur After-Show-Party ins La Commedia.

Der VfB wollte in seine Loge OB Frank Nopper einladen – doch dieser hat bei seinem ersten Besuch bei den Jazz Open dem Bundesliga-Verein abgesagt und sich eine Karte selbst gekauft. Mit einem Compliance-Vorwurf will er sich nicht konfrontieren lassen – wahrscheinlich hätte er als Rathauschef deswegen gar keine Kritik hören müssen. Am Tag nach dem Knallerkonzert der Fantastischen Vier hat Nopper als Standesbeamter fungiert: Im Rathaus nimmt er das Ja-Wort von Alexander „Sandy“ Franke, dem Ginstr-Gründer und Radiomoderator, und Victoria Ghandchi ab. Das Paar hat sich an der Rennbahn Iffeszheim kennengelernt.

Boris Becker lässt sich nicht fotografieren

So gut gefällt es Boris Becker bei den Jazz Open, dass er den Schlossplatz beim Auftritt von Parov Stelar mit seiner Freundin Lilian de Carvalho Monteiro am Donnerstagabend ein zweites Mal besucht. Dank seines Freundes, des Unternehmers Philipp Neuffer, ist Stuttgart für ihn zu so etwas wie ein Zweitwohnsitz geworden. Neuffer hat Business-Karten gebucht. Als der dreimalige Wimbledon-Sieger zu der Loge läuft, wird er von dem Bodyguard Dany Schwarz eskortiert. „Wieso kann sich Boris einen Sicherheitsmann leisten?“, fragt jemand laut. Aber nein, Schwarz wird nicht von Becker, sondern von den Jazz Open bezahlt – er achtet im Business-Bereich darauf, dass die Logengäste nicht mit lauter Unterhaltung das Konzert stören.

Diesmal lässt sich der frühere Tennisstar in der Opus-Loge sogar fotografieren – an der Seite von Jazz-Open-Chef Jürgen Schlensog und ihren Partnerinnen. Im Megajubel für Parov Stelar fällt der ewige Leimener aber gar nicht mehr auf.

Es ist eine dieser Liebesbeziehungen bei den Jazz Open: Das Stuttgarter Publikum liebt Stelar – und dieser verbreitet über digitale Kanäle, wie einzigartig Stuttgart ist.

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