Was macht eigentlich? Bogenschützin Sandra Sachse Sportlich und politisch eine Institution

Die einst erfolgreiche Bogenschützin Sandra Sachse ist seit 2005 als Landestrainerin angestellt. Foto: Susanne Degel

Was macht eigentlich
– Sandra Sachse? In den vergangenen Jahrzehnten haben Sportlerinnen und Sportler aus Fellbach und Kernen viel erlebt und waren deshalb auch immer wieder präsent in unserer Zeitung. Inzwischen ist es ruhiger um sie geworden. Wir haken nach.

Bei Sandra Sachse stehen in diesem Jahr zwei kleine sportliche Jubiläen an: Vor mittlerweile zehn Jahren hatte die Bogenschützin im bayerischen Raubling ihren letzten von einer Vielzahl deutscher Meistertitel errungen – seinerzeit jenen in der Disziplin Recurve ihrer Altersklasse. Und fünf Jahre ist es her, dass die zweimalige Olympiateilnehmerin von Atlanta 1996 – Silbermedaille im Team an der Seite von Barbara Mensing und Cornelia Pfohl – und von Sydney 2000 – Bronzemedaille im Team erneut mit Mensing und Pfohl – ihre so erfolgreiche Karriere im Bogensport endgültig beendet hat.

 

Gefüllter Terminkalender

Langweilig wird es der heute 55-Jährigen freilich auch ohne eigene Wettkämpfe nicht. Und von ihrer Sportart, mit der sie einst als Siebenjährige in Schmiden begonnen hatte, kommt sie auch nicht los. Im Gegenteil: Sandra Sachse (geborene Wagner) ist seit zwei Jahrzehnten als hauptamtliche Landestrainerin für den baden-württembergischen Nachwuchs zuständig und als solche unermüdlich mit Pfeil und Bogen auf Achse. Gemeinsames Ostercamp des Landeskaders mit den westfälischen Kollegen in Radevormwald bei Remscheid, ein Bogensportcamp am Bostalsee im Saarland, Hallentraining in Ostfildern-Ruit, Vorbereitung auf die Junioren-Weltmeisterschaft mit der 17-jährigen Fiona Marquardt in Villingen-Schwenningen, Technik-Lehrgang in Rovereto (Italien) oder Trainingseinheiten mit Talenten in Ditzingen oder am zentralen Landesstützpunkt der Sportschützen in Pforzheim. Der Terminkalender der gelernten Feinmechanikerin ist bis unter den Rand voll.

Nur selten daheim auf der Couch

Ganz nebenbei trainiert sie auch noch die Bundesligamannschaft der SGi Welzheim, mit der sie nach dem Wechsel von der Schützenkameradschaft (SK) Fellbach-Schmiden ihre größten nationalen Erfolge feierte. Überdies kümmert sie sich seit 2016 als Ortsvorsteherin um die politischen und gesellschaftlichen Belange der 2000-Seelen-Gemeinde Schornbach, einem Teilort von Schorndorf. „Ich bin tatsächlich sehr selten zuhause auf der Couch, aber das brauche ich auch nicht“, sagt die im Sauerland Geborene, deren beide eigenen Töchter inzwischen 28 und 24 Jahre alt sind.

Absage an luxemburgischen Verband

Mit ihren unterschiedlichen Aufgaben ist die ehemalige Schmidenerin auf jeden Fall so weit ausgelastet und auch zufrieden, dass sie es sich leisten konnte, ein lukratives Angebot abzulehnen: Der luxemburgische Verband hatte Sandra Sachse angeboten, das Amt der Nationaltrainerin zu übernehmen und die Bogenschützen der kleinen Nation zu Weltmeisterschaften und zu Olympischen Spielen zu führen. „Das hat mich als Herausforderung schon gereizt, aber es wäre ein zeitlich begrenztes Engagement gewesen. Da ist mir meine Sicherheit als Landestrainerin in Baden-Württemberg in meinem Alter schon lieber. Vor 20 Jahren hätte ich eher eine Zusage gegeben“, sagt Sandra Sachse und lacht.

Erste Olympiamedaille für den deutschen Bogensport und Fellbach

Die internationalen Großereignisse ihrer Sportart verfolgt die Mannschaftsweltmeisterin von 1997 immer noch regelmäßig. Wenn sie in der Nähe stattfinden, wie die Europameisterschaften 2022 in München oder die Weltmeisterschaften 2023 in Berlin, dann als interessierte Zuschauerin auf der Tribüne, ansonsten – wie die Olympischen Spiele 2024 in Paris – vor dem heimischen TV-Gerät. Dann kommen stets auch die Erinnerungen an die eigenen beiden Teilnahmen 1996 in Atlanta und 2000 in Sydney wieder hoch. Und dann tauscht sie sich darüber auch gerne regelmäßig mit ihrer in Murrhardt lebenden Schwester Marion aus, die 1992 in Barcelona selbst Teil des deutschen Aufgebots war und Platz zehn im Teamwettbewerb erreicht hatte. „Wir Bogenschützen werden leider viel zu selten in den Medien wahrgenommen, aber ich habe selbst so viele schöne Erlebnisse und Begegnungen in meinem Kopf, von denen ich zehren kann“, sagt eine zufriedene Landestrainerin, deren Silbermedaille von Atlanta einst nicht nur die erste olympische Medaille für den deutschen Bogensport überhaupt war, sondern auch die erste für die Stadt Fellbach.

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