Was gutes Design kann Ein Kindersitz, der mit dem Kind wächst

Der ausziehbare Kindersitz der Firma Diono LLC gehört zu den Gewinnern des Designpreises Focus Open 2021 Foto: Jürgen Bach 8 Bilder
Der ausziehbare Kindersitz der Firma Diono LLC gehört zu den Gewinnern des Designpreises Focus Open 2021 Foto: Jürgen Bach

Bei den Focus Open 2021 im Ludwigsburg Museum zeigt sich wieder einmal: Gutes Design macht das Leben einfacher.

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Ludwigsburg - Eltern kennen das: Ziemlich plötzlich ist der Sprössling zu groß für den Kindersitz. Weil der Nachwuchs trotzdem weiterhin im Auto mit soll, muss ein neuer, größerer Sitz her. Zweimal kommt eine solche Anschaffung auf autofahrende Eltern im Leben mindestens zu. Für dieses Problem hat das US-amerikanische Unternehmen Diono LLC eine Lösung gefunden. Der Sitz wächst mit dem Kind mit. Ein kurzes Ziehen am Nackenteil genügt, und er geht nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Breite. Für das Design des Sitzes, der auch zusammenklappbar ist, ist das Studio aus Schorndorf mit dem Focus Open Design-Preis ausgezeichnet worden.

„Eigentlich sollte man beim Thema Kindersitz meinen, da ist schon alles erfunden“, sagt Christiane Nicolaus, Direktorin des Design Centers Baden-Württemberg, das den Preis verleiht. Der Sitz zeige auch, dass gutes Design nicht nur „eine schöne Form“ bedeute. Als Designer brauche es beispielsweise auch ein Gefühl dafür, was ein Produkt aus sozialer Perspektive leisten müsse. „Je übersättigter die Märkte sind, desto wichtiger wird gutes Design mit innovativem Charakter“, sagt Nicolaus. Letztlich ist gutes Design Alleinstellungsmerkmal und Wirtschaftsfaktor zugleich – vor allem muss es aber das Leben erleichtern.

Umweltschonende Produkte werden immer begehrter

Produkte, die das schaffen, sind bei den Focus Open zuhauf zu sehen, insgesamt 49 Exponate wurden ausgezeichnet. Ein Beispiel: Der Textilhersteller Rökona aus Tübingen hat einen Stoff für die Beschattung von Innenräumen in Autos hergestellt, der je nach Lichteinfall seine Farbe ändert. Bei starkem Licht wirkt die Fläche silbrig-glänzend – und strahlt entsprechend mehr zurück –, bei wenig Licht ausgesprochen matt. Normalerweise sind solche Stoffe mit Metallen bedampft, die Neuentwicklung aber nicht – und das ist das Besondere. Der Effekt kommt allein durch eine besondere Webtechnik. Die Jury honorierte auch die Tatsache, dass die sogenannte Kettwirkware zeige, „dass Verbundmaterialien durchaus verzichtbar sind“, denn diese sind kaum recycelbar. Die Themen Umwelt- und Klima spielen längst auch beim Designpreis eine Rolle.

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Gleiches gilt für den Nachwuchspreis der Mia-Seeger-Stiftung. Die Auszeichnung für Jung-Designer ist eng mit den Focus Open verbandelt. In diesem Jahr befindet sich unter den Preisträgern beispielsweise eine Nisthilfe für Hummeln, die Landwirten Erkenntnisse über den Zustand ihrer Felder liefern soll. Der sogenannte Meta-Award, der zum zweiten Mal für besonders richtungsweisende Produkte vergeben wurde, gehört ebenfalls in die Kategorie Umwelt: von der autonomen Agrarmaschine „Felschwarm FSE II“ gibt es zwar bislang, im Gegensatz zu den anderen Produkten, die bereits auf dem Markt sind, nur einen Prototypen. An dem Projekt unter der Führung der Technischen Universität Dresden sind elf Partner aus Industrie und Forschung beteiligt. Das Besondere an dem fahrenden Roboter: die Werkzeuge zum Pflügen oder Mähen befinden sich zwischen den Achsen.

Die Pandemie spielt auch beim Designpreis eine Rolle

In gewisser Weise hat sich auch die Coronapandemie beim Design-Wettbewerb niedergeschlagen. Nicht unbedingt wegen besonders vieler ausgezeichneter Medizinprodukte. Diese sind schon lange Teil des Programms. Jedoch sind in diesem Jahr laut Christiane Nicolaus relativ viele Produkte dabei, die das Arbeiten in den eigenen vier Wänden angenehmer machen sollen. Das geht von extravaganten Lösungen wie einem Laufband, das man aus eigener Kraft antreiben muss, an dem man aber auch arbeiten kann, über stapelbare Bürostühle bis hin zu fahrbaren Schränken und Trennwänden, mit denen das heimische Office blitzschnell umgestaltet werden kann.

Wer durch die Ausstellung im Ludwigsburger MIK, die bis zum 21. November zu sehen ist, schlendert, der wird sich das ein oder andere Mal bei dem Gedanken ertappen: Darauf hätte ich auch mal kommen können. Unter seinen Koffer hat der Hersteller Floyd einfach Skateboardrollen geschraubt. Mit diesen geht das Kofferziehen über Kopfstein- oder anderes Pflaster wesentlich geräuscharmer. Ein weiteres Beispiel, dass gutes Design das Leben leichter macht. Und im Fall des Koffers wahrscheinlich auch das Verhältnis mit den Nachbarn, die weiter schlafen können und nicht von klackerndem Gepäck aufgeweckt werden.




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