Sommer, Sonne, Streit - zwischen den Bundesländern gibt es mal wieder Zoff über die Ferientermine. Es ist nicht das erste Mal. Was steckt dahinter? Und wann ist Urlaub besonders teuer?

Wochenend-Magazin: Markus Brauer (mb)

Die schönste Zeit des Jahres zählt zu den größten Streitthemen in der Politik. Wann geht welches Bundesland in die Sommerferien?? Das wird langfristig zwischen den Ländern vereinbart. Jedes Mal geht bei den Verhandlungen darüber das Gezeter los. Nun hat die Langfristplanung für die Ferientermine ab 2030 begonnen und die Kritik zwischen Nord und Süd wird wieder lauter. Die Übersicht:

 

Warum gibt es unterschiedliche Sommerferientermine?

Bildung ist Sache der Bundesländer. Ihre Ferientermine legen sie selbst fest. Bei den Sommerferien gibt es aber langfristig geltende Vereinbarungen zwischen den Ländern, die in langwierigen Verhandlungen festgezurrt werden. Die Sommerferientermine gelten dann für einen Zeitraum von mehreren Jahren.

Die aktuelle Planung gilt bis 2030. Kern der Sommerferienregelung ist ein rollierendes System, bei dem noch etliche weitere Details berücksichtigt werden müssen.

Wie funktioniert dieses System?

Es geht zurück auf das Hamburger Abkommen aus dem Jahr 1964 und weitere Nachfolgevereinbarungen zwischen den Ländern. Demnach sollen die Sommerferien regional gestaffelt werden, etwa um Staus oder knappe Unterkünfte zu vermeiden. 

Eingeteilt sind die Länder in fünf Gruppen, die in etwa zur gleichen Zeit in die Ferien gehen, um die Gesamtbevölkerung möglichst gleichmäßig zu verteilen.

Diese Gruppen wechseln sich mit früheren und späteren Ferienterminen ab. Dabei darf grundsätzlich ein Zeitraum zwischen dem 20. Juni und dem 15. September ausgeschöpft werden. Allerdings machen Bayern und Baden-Württemberg beim rollierenden System nicht mit und gehen immer als letzte in die Ferien. 

Wie begründen Bayern und Baden-Württemberg ihren Sonderweg?

Früher hieß es, dass die Schüler für die Ernte gebraucht würden. Das Argument wird jetzt aber nicht mehr gebracht. Die südlichen Bundesländer haben aber als Einzige ausgedehnte Pfingstferien, die manchmal erst Mitte Juni vorbei sind. Da mache es keinen Sinn gleich wieder in die Sommerferien zu starten, heißt es. 

Die Diskussion kommt alle paar Jahre wieder und die Argumente ähneln sich: „Wir bleiben bei unseren Ferienterminen. Das hat sich so bewährt, und das ist in der bayerischen Kultur fest verankert“, argumentiert Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. „Wir haben unseren Ferienrhythmus, der ist sozusagen fest in der DNA der Bayern drin.“

Wer hat die aktuelle Debatte losgetreten? 

Nordrhein-Westfalens Bildungsministerin Dorothee Feller hatte gegeben vor einigen Tagen in den Gesprächen über die Sommerferientermine ab 2030, die jetzt begonnen haben, ihrer bayerischen Kollegin den „freundlichen Hinweis“, dass man sich eine gleichberechtigte Regelung für alle Länder wünsche. „NRW hätte auch gerne mal einen späteren Ferienstart.“

Was sagen andere Bundesländer? 

Auch aus Niedersachsen, Thüringen und Hamburg kommt Kritik:

  • Die Regelung empfinde man als unbefriedigend, heißt es aus dem niedersächsischen Kultusministerium.
  • Aus der CDU in Thüringen kommt die Forderung, dass es ein modernes, gerechtes System brauche.
  • Von der Hamburger Schulbehörde heißt es, man halte nichts von Sonderregelungen für einzelne Bundesländer.

Lautstarke Forderungen und Ankündigungen, im Zuge der Verhandlungen über die Ferientermine ab 2030 das bisherige System verändern zu wollen, gibt es aber nicht. Angesichts der klaren Ansagen aus Bayern bleibt den anderen Ländern am Ende wahrscheinlich nur, das Ganze wieder zähneknirschend zu akzeptieren.

Was verkompliziert die Sommerferienplanung außerdem?

Die Planung soll unter „pädagogischen Gesichtspunkten“ stattfinden:

  • So muss beispielsweise die Zeitspanne nach Ostern und Pfingsten für Prüfungen und Vorbereitungen lang genug sein.
  • Zwischen Ferien soll es möglichst sechswöchige zusammenhängende Unterrichtsphasen geben.
  • Die Schulhalbjahre sollen möglichst gleichlang sein.
  • Projekte, Klassenfahrten und Sportwettkämpfe sollen gut über das Schuljahr verteilt werden.

Das alles zwischen den Ländern mit deren eigenen Ferienregelungen außerhalb des Sommers abzustimmen, ist ein Puzzle. So hatten sich beispielsweise Berlin und Hamburg in der Vergangenheit dafür stark gemacht, dass die Sommerferien nicht mehr vor dem 1. Juli beginnen, damit jährliche Verschiebungen nicht mehr so groß ausfallen. Eine Verengung des Ferienkorridors stößt aber bei den Küstenländern und der Tourismusindustrie auf Widerspruch, weil Einbrüche im Tourismus befürchtet wurden.

Welche Auswirkungen haben die unterschiedlichen Ferientermine auf die individuelle Urlaubskasse?

  • Urlaubskosten sind in den Schulferien tendenziell höher als außerhalb der Ferienzeit. 
  • Innerhalb der Ferienzeit ist die Nachfrage höher, was zu höheren Preisen für Unterkünfte, Flüge, Essen sowie Ausflüge. Zudem sind viele beliebte Reiseziele während der Ferienzeiten ausgebucht. Das schränkt die Auswahl ein, was sich wiederum in höheren Preisen niederschlägt. 
  • Außerhalb der Ferienzeit ist die Nachfrage geringer. Nach den Schulferien wollen weniger Menschen in Urlaub fahren, was die Nachfrage mindert und zu günstigeren Preisen führt. Hotels und Fluggesellschaften locken außerhalb der Hauptsaison mit Rabatten und. 

Welche Regeln gelten für Reiseländer?

Die Preise für einen Sommerurlaub in klassischen europäischen Reiseländern wie Frankreich, Italien, Kroatien, Spanien, Portugal variieren je nach Saison. Die Hauptsaison im Juli und August ist generell teurer als die Nebensaison von Oktober bis April. 

In den Wintermonaten von Oktober bis März herrscht dagegen in einigen Regionen, die bei Skifahrern beliebt sind, dichtes Treiben. Das wiederum hat höhere Preise zur Folge.

Zur Hauptsaison können die Preise für Unterkünfte, Flüge etc. bis zu 50 Prozent höher liegen als in der Nebensaison. Das gilt für quasi alle Urlaubsländer in Europa und Übersee.