Katzen schlafen bevorzugt auf der linken Seite, wie Forscher herausgefunden haben. Die Entscheidung für diese Seite ist keine Frage der Bequemlichkeit, sondern eine des Überlebens.

Wochenend-Magazin: Markus Brauer (mb)

Viele Tiere haben eine klare Lieblingsseite. So führen Elefanten ihren Rüssel entweder von rechts oder von links zum Maul, Kängurus kratzen sich am liebsten mit links und 90 Prozent aller Blauwale drehen sich beim Beutefang rechtsherum.

 

Auch Hauskatzen haben ausgeprägte Seitenvorlieben: Während Kater meist die linke Pfote bevorzugen, greifen Katzendamen eher mit der rechten. Doch wie schlafen die Stubentiger? Haben sie, unabhängig vom Geschlecht, eine bevorzugte Schlafposition?

Katzen haben ausgeprägte Seitenvorlieben: Während Kater meist die linke Pfote bevorzugen, greifen Katzendamen eher mit der rechten. Foto: Imago/Zoonar
Die Präferenz der Samtpfoten für eine Seite reicht sogar bis in den Schlaf hinein. Foto: Imago/Zoonar

Links schläft sich’s besser

Katzen schlafen bevorzugt auf der linken Seite. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam, das mehrere hundert Youtube-Videos von schlafenden Katzen ausgewertet hat. Die Wissenschaftler sehen in diesem Phänomen einen evolutionären Vorteil, weil er das Jagd- und Flucht-Verhalten nach dem Aufwachen begünstigt.

Das Team der University of Bari Aldo Moro (Italien), der Ruhr-Universität Bochum, der Medical School Hamburg und weiterer Partner in Deutschland, Kanada, der Schweiz und der Türkei berichtet über die Studie in der Fachzeitschrift „Current Biology“.

Katzen schlafen täglich 12 bis 16 Stunden

Alle Tiere sind im Schlaf besonders verwundbar, und Katzen verbringen jeden Tag 12 bis 16 Stunden damit. Sie ruhen bevorzugt auf erhöht Liegeplätzen, sodass sich Feinde nur von unten anschleichen können.

Die Forscher um Sevim Isparta von der Animal Physiology and Behaviour Research Unit, Sebastian Ocklenburg von der Medical School Hamburg und Onur Güntürkün von der Bochumer Arbeitsgruppe Biopsychologie wollten herausfinden, ob die Tiere bevorzug auf der linken oder rechten Seite schlafen. „Asymmetrien im Verhalten können Vorteile haben, weil die beiden Hirnhälften auf unterschiedliche Dinge spezialisiert sind“, sagt Onur Güntürkün.

Forscher haben über 400 YouTube-Videos aus, in denen jeweils eine einzelne Katze mindestens zehn Sekunden lang auf der Seite schlafend zu sehen war. Foto: Imago/Zoonar
n zwei Dritteln der Videos schliefen die Katzen auf der linken Seite, in einem Drittel auf der rechten. Foto: Markus Scholz/dpa
Natürlich könnte es für die Stubentiger schlicht gemütlicher sein, links zu schlafen, doch ihre Präferenz für diese Seite hat wahrscheinlich auch evolutionäre Ursachen Foto: Imago/Thales Antonio

Gefahren mit dem linken Sehfeld wahrnehmen bringt Vorteile

Die Gruppe analysierte 408 öffentlich auffindbare Youtube-Videos, in denen eine einzelne Katze klar erkennbar mit dem ganzen Körper mindestens zehn Sekunden lang auf der Seite schlafend zu sehen war.

Nur Originalvideos wurden verwendet; modifiziertes oder gedrehtes Material wurde aus der Studie ausgeschlossen. Zwei Drittel der Videos zeigten Katzen auf der linken Seite schlafend.

Katzen schlafen jeden Tag zwölf bis 16 Stunden. Sie verbringen also fast 60 bis 65 Prozent ihres Lebens in einem verwundbaren Zustand, in dem sie Opfer von Raubtieren werden können. Foto: Imago/Thales Antonio
Um sich zu schützen, schlafen Katzen bevorzugt auf erhöhten Liegeplätzen, so dass sich Fressfeinde nur von unten anschleichen können. Foto: Imago/MiS
Und auch die linksgerichtete Schlafposition könnte Schutz vor Räubern bieten. Foto: Imago/Zoonar

„Auf der linken Seite zu schlafen, stellt eine Überlebensstrategie dar“

Die Erklärung: Katzen, die auf der linken Seite schlafen, nehmen ihre Umgebung beim Aufwachen mit der linken Hälfte des Sehfelds wahr, das in der rechten Gehirnhälfte verarbeitet wird. Diese ist spezialisiert auf räumliche Aufmerksamkeit, die Verarbeitung von Gefahren und die Koordination schneller Fluchtbewegungen.

Schläft eine Katze auf der linken Schulter und wacht auf, so gelangen visuelle Informationen über Raubtiere oder auch Beute direkt in die rechte Hirnhälfte, die auf ihre Verarbeitung spezialisiert ist. „Auf der linken Seite zu schlafen, kann somit eine Überlebensstrategie darstellen“, resümieren die Forscher.