Stadtkind Stuttgart

Was trägt Stuttgart? Weniger ist mehr

Von Laura Müller-Sixer 

Würde man Eli Zazas Style mit einem Heißgetränk vergleichen, wäre sie wohl ein klassischer schwarzer Kaffee - mit einem guten Schuss Milch und etwas Zucker. Die 20-Jährige arbeitet im Tatti Café & Bar, liebt die Analog-Fotografie und kleidet sich gerne elegant und schlicht. Warum manchmal weniger einfach mehr ist? Das verrät Eli in unserem Streetstyle.

Eli liebt es minimalistisch. Gerne kombiniert sie elegante Schnitte und bequeme Sachen.  Foto: Laura Müller-Sixer 11 Bilder
Eli liebt es minimalistisch. Gerne kombiniert sie elegante Schnitte und bequeme Sachen. Foto: Laura Müller-Sixer

Stuttgart –  Elegant, clean, schick – aber trotzdem bequem. „Wichtig ist mir, dass ich mich wohlfühle“. Die 20-Jährige Eli wechselt innerhalb ihrer Garderobe gerne umher, liebt Mäntel, Jacken, Latzhosen und trägt im Sommer am liebsten Kleider: „Es ist unkompliziert. Sie sind schnell drübergezogen und du bist dann einfach fertig.“ Ja, mit dem „schnell fertig sein“ ist das bei dem Girl vom Tatti nämlich so eine Sache: „Mein Zeitmanagement ist eine absolute Katastrophe. Ich mache immer alles auf den letzten Drücker.“ Dass ihr Kleiderschrank hauptsächlich aus schwarz-weißen Stücken besteht, liegt also nicht etwa am mangelnden Mut zur Farbe: „Wenn ich spät dran bin, muss ich so nicht lange überlegen. Schwarz und Weiß? Das geht einfach immer zusammen!“ Eli Zaza kombiniert ihre Kleidungsstücke gerne und orientiert sich dabei an aktuellen Trends: „Ich fühle mich mit dem momentanen Stil unserer Zeit echt wohl.“ An die frühen 2000er erinnert sie sich allerdings nicht ganz so gerne zurück: „Diese Sonnenbrillen oder die Trompetenärmel. Das war furchtbar!“

Liebe zum Detail

Wenn sie nicht gerade im Tatti hinter der Bar steht oder Haute-Couture-Schauen aus Paris verfolgt, zückt Eli ihre Analogkamera: „Man sieht immer mehr digitale Porträtfotografien, aber analog hat es für mich so viel mehr Charme. Du knippst nicht einfach drauflos, sonst ist der Film voll. Das ist alles viel bedachter.“ Wichtig sind ihr die kleinen Details: „Nach dem Entwickeln der Bilder entdeckst du immer etwas Neues, was während des Fotografierens gar nicht so offensichtlich war. Jedes Bild ist etwas Besonderes.“ Schmuck trägt Eli Zaza übrigens kaum – vor allem keinen von der Stange: „Vielleicht habe ich mal eine dünne Kette am Hals oder einen schlichten Ring am Finger. Aber eigentlich mag ich vor allem Schmuck mit Bedeutung. Zum Beispiel ein Freundschaftsband oder Mitbringsel aus dem Urlaub.“

Komplimente verteilen statt urteilen

Apropos Urlaub: Eli sagt, für Mode müsse man einfach in Stimmung sein. Vor allem im Urlaub würden sich die Menschen farblich mehr trauen: „Das kann man so schön beobachten. Die Leute sind frei, sie kennen niemanden, genießen das Leben und spiegeln dieses Gefühl in ihrer Klamottenauswahl wieder.“ In der Heimat Stuttgart wird dann doch oft viel geguckt und geurteilt: „Das machen wir wohl alle.“ Ihr Rezept dagegen? Einfach mal aussprechen, wenn etwas gefällt: „Ich gehe so oft zu Mädels, wenn ich ihre Outfits schön finde und mache ihnen Komplimente oder frage, wo sie das tolle Teil herhaben.“ Ginge es nach Elli, sollten die Menschen hier allgemein viel mehr ausprobieren: „Aber Stuttgart ist da vielleicht noch etwas verschlossen. Ein Freund von mir hat sich zum Beispiel ein total buntes Shirt von Supreme gekauft und meinte dann zu mir „Hey, das kann ich nicht anziehen, Stuttgart ist noch nicht bereit dafür.“

Das gewisse Etwas

Für Eli sind hohe Schuhe ein absolutes Muss, nur wundert sie sich, warum ihr im Kessel tatsächlich so wenige Frauen damit begegnen: „Ganz ehrlich, ich liebe High Heels und habe auch ganz viele davon. Aber sobald man welche trägt, fragt gleich jeder: 'Sag mal, hast du was vor?' Dabei sieht es einfach super elegant aus - auch wenn es nur zu einer schlichten schwarzen Denim mit Basic-Shirt ist. Das verleiht einer Frau das gewisse Etwas.“ Nachdem die 20-Jährige ihr Kunstgeschichte-Studium erst einmal auf Eis gelegt hat, beginnt sie nun ein Praktikum im Studio Orel, hat sich an vielen Unis beworben und plant die ersten eigenen Projekte: „Normalerweise halte ich mich mit meinen Analogfotografien im Hintergrund, aber das soll sich in Zukunft ändern.“ Vor allem das Ballett hat sie inspiriert: „In Stuttgart wird dafür so wenig Werbung gemacht, auch auf den Social Media Kanälen. Ich finde, dass Ballett einen ganz besonderen Zauber versprüht, dem sich auch junge Menschen absolut nicht entziehen können. Nur müssen sie erst einmal dorthin gelockt werden.“ Genaueres wollte der kreative Kopf noch nicht verraten - wir lassen uns also überraschen und wünschen Eli toi, toi, toi.