Was macht Katharina Schiller? Olympia ging unter die Haut

Katharina Schiller unterrichtet Mathematik, Sachkunde und Sport. Foto: Michael Käfer

In den vergangenen Jahrzehnten haben Sportlerinnen und Sportler aus Fellbach und Kernen viel erlebt. Inzwischen ist es ruhiger um sie geworden. Wir haken nach.

Fragt man Katharina Schiller nach dem größten sportlichen Ereignis ihres Lebens, dann zögert die einstige Spitzenschwimmerin keine Sekunde. Die 2008 in der chinesischen Hauptstadt Peking ausgetragenen Olympischen Spiele haben bei der heute 40-Jährigen einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen. „Es ist schon einmalig. Man taucht ein in eine ganz eigene Welt“, sagt Katharina Schiller.

 
Foto: Archiv Tom Bloch

Zwei Wochen hat sie damals im Olympischen Dorf gewohnt und weil ihre Auftritte anlässlich der Vorläufe über 400 und 200 Meter Lagen bereits in der ersten Woche stattfanden, konnte sie anschließend noch die Umgebung von Peking erkunden sowie die deutschen Teamkollegen anfeuern. Außerdem hatten die Olympioniken Zugang zu allen Wettbewerben. „Ich war beim 200-Meter-Finale von Usain Bolt“, erinnert sich Katharina Schiller. Den Handballern und den Beach-Volleyballern stattete sie ebenfalls einen Besuch ab.

Die Neigung zum Sport im nassen Element wurde der fünffachen deutschen Einzelmeisterin und zweifachen nationalen Mannschafts-Titelträgerin buchstäblich in die Wiege gelegt: Der Vater arbeitete in ihrer Heimatstadt Bad Salzdetfurth als Schwimmmeister. „Einen Schwimmkurs habe ich nie besucht“, sagt Schiller. Stattdessen lernte sie das Schwimmen zum Schrecken manches Badbesuchers schon mit drei Jahren autodidaktisch. Erste Erfolge stellten sich bei der 1,75 Meter großen Frau – wie im Schwimmsport häufig – frühzeitig ein. Bereits im Jahr 2000 wurde sie deutsche Juniorenmeisterin über ihre Spezialstrecke, die 200 Meter Lagen sowie über die doppelt so lange Lagendistanz. 2007 und 2008 sicherte sie sich die nationalen Frauentitel über 200 Meter Lagen. Bei den zugleich als Olympiaqualifikation in Berlin ausgetragenen deutschen Meisterschaften 2008 siegte sie in 2:13,73 Minuten.

Im Jahr nach den Olympischen Spielen von Peking wechselte ihr langjähriger und zugleich einziger Trainer Reiner Tylinski als Landestrainer nach Stuttgart, dem Katharina Schiller folgte. Und weil Reiner Tylinksi im Rahmen seiner Tätigkeit als Landestrainer auch Trainer ausbildete, lernte sie am Beckenrand ihren heutigen Ehemann Anto Schiller kennen. Somit war auch der Umzug nach Fellbach beschlossene Sache, denn die neue Heimat liegt zwischen ihrer damaligen Trainingsstätte, dem Untertürkheimer Inselbad, und Anto Schillers damaligem Arbeitsplatz beim VfL Waiblingen. Für diesen Verein – und zuvor kurzzeitig für den SB Schwaben Stuttgart – startete sie auch während der vier Jahre bis zu den Olympischen Spielen von London.

Ausgestattet mit dem ersten Staatsexamen, aber noch ohne absolviertes Referendariat, wollte die angehende Lehrerin noch einmal sportlich durchstarten. Die finanzielle Gelegenheit dazu bot eine Stelle als Sportsoldatin bei der Bundeswehr, die sie von Oktober 2009 an besetzte. „Es war eine Möglichkeit, noch einmal drei Jahre profimäßig trainieren zu können“, sagt die Obergefreite.

Andere Verdienstmöglichkeiten sind im Schwimmsport rar, denn eine lange Bundesligasaison wie in den Ballsportarten oder im Ringen gibt es bei den Schwimmern nicht. Andererseits ist der Trainingsumfang enorm. Zehn Trainingseinheiten im Wasser und weitere fünf Einheiten zur Kraftentwicklung hat die schlanke Frau seinerzeit absolviert und dabei bis zu 100 Kilometer pro Woche schwimmend verbracht.

Der ganz große Erfolg der Mühen blieb Katharina Schiller jedoch verwehrt. An der Olympiaqualifikation für die Spiele von London, die damals neben dem nationalen Meistertitel 2012 auch die Erfüllung einer harten Zeitvorgabe erforderte, scheiterte sie trotz Goldmedaille über 400 Meter Lagen knapp. „Eine oder eineinhalb Sekunden haben gefehlt“, sagt Katharina Schiller rückblickend. „Es war in dem Moment natürlich bitter und enttäuschend, aber ich habe Olympia einmal erlebt.“ Unmittelbar danach beendete sie ihre sportliche Laufbahn und absolvierte ihr Referendariat. Seither arbeitet die auf die Fächer Mathematik, Sachkunde und Sport spezialisierte Grundschullehrerin in Stuttgart an der privaten Merz Schule, die auch Eliteschule des Sports und Partner des Olympiastützpunktes Stuttgart ist. Mit dem Schwimmsport hat sie privat kaum noch zu tun, obwohl ihr Ehemann eine eigene Schwimmschule gegründet hat: „Ich habe das Laufen für mich entdeckt.“ Zudem besucht sie Kurse in Aqua-Fitness und Zumba. Beruflich bringt sie ihren Schülern den Schwimmsport aber gerne bei.

Die Eindrücke von Olympia sind allerdings nach wie vor bei ihr präsent: „Es sind schon einmalige Erlebnisse, die man da mitnimmt und an die man sich sehr gerne zurückerinnert.“ Im Fall von Katharina Schiller findet diese Erinnerung mindestens zweimal täglich beim Sockenwechsel statt, denn über ihrem linken Knöchel sind die Olympischen Ringe eintätowiert.

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