Die Erde hat gebebt, kommt jetzt die Flutwelle? Was man im Urlaub in Küstennähe bei Tsunamigefahr dann tun sollte.
Gerade noch Urlaub unter Palmen und jetzt Tsunamiwarnung? Das kann nicht nur am Pazifik passieren, auch im Indischen Ozean und rund um das Mittelmeer drohen nach Erdbeben Flutwellen. Was man über die Meereswellen wissen muss - und was bei einer Warnung zu tun ist.
Vorher: Überblick verschaffen - Fluchtwege kennen
- Wer den Weg kennt, muss ihn später nicht suchen. Verschaffen Sie sich Überblick über Fluchtwege, Evakuierungsrouten und Sammelplätze, rät das Deutsche Geoforschung Zentrum (GFZ). Im Zweifel im Hotel nachfragen. Allerdings: Solche Pläne gibt es nicht an allen Orten.
- In Risikogebieten warnen Behörden unter anderem über Lautsprecherdurchsagen, per Sirene, Nachrichten auf das Mobiltelefon oder über Radio und Fernsehen.
- Wichtig: Warnsysteme funktionieren laut GFZ nur effektiv für Küstenregionen, die vom Tsunami-Auslöser weit entfernt sind. Nur dann bleibe genug Vorwarnzeit. Bei lokalen Tsunamis bleibt meist nur Zeit für unmittelbare Warnungen und Eile ist geboten.
Direkte Warnzeichen: Erde bebt, Wasser geht, Meer dröhnt
- Bebt die Erde, begibt man sich zunächst ins Freie mit Abstand von Gebäuden, die einstürzen könnten. Sobald das Beben vorbei ist, müssen Gefahrenbereiche verlassen werden.
- Dann gilt: Bei Erdbeben in Küstennähe und Tsunamiwarnungen sofort vom Wasser entfernen und sich in höher gelegene Bereiche im Landesinneren begeben. Jeder Höhenmeter zählt und schützt, falls es zu einem Tsunami kommt.
- In flachen Regionen versuchen, so weit wie möglich ins Landesinnere zu gelangen.
- Gibt es keine natürlichen Erhöhungen, kann man sich laut Aktion Deutschland Hilft auf die Dächer stabiler mehrstöckiger Stahlbetongebäude retten.
- Ein Warnzeichen für unmittelbare Tsunamigefahr: Das Wasser an der Küste zieht sich in kurzer Zeit weit zurück und legt große Flächen Meeresboden frei. Oder es ertönt ein lautes Dröhnen von See her. Dann ist höchste Eile angesagt. Warnen Sie andere Menschen und bringen Sie sich in Sicherheit.
- Bei klaren Warnzeichen nicht auf offizielle Anweisungen zur Evakuierung warten, sondern sofort in Sicherheit bringen.
- Nur das Nötigste mitnehmen – etwa Dokumente, Wasser, wichtige Medikamente und ein Mobiltelefon. Weiteres Gewicht verlangsamt nur die Flucht.
- Nicht zu früh in Sicherheit wiegen: Die Wellenberge eines Tsunami folgen aufeinander in Abständen von etwa 10 Minuten bis zu über einer Stunde, so das GfZ. Und häufig sind die ersten Wellen kleiner als folgende. Nach der ersten Welle ist die Gefahr also nicht vorüber.
- Deswegen erst nach Entwarnung in gefährdete Bereiche zurückkehren.
Was ist ein Tsunami?
Tsunamis genannte Flutwellen können entstehen, wenn Erdbeben oder Vulkanausbrüche den Meeresboden erschüttern. Im Gegensatz zu normalen oberflächlichen Wellen ist der Tsunami (japanisch: große Welle im Hafen) deshalb so gefährlich, weil sich die tiefen Wasserschichten in Bewegung setzen.
Auf hoher See ist diese Welle gewöhnlich nicht größer als wenige Meter und wird von Schiffen oft gar nicht bemerkt. Ein Grund ist auch der große Abstand zwischen den einzelnen Wellen (Wellenlänge).
In flachen Küstengewässern und engen Buchten läuft sie dann zu enormen Höhen von mehreren Dutzend Metern auf und kann ganze Landstriche verwüsten. Die Flutwellen breiten sich rasend schnell mit bis zu 800 Kilometern pro Stunde aus. Sie können so binnen weniger Stunden ganze Ozeane durchqueren.
Das höchste Tsunami-Risiko besteht wegen der großen Aktivität der Erdkruste rings um den Pazifik. Bei der Tsunami-Katastrophe Ende Dezember 2004 in Südostasien kamen mehr als 230.000 Menschen ums Leben. Ein starkes Beben der Stärke 9,0 mit anschließendem Tsunami führte im März 2011 zur Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima.