Was Singen alles vermag Womöglich kann es sogar Leben retten
In seiner Kindheit hat unser Kolumnist KNITZ gesungen. Dann kam der Stimmbruch. Jetzt singt er wieder – als Vorsichtsmaßnahme.
In seiner Kindheit hat unser Kolumnist KNITZ gesungen. Dann kam der Stimmbruch. Jetzt singt er wieder – als Vorsichtsmaßnahme.
Lasst uns übers Singen reden. Aber davor sollten wir uns vielleicht etwas einstimmen: Mimimimimieee!
Für Charles Darwin, den Evolutionsforscher, schien die Sache klar: Der menschliche Gesang geht auf die Paarungsrufe der Vögel zurück. Klingt im ersten Moment einleuchtend, aber KNITZ würde dem entgegenhalten, dass es seiner Kenntnis nach durchaus Menschen gibt, die einen Beitrag zur Arterhaltung geleistet haben, obwohl sie als Sänger Pfeifen waren. Sich selbst nimmt er dabei keinesfalls aus.
Aber das war nicht immer so. In der Kindheit war KNITZ gut bei Stimme. Wenn er nicht irrt, hat er bei einem Krippensingspiel in der Kirche sogar mal eine tonangebende Rolle bekommen. Ob er den Erzengel Gabriel, den Josef oder die Maria gab, vermag er nicht mehr zu sagen. Ist zwar noch keine 2000 Jahre her, aber arg viel weniger werden es nicht sein.
KNITZ hat damals mit dem Gedanken gespielt, seine stimmlichen Fähigkeiten zu verfeinern und als Star in den Schlagerhimmel aufzusteigen. Sein großes Vorbild war der niederländische Kinderstar Heintje. Wenn Heintje „Mama, Du sollst doch nicht um deinen Jungen weinen“ sang, gerieten mütterliche Tränendrüsen unter Hochdruck. Die Methode, mittels Gesang Frauen in Ekstase zu versetzen, erschien KNITZ als ausbaufähig. Doch dann kam der Stimmbruch.
Heintje rappelte sich hinterher wieder auf und machte als Heintje Simons weiter. Zwar löste seine Stimme keine Heulausbrüche mehr aus, aber er schien davon leben zu können. Für KNITZ war die Popstarkarriere vorbei, noch bevor sie richtig begonnen hatte. Selbst unter der Dusche oder in der Badewanne war sein Gesang nicht mehr zu gebrauchen. Also hielt er die Klappe – zumindest, was das Gesangliche betrifft.
Wobei, so ganz stimmt das nicht. Einmal ließ er sich doch zu gesungenen Lautäußerungen hinreisen. Das war im Saal der Gaststätte Rosenau. Die Veranstaltung hieß „Aus voller Kehle für die Seele“, Vorsänger war der wunderbare Patrick Bopp, für KNITZ eine Art Stellvertreter Gotthilf Fischers auf Erden.
KNITZ würde lügen, wenn er behaupten tät, das Singen hätte ihm keinen Spaß gemacht. Doch Chorgesang ist eine andere Sache, da geht ein Misston in der Masse unter. In diesem Jahr hat sich KNITZ sogar überlegt, ob er nicht ins Gazi-Stadion gehen soll, wo Patrick Bopp am 21. Dezember beim Weihnachsingen himmlische Harmonien aufsteigen lässt. Doch die Veranstaltung ist seit Wochen ausverkauft.
Dabei hätte KNITZ etwas Übung gut getan, denn seit einigen Tagen wandelt er als Sänger sogar wieder auf Solopfaden. Der Grund ist eine Hausbewohnerin.
Die Frau ist fürchterlich schreckhaft. Egal ob KNITZ ihr im Treppenhaus, im Keller oder in der Tiefgarage begegnet, wenn sie einen nicht vorher kommen sieht, zuckt sie zusammen und läuft kreidebleich an. Also hat KNITZ beschlossen, seine Stimme zu erheben, wenn er die Wohnung verlässt.
Keine Sorge, er ist Realist. KNITZ glaubt nicht, dass er im Alter noch Roland Kaiser Konkurrenz machen wird. Aber wenn er mit seinen Gesangseinlagen einen frühzeitigen Herztod verhindern kann, dann ist das mehr, als er jemals erwarten durfte.