Stadtkind Stuttgart

Was trägt Stuttgart? Mode, Moral und Mainstream

Von Tanja Simoncev 

Andy Nosa Moses bezeichnet sich selbst als kleinen Rebell. Das zeigt sich auch in seinem Kleidungsstil, der gerne auch mal Klamotten aus der Frauenabteilung beinhaltet. Für unsere Serie hat er mit uns über Mode und Mainstream geplaudert.

Schreckt auch vor Rosa nicht zurück: Andy Nosa Moses in unserem Stylecheck. Foto: Tanja Simoncev 15 Bilder
Schreckt auch vor Rosa nicht zurück: Andy Nosa Moses in unserem Stylecheck. Foto: Tanja Simoncev

Stuttgart - "Ich war schon früher der, der auch mal rosa trug und den alle ausgelacht haben. Ich war immer der Junge, der andere Klamotten anhatte. Und das bin ich auch heute noch", sagt Andy Nosa Moses selbstbewusst. Kein Wunder gründete der 21-Jährige, den alle Nosa nennen, vor einem Jahr sein Label "Anomos", für das er auch gerne rosafarbene Shirts bedruckt und mit dem er kürzlich sein einjähriges Bestehen im Saftshop Lala feierte.

Nosa, der an der Hochschule für Technik Innenarchitektur studiert, ist anders. Schon immer hat er sein Ding durchgezogen. Das liegt zum einen und ganz bestimmt an seinem Daddy, denn der war von Kindesbeinen an sein Fashion-Vorbild - gerade weil er anders war und sich individuell kleidete. "Das macht einen doch auch aus, dass man nicht immer mit dem Mainstream geht, sondern was eigenes draus macht. Und ich war schon immer auch ein kleiner Rebell."

Anomos bedeutet selbstbestimmt

Von seinem Vater erbte der Label-Gründer jedoch nicht nur diesen eigenen Sinn für Mode, sondern auch das Zeichentalent. "Ich habe immer viel gezeichnet und irgendwann wollten die Leute meine Bilder auf ihren Shirts haben." So entstand die Idee - zunächst für ein Schulprojekt - Kleidung mit den Zeichnungen zu bedrucken.

Nach dem Abi und einer inspirierenden Reise durch Indonesien, gründete Nosa schließlich sein Label. "Ich fand es nice, dass alle meine Klamotten trugen und so machte ich weiter." Also wurde mit dem Namen herumgewürfelt und die Anfangsbuchstaben ergaben dann "Anomos". Zu dem Zeitpunkt war Nosa mit einer Griechin zusammen, die ihm erklärt habe, dass sein Label-Name übersetzt "selbstbestimmt" bedeute. "Und das hat natürlich perfekt gepasst. Denn so war ich schon immer, habe immer mein Ding gemacht."

Die Verbindung nach Afrika ausbauen

Damals sprang er dafür ins kalte Wasser, heute will er sein Label und seine Verbindung zu Afrika - sein Wurzeln liegen in Nigeria - weiter ausbauen. "In Zukunft möchte ich dort mit Organisationen zusammenarbeiten." Seine Zeichnungen auf den Shirts sind auch an seine afrikanischen Wurzeln angelehnt. Nun sollen die Stoffe folgen, vor allem die Farben haben es dem Studenten angetan. "Weil diese aus der Natur übernommen werden." Da sei nicht immer alles so steril. "Und ich will jetzt auch wieder mehr Farbe und Leben in die Klamotten bringen."

Außerdem ist Moses das Thema Nachhaltigkeit sehr wichtig, deshalb möchte er in Zukunft mehr auf Upcycling, wie etwa das Label "Wiederbelebt", setzen. "Ich selbst trage neben meinem eigenen Label hauptsächlich Second-Hand-Klamotten." Mit allem anderen würde er moralisch auch nicht mehr klar kommen, so der Kreativkopf. Deshalb wolle er seine Shirts zukünftig auch nicht mehr über den Großhandel beziehen, sondern mehr Transparenz schaffen, indem er lokale Stoffe einkaufe. "Ich habe kürzlich auch eine Nähmaschine geschenkt bekommen und möchte wieder mehr selbst nähen - weg vom Basic, hin zu eigenen Schnitten.