Was macht ein Integrationsmanager? Begleiter durch den Amtsdeutsch-Dschungel

Von Kathrin Klette 

Integrationsmanager helfen den angenommenen Flüchtlingen bei allen Fragen des Alltags.

Im Rathaus wären die Büros womöglich schöner – und im Winter wärmer – als in den Containern an der Gottfried-Bauer-Straße. Doch es ist ein Ort, den viele Flüchtlinge schon kennen. Ein Vorteil für die Integrationsmanager Christina Böhme und Jörg Hamm. Foto: factum/Granville
Im Rathaus wären die Büros womöglich schöner – und im Winter wärmer – als in den Containern an der Gottfried-Bauer-Straße. Doch es ist ein Ort, den viele Flüchtlinge schon kennen. Ein Vorteil für die Integrationsmanager Christina Böhme und Jörg Hamm. Foto: factum/Granville

Renningen - Jeder kennt sie: Die großen Container, meist abgelegen von den Ortskernen, in denen Flüchtlinge untergebracht sind. Dort leben sie, bis ihr Asylantrag entweder abgelehnt oder angenommen wurde. Doch was kommt danach? Wenn ein Asylsuchender und seine Familie in Deutschland bleiben dürfen und die Suche nach einer Wohnung und einem Job anfängt? Dann beginnt die Arbeit der sogenannten Integrationsmanager. Finanziert mithilfe eines großen Fördertopfes des Landes, wurden und werden überall neue Kräfte eingestellt, die sich um Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung kümmern. In Renningen wurde die bisherige 50-Prozent-Stelle Anfang des Jahres um eine Vollzeitstelle erweitert, dazu soll eine weitere 50-Prozent-Stelle kommen.

„Wir kümmern uns um die Sozialbetreuung, um alles, was das tägliche Leben so mit sich bringt“, erklärt Christina Böhme, die bereits seit Längerem mit Flüchtlingen arbeitet und inzwischen auch den Titel „Integrationsmanager“ trägt. Seit Januar teilt sie sich ihre Aufgaben mit Jörg Hamm, dem bisherigen Leiter der Flüchtlingsunterkunft an der Gottfried-Bauer-Straße. Statt also mit den Neuankömmlingen, deren Schicksal noch offen ist, arbeitet er nun mit denjenigen, die dauerhaft in Deutschland bleiben. Trotzdem ist sein neues Büro wie auch das von Christina Böhme weiterhin in den Containern an der Bauer-Straße. „Es ist aber von Vorteil, dass wir nicht auf dem Rathaus sitzen oder irgendwo abgelegen, sondern hier, wo die Leute sich schon auskennen und uns schon kennen“, sagt Jörg Hamm. Denn oft kommen Flüchtlinge in derselben Stadt in die Anschlussunterbringung, in der sie bereits zur Erstaufnahme waren.

Amtsdeutsch bildet immer eine Hürde

Zu den Aufgaben der Integrationsmanager gehört zum Beispiel der Austausch mit Lehrern und Erziehern an den Kitas, Hilfe bei Bewerbungen, Anträgen, Post und Schriftverkehr, so Böhme. Nun können die meisten Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung zwar bereits grundlegendes Deutsch nach den entsprechenden Kursen, manche besser, manche schlechter. „Aber Amtsdeutsch ist eben sehr schwer, selbst für die, die schon gut deutsch sprechen.“ Da viel Hilfe durch Ehrenamtliche geleistet wird, ist eine weitere Aufgabe der Integrationsmanager der Kontakt mit den ehrenamtlichen Helfern und die Koordinierung der Ressourcen. Am Ende von allem steht das Ziel, dass die Betreuten eine Arbeitsstelle finden und eine eigene Wohnung beziehen. „Wenn das passiert, ist das ein großes Erfolgserlebnis“, sagt Böhme. „Auch wenn wir diejenigen dann ,verlieren’, weil sie meist in eine andere Stadt ziehen.“

Die Hilfe im Alltag ist natürlich erst der zweite Schritt. Der erste und wichtigste ist die Suche nach einer Wohnung. Wer frisch aus der Erstunterbringung kommt, hat logischerweise noch keine eigene Wohnung, gilt also als obdachlos. Die jeweilige Kommune muss die Menschen daher unterbringen, entweder in einer normalen Mietwohnung oder, wenn es keine anderen Möglichkeiten gibt, in einem Obdachlosenheim. „Wir bekommen die Leute quartalsmäßig vom Landratsamt zugeteilt“, erklärt Jörg Hamm. Die Prognose für dieses Quartal lautet 13 Personen. „Sobald das konkret wird und wir Namen haben, nehmen wir Kontakt auf“, so Böhme. Wenn dann feststeht, welcher Bedarf besteht, wird mit der Stadtverwaltung abgeklärt: Wo kann es mit diesen hingehen? „Das war am Anfang meine größte Sorge“, sagt Hamm, „dass wir keine Wohnungen finden. Aber bislang ging es ganz gut.“

Ein Integrationsplan wird erstellt

Etwa 100 Menschen haben die beiden Integrationsmanager in ihrer Betreuung. „Bis Jahresende war ich noch alleine hier. Da konnte ich wirklich nur das Nötigste machen“, sagt Christina Böhme. Jetzt könne sie viel tiefer gehen. Ein wesentliches neues Aufgabenfeld für beide ist das Erarbeiten eines Integrationsplans gemeinsam mit jedem Flüchtling – auf freiwilliger Basis. „Die Menschen sollen selbst sagen: Was will ich erreichen und wann?“ Später wird dann überprüft: Was ist daraus geworden? Die Erfahrungen von Christina Böhme sind sehr unterschiedlich. „Es gibt Fälle, in denen es super vorangeht, und ebenso Situationen, in denen man sich hinstellen und fragen muss: Warum ist noch nichts passiert?“ Manchmal gehe es dabei sogar um ein- und dieselbe Person.

Am leichtesten, zumindest, was die Sprachentwicklung angeht, haben es oft die Kinder. „Auch da merkt man natürlich Unterschiede zwischen den einzelnen, aber bei vielen kann man nur staunen, manche sprechen nach zwei bis drei Jahren im Kindergarten fließend deutsch.“ Gleichzeitig erinnert sich Christina Böhme an einen recht kuriosen Fall mit einem kleinen kurdischen Jungen. „Ich war schon total enttäuscht, weil ich dachte, dass er überhaupt keine Fortschritte macht.“ Dann aber stellte sich heraus, dass der Junge einen besten Freund hatte, der eben nicht deutsch, sondern arabisch sprach. In der Folge lernte der kurdische Junge zwar leider kaum deutsch, dafür aber super arabisch. Auch sehr bewegende Momente gehören zum Alltag der Integrationsmanager. „Ich arbeite zum Beispiel mit einer Familie aus Afrin in Nordsyrien“, berichtet Böhme. „Wenn sie im Fernsehen Bilder von Zuhause sehen und sich um ihre Familien und Freunde dort sorgen, – das ist schon hart, zu sehen, wie sehr sie darunter leiden.“




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