Es kam anders. Die Personalkommission des Aufsichtsrats unter der Leitung des Arbeitnehmer-Vertreters Martin Stadelmaier hatte sich unter allen Personen, die ein Personalberatungsunternehmen sozusagen auf Eignung gescannt hatte, dem Vernehmen nach eine „knapp dreistellige Zahl“, einmütig auf Heppe festgelegt. Und schon vorher war vereinbart worden, dass dem Aufsichtsrat in so einem Fall nur die eine Person vorgestellt und zur Wahl gestellt werden solle.
Spätere Korrektur angepeilt
Das kleine Manko, dass die FSG nun zwei Männer an der Spitze hat, möchte man möglichst korrigieren, ehe im Januar 2023 Walter Schoefer nach einer außerplanmäßigen Vertragsverlängerung in den Ruhestand gehen dürfte. Die Korrektur soll auch der Aufsichtsratsvorsitzende, Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), unverbindlich in Aussicht gestellt haben. Da anstelle des Sprechers der Geschäftsführung dann die Nachfolge für den Bereich Non-Aviation (Immobilien, Verkehrsinfrastruktur, Entwicklung der Airport-City und Personalwesen) geregelt wird und nicht für den Aviation-Bereich mit operativem Betrieb, Finanzen und Controlling, könnte die Erfolgsaussicht auch größer sein, hofft man im Gremium. Denn da könnten im Bewerberfeld mehr Frauen sein.
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Für das operative Kerngeschäft bringt Heppe von allen bisher eingesetzten Geschäftsführern wahrscheinlich die meiste Erfahrung mit, mehr noch als Arina Freitag, die zuvor auch schon stattliche Erfahrungen in Organisation und Finanzen erworben hatte. Heppe startete nach einem Jurastudium in Passau und einem Masterstudium von Jura und Business Administration in Bayreuth zunächst in das Finanzwesen. Erst arbeitete er im Umfeld der Dresdner Bank, dann bei der Avenue Capital Group. Im Jahr 2007 ging er in die Luftfahrt, ähnlich wie Arina Freitag bei der Fraport AG in Frankfurt/Main.
Zahlreiche Jahre im Ausland tätig
Dort wurde Heppe Scout für Fraport-Investments in ausländische Flughäfen. Er kümmerte sich im Anschluss kurz vor Ort um den Betrieb des Flughafens in Riad (Saudi Arabien), dann rund drei Jahre um einen neuen Hauptstadtflughafen im Senegal, danach als Vorstandschef fünf Jahre lang um die Fraport-Flughäfen Burgas und Varna in Bulgarien. Die letzten 16 Monate verbrachte er bei dem indischen Unternehmen Adani Airports mit Sitz in Ahmedabad, das gegenwärtig acht indische Flughäfen betreibt, darunter einen Großflughafen in der Mega-City Mumbai, der Stuttgarter Partnerstadt. Seit März ist Heppe Vize-Verantwortlicher für die Überführung von vormals staatlichen in privatbetriebene Flughäfen.
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Er selbst sagt von sich, er stehe für hohe Finanz- und Betriebskompetenz und ein Betriebsklima, in dem jede Person ihr Bestes leisten könne. Jetzt wolle er, so berichten Teilnehmer der Aufsichtsratssitzung, aus persönlichen Gründen wieder in Deutschland sein. In seiner Vorstellung habe er signalisiert, dass er sehr genau auf die Themen der ökologischen, sozialen und finanziellen Nachhaltigkeit schauen wolle, die der Flughafen Stuttgart in den vergangenen Jahren sehr ins Schaufenster gestellt hat. Dazu gehören das Fliegen mit Strom aus der wasserstoff-betriebenen Brennstoffzelle und mit alternativen Treibstoffen. Wenn alles klappt, dürfte Heppe der nächste Sprecher der Geschäftsführung werden, wenn Schoefer abtritt. Er wird dann wohl zehn Monate Erfahrung in Stuttgart haben und gut eingearbeitet sein.
Einsparung der Stelle stand nicht wirklich zur Debatte
Die personelle Lücke zwischen dem Weggang von Arina Freitag und Heppes Dienstantritt ist durch die vergleichsweise zügige Nachfolgeregelung nun verhältnismäßig klein: von Ende Dezember bis Anfang April. Das dürfte kein Problem sein. Jedenfalls hat Schoefer in den vergangenen Monaten verschiedentlich betont, dass er es sich gut zutraue, das Unternehmen vorübergehend ohne Co-Geschäftsführer zu führen. Es gibt ja auch einige Prokuristen und diverse Abteilungsleiter.
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Die darob nahe liegende Frage, ob sich die Gesellschafter Land (65 Prozent) und Landeshauptstadt (35 Prozent) nach dem pandemie-bedingten Absturz des Verkehrsaufkommens einen Geschäftsführer mit einem Gehalt in der Größenordnung von 330 000 Euro (vor der Pandemie) vielleicht sogar sparen könnten, spielte dem Vernehmen nach nicht wirklich eine Rolle. Dann würde ja tatsächlich jeder Geschäftsführer-Wechsel ein Loch in die Führung des Flughafens reißen, sagte ein Aufsichtsratsmitglied unserer Zeitung. Außerdem hielt man in der Vergangenheit viel darauf, dass in der Flughafen-Geschäftsführung das Vier-Augen-Prinzip herrschte.