Warum Männer allein schlecht zurechtkommen Zur Not tut’s auch eine Übergangsfrau

Von Regina Voges 

Nach einer Trennung kommen Männer meist sehr viel schlechter mit dem Alleinsein zurecht als Frauen. Sie binden sich deshalb auch schneller wieder, während Frauen sich alles erst einmal gründlich durch den Kopf gehen lassen. Sie haben mehr „Singlekompetenz“.

Silvio Berlusconi und seine inzwischen von ihm geschiedene Frau Veronica Lario: Er ist  schon wieder verlobt. Foto: ANSA
Silvio Berlusconi und seine inzwischen von ihm geschiedene Frau Veronica Lario: Er ist schon wieder verlobt. Foto: ANSA

Stuttgart - Die Wulffs, die van der Vaarts, Heidi Klum und Seal, Katie Holmes und Tom Cruise beweisen es: auch Traumehen sind zerbrechlich. Beinahe im Wochentakt können Klatschmagazine ihrer Leserschaft mindestens einen prominenten Trennungsfall servieren. Das Publikum leidet mit, es diskutiert, spekuliert – und das tut es durchaus kompetent. Denn Promipartnerschaften unterscheiden sich in ihren Grundzügen kaum von den Beziehungen der Meiers und Schulzes nebenan.

Zu den Phänomenen, die im bürgerlichen wie im Hollywoodmilieu gleichermaßen zu beobachten sind, zählen vor allem zwei Gemeinsamkeiten: Es ist in der Regel sie, die die Koffer packt und die Scheidung einreicht, dann erst einmal eine längere Zeit braucht, um das Scheitern zu verarbeiten. Er hingegen stürzt sich nach kurzzeitiger Irritation so schnell wie möglich in ein neues Liebesabenteuer.

Frauen haben mehr „Singlekompetenz“

„Das ist tatsächlich kein Klischee“, sagt Lisa Fischbach. Die Diplompsychologin ­begleitet für die Vermittlungsagentur Elitepartner im Halbjahrestakt wissenschaft­liche Studien zur Befindlichkeit der deutschen Singles. „Beim Umgang mit Trennung und der Bereitschaft, eine neue Bindung einzugehen, gibt es zwischen Männern und Frauen sehr deutliche Unterschiede“, konstatiert Fischbach. Frauen kämen mit dem Alleinleben viel besser zurecht. „Sie besitzen mehr Singlekompetenz“, sagt sie. Sie nähmen sich sehr viel Zeit für den Abschied, sie könnten, um sich trösten zu lassen, meistens auf ein gutes Netzwerk von Vertrauten bauen. Die beste Freundin nimmt sie in den Arm, man hält Händchen, darf sich ausweinen, erfährt Zuneigung.

„Frauen fehlt deshalb nach einer Trennung viel weniger als den allein gelassenen Männern“, so hat es Lisa Fischbach in zahlreichen Gesprächen erfahren. In ihrer Hamburger Praxis berät sie Paare und Singles in allen Fragen der Partnerschaft. Bekannt wurde sie auch durch die Mitwirkung an der Dokumentationsreihe des SWR „Die Paarberater – eine neue Chance für die Liebe“.

Fischbach ist überzeugt: es ist vor allem die Angst vor dem Alleinsein, die Männer nach dem Scheitern einer Beziehung schnell eine neue Gefährtin suchen lässt. Die neue Partnerin muss dabei keineswegs gleich die Idealpartnerin sein. „Viele Neusingles legen sich zunächst einmal eine Übergangsfrau zu“, sagt Fischbach. Das ist ein Begriff, der auf der weiblichen Seite kein Pendant hat. Die Übergangspartnerschaft, so die Psychologin, „ist für Frauen kein Modell“.




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