Was ist der Islam? Was glauben Muslime? Der Islam von A bis Z

Von /Bettina Hartmann 

Ein Fünftel der Menschheit verneigt sich Tag für Tag gen Mekka. Keine der Weltreligionen wächst so schnell wie der Islam, der so viel bedeutet wie Unterwerfung und völlige Hingabe an Gott.

Ein Hubschrauber der saudi-arabischen Sicherheitskräfte fliegt über der Heiligen Moschee von Mekka. Die in diesem Jahr in den September fallende Pilgerfahrt zum wichtigsten Heiligtum im Islam in Mekka zählt zu den Pflichten jedes gläubigen Muslimen. Foto:   14 Bilder
Ein Hubschrauber der saudi-arabischen Sicherheitskräfte fliegt über der Heiligen Moschee von Mekka. Die in diesem Jahr in den September fallende Pilgerfahrt zum wichtigsten Heiligtum im Islam in Mekka zählt zu den Pflichten jedes gläubigen Muslimen. Foto:  

Mekka - Nach dem Christentum ist der Islam die zweitgrößte Religionsgemeinschaft der Welt mit etwa 1,3 bis 1,5 Milliarden Anhängern. In Deutschland leben inzwischen deutlich mehr als vier Millionen Muslime. Doch was wissen wir hierzulande überhaupt über diese Religion? Wir haben ein ABC des Islam zusammen­gestellt – und erklären Begriffe von A wie Allah über S wie Sunniten bis Z wie Zinsgeschäfte.

A wie Allah

Der Anspruch auf Wahrheitsbesitz ist absolut: Alle Menschen sollen den einzig wahren Gott anbeten. Die universale Gültigkeit seiner Verkündigung teilt der Islam mit dem Christentum. Bei beiden handelt es sich um prophetische Religionen, für die der Absolutheitsanspruch von entscheidender Bedeutung ist.

In Sure 59, Vers 22 bis 24 des Koran, einer grundlegenden Stelle der islamischen Gotteslehre, heißt es über Allah: „Er ist Allah, außer dem es keinen Gott gibt, der Kenner des Verborgenen und des Offenbaren. Er ist der Allerbarmer und Barmherzige (22). Er ist Allah, außer Dem kein Gott ist; Er ist der Herrscher, der Einzig Heilige, der Friede, der Verleiher von Sicherheit, der Überwacher, der Erhabene, der Unterwerfer, der Majestätische. Gepriesen sei Allah über all das, was sie Ihm beigesellen (23). Er ist Allah, der Schöpfer, der Bildner, der Gestalter. Ihm stehen die schönsten Namen zu. Alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, preist Ihn, und Er ist der Erhabene, der Allweise (24).“

B wie Burka

Die Frage, in welchem Maße eine Muslima sich bedecken oder verschleiern sollte – ja, ob sie es überhaupt muss –, beschäftigt islamische Rechtsgelehrte seit langem. Der Koran äußert sich zwar zum Thema, bleibt aber recht vage und lässt somit Interpretationen zu. Die betreffenden Suren können lockerer ausgelegt werden, wobei die Gläubige dann keine Kopfbedeckung trägt oder – einen Schritt weiter – das einfache Kopftuch, Chimar genannt.

Die extremste Auslegung ist völlige Vermummung, sprich die Burka. Ein großes Stofftuch verhüllt den kompletten Körper der Frau, selbst ihr Gesicht. Es gibt nur ein gitterartiges Fenster auf Augenhöhe. Die Burka ist vor allem in Afghanistan und Pakistan verbreitet. Dazwischen gibt es Variationen wie den Tschador, der im Iran Pflicht ist. Der lange, schwarze Umhang wird um Kopf und Körper gewunden.

Zum Teil wird in Verbindung damit ein Gesichtsschleier getragen, der lediglich einen kleinen Sehschlitz frei lässt – der Niqab. Der Hidschab wiederum bezeichnet meist ein Kopftuch, das zusätzlich die Halsregion der Frau und eventuell auch ihre Schultern bedeckt.

C wie Christen

Kufr (arabisch für Unglaube) meint im Islam die Ablehnung des Glaubens an Allah, die Leugnung seines Propheten Mohammed und des Koran als Gottes Wort. Als „Kafir“ (Ungläubiger) gelten die Anhänger der beiden anderen monotheistischen Religionen, obwohl Judentum, Christentum und Islam Abraham (Ibrahim) zu ihrem Stammvater haben.

In Sure 5, Vers 44 heißt es: „Diejenigen, die nicht nach dem entscheiden, was Gott (in der Schrift) herabgesandt hatte, sind die (wahren) Ungläubigen.“ Und weiter in Vers 17 steht: „Ungläubig sind diejenigen, die sagen: Gott ist Christus, der Sohn der Maria.“

Was Christen und andere Ungläubige erwartet, beschreibt der Koran so: „Auf denen, die ungläubig sind und in diesem Zustand sterben, liegt der Fluch Gottes und der Engel und der Menschen insgesamt“ (Sure 2, Vers 161). Ungläubig sind generell alle, die außerhalb der muslimischen Gemeinschaft (Umma) stehen. In der Geschichte führten die theologischen Kontroversen immer wieder zu blutigen Konflikten, die sich beispielhaft in den mittelalterlichen Kreuzzügen entluden.

Muslime werfen Christen vor, die Bibel falsch zu interpretieren. Obwohl sie Jesus als Propheten anerkennen, werde Mohammed von christlicher Seite nicht gewürdigt. Aufklärung, gesellschaftliche Emanzipation und Imperialismus haben zudem die Gräben zwischen beiden Glaubensgemeinschaften weiter vertieft.

D wie Dschihad

Der Begriff Dschihad (arabisch für Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz) meint in einem religiösen Sinne „die Anstrengung auf Gottes Wegen“. Nach der klassischen islamischen Rechtslehre dient dieser Kampf der Erweiterung und Verteidigung islamischen Territoriums, bis der Islam die beherrschende Religion ist. Auch moderne muslimische Autoren sehen im militärischen Kampf ein legitimes Mittel, um islamische Staaten und die Freiheit der Muslime zu verteidigen sowie den Islam außerhalb seines Einflussbereiches zu verkünden.

Neben dem äußeren ist aber auch der innere Kampf gegen das Böse im eigenen Herzen und die innere Läuterung zur moralischen Vervollkommnung durch Riten, Gebete und Buße gemeint. Der Dschihad ist als wichtiges Glaubensprinzip eines der Grundgebote des islamischen Glaubens und eine allen Muslimen auferlegte Pflicht.

Sunnitische Gelehrte rechnen den Dschihad als sechste zu den „fünf Säulen des Islam“. Der Dschihad kann nur von hohen Würdenträgern ausgerufen werden. Radikalislamische Organisationen wie der Islamische Staat (IS), El Kaida oder die Hisbollah sehen in ihm ein Mittel, um Feinde des Islam zu bekämpfen – notfalls unter Einsatz des eigenen Lebens.

E wie Ehrenmord

Ehrenmord ist primär ein Phänomen islamischer Gesellschaften. Der Ehrbegriff hat weniger mit religiösen als mit gesellschaftlich-kulturellen Bedingungen zu tun. Vor allem­ in streng patriarchalischen Gesellschaften wie in Pakistan, Afghanistan oder der Türkei sind archaische Vorstellungen weit verbreitet.

Diesem Denken zufolge hat der Familienclan das Recht, sich zur Verteidigung der Ehre jederzeit in das Leben der Frauen einzumischen. Die Ehre wird auf diese Weise zum Instrument totaler Kontrolle, Denunziation und Machtausübung durch die Männer.

Mitunter reicht schon ein Gerücht, eine modische Frisur oder ein Widerwort, um die Familienehre zu verletzen. Vätern, Brüdern und Onkeln obliegt die Aufgabe, sie zu bewahren. Gelingt das nicht, können sie die Familienehre nur durch die Ermordung der Tochter und Schwester wiederherstellen.




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