Abschied von einem Stück „alte Bundesrepublik“ – mit Trauerbeflaggung im ganzen Land. Das ist der Hintergrund.
Wer heute, am 24. Februar 2026, an öffentlichen Gebäuden vorbeifährt und Flaggen auf halbmast sieht, fragt sich vielleicht: Was ist der Anlass? Die Antwort: Deutschland nimmt heute in einem feierlichen Staatsakt Abschied von einer der bedeutendsten Politikerinnen der Nachkriegsgeschichte.
Rita Süssmuth verstarb am 1. Februar im Alter von 88 Jahren in Neuss. Sie war von 1985 bis 1988 Bundesfamilien- und Gesundheitsministerin und von 1988 bis 1998 Präsidentin des Bundestages. Damit prägte sie über mehr als ein Jahrzehnt die deutsche Politik wie kaum eine andere Frau ihrer Generation.
Staatsakt und Beflaggung für Rita Süssmuth
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ordnete zum Gedenken an die verstorbene Präsidentin des Deutschen Bundestages a. D. einen Trauerstaatsakt an. Das staatliche Zeremoniell findet nur selten statt – es ist Ausdruck höchster Würdigung durch die Bundesrepublik und ehrt eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, die sich „um das deutsche Volk hervorragend verdient gemacht“ hat.
Nach einem ökumenischen Gedenkgottesdienst in der Berliner Sankt Hedwigs-Kathedrale findet der Staatsakt im Plenarsaal des Deutschen Bundestages statt. Neben Bundestagspräsidentin Julia Klöckner werden der Autor und Journalist Heribert Prantl sowie Bundeskanzler Friedrich Merz sprechen.
Merz und Merkel treffen nach Stuttgart-Panne erneut aufeinander
Die Zusagen von Altkanzler Olaf Scholz und „Übermutter“ Angela Merkel unterstreichen die Bedeutung der Veranstaltung. Protokollarisch dürfte das erneute Aufeinandertreffen von Merz und Merkel genau beobachtet werden.
Beim CDU-Parteitag in Stuttgart war „Mutti“ vor der Wiederwahl von Friedrich Merz abgereist und musste somit keinen Applaus spenden. Angeblich hatte sie nach drei Stunden Verspätung keine Geduld mehr und wollte den letzten Direktzug nach Berlin nehmen. Später zeigte die ARD irreführend geschnittene Bewegtbilder mit Merkel-Applaus, die nachträglich gelöscht werden mussten.
Auch alle noch lebenden ehemaligen Bundestagspräsidenten wie Wolfgang Thierse, Norbert Lammert und Bärbel Bas haben ihre Teilnahme am Staatsakt für Rita Süssmuth zugesagt.
Im Bundestag ist am 24. Februar ganztägig Halbmastbeflaggung angeordnet. Auch Dienstgebäude bundesweit tragen an diesem Tag Trauerbeflaggung. Behörden im ganzen Land zeigen so ihre Anteilnahme.
Frauenpolitikerin Rita Süssmuth
Mit ihrem modernen Familien- und Frauenbild war Süssmuth vielen in der Union weit voraus – sie eckte auch bei Kohl an. Ihr Einsatz für die Reform des Abtreibungsparagrafen 218 brachte ihr vehemente Kritik aus den eigenen Reihen ein, ebenso ihre Haltung beim Thema Aids. „Die Krankheit bekämpfen und nicht die Kranken“ lautete ihre Maxime.
Bundestagspräsidentin Klöckner würdigte sie mit den Worten, Rita Süssmuth sei „eine der prägendsten Politikerinnen und Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte“ gewesen, die „Debatten geöffnet und Verantwortung auch zu unbequemen Themen eingefordert“ habe, „lange bevor sie mehrheitsfähig wurden“.