Was verbirgt das Sibyllenloch auf der Teck? Sagenumwobene Höhle bei Kirchheim

, aktualisiert am 05.08.2025 - 12:23 Uhr
Der Sage nach hatte die Sibylle ihr Schloss tief unten im Teckfelsen (hier der Eingang) – bis sie aus Gram über ihre drei missratenen Söhne auf einem feurigen Wagen durch die Lüfte verschwand. Foto: /Andreas Kaier

Unter einem beliebten Ausflugsziel im Kreis Esslingen befindet sich eine spannende Höhle: Das sagenumwobene Sybillenlochunterhalb der Burg Teck bei Kirchheim.

Man höre und staune: Wer sich auf die Spuren und die Sage der Sibylle und deren Behausung begeben möchte, der muss – anders als es der Name vermuten lässt – hoch hinaus. Der Grund: Das Sibyllenloch steckt nicht irgendwo in der Tiefe, sondern hoch oben, unterhalb der Burg Teck bei dem Städtchen Owen. Von Owen aus führt eine ausgeschilderte Straße hinauf zu einem großen Parkplatz. Von dort aus geht es auf einem breiten und geschotterten Weg weiter bis zur Burg, die im Jahr 1152 erstmals urkundlich erwähnt worden ist. Für den etwa eineinhalb Kilometer langen, steilen Anstieg muss man etwa 30 Minuten rechnen. Wohl dem, der einen feurigen Wagen hat. Doch davon später mehr…

 

Sibylle soll eine weise, hilfsbereite Frau gewesen sein

Nach dem Anstieg warten im Burghof kleine Snacks und kühle Getränke, die es an einem Kiosk zu kaufen gibt. Im Jahr 1525 wurde die ursprüngliche Teck im Bauernkrieg völlig zerstört und als Burg nie wieder aufgebaut. Auf der mittelalterlichen Ruine wurde Ende des 19. Jahrhunderts ein Aussichtsturm errichtet, dem im 20. Jahrhundert eine Veranstaltungshalle und ein Wanderheim des Schwäbischen Albvereins folgten.

Der Sage nach bildet die Höhle tief unten im Teckfelsen den Eingang zu dem sagenhaften Schloss der Sibylle, einer weisen und vor allem hilfsbereiten Frau, die dort einmal gehaust haben soll. Erste schriftliche Erwähnungen reichen in das Jahr 1531 zurück. Trotz ihres Reichtums – die Legende berichtet von einem im Schloss versteckten Schatz mit viel glitzerndem Gold und funkelnden Edelsteinen – war Sibylle mildtätig und stand jedem mit Rat und Tat zur Seite. So manch armer Mensch sei nicht umsonst den steilen Weg zu ihr hinaufgestiegen. Doch die gute Sibylle hatte drei Probleme. Das waren ihre missratenen Söhne, die sich hinter der Teck das Tal hinauf mehrere Burgen bauten. Der eine auf dem Rauber, der andere auf dem Wielandstein und der dritte auf der Diepoldsburg hoch über dem Lenninger Tal.

Von dort drangsalierten sie die Bauern der Umgebung und plünderten durchreisende Kaufleute aus. Der guten Mutter trieb das natürlich die Schamesröte ins von Sorgenfalten zerfurchte Gesicht. Sie schämte sich ihrer Söhne so sehr, dass sie nicht mehr in ihrer Nähe bleiben wollte. Der Sage nach fuhr sie eines schönen Abends von ihrer Höhle aus auf einem feurigen Wagen, der von zwei Wildkatzen gezogen wurde, mit fliegenden Haaren durch die Lüfte. Doch wohin, das wird für immer ein Geheimnis bleiben.

Letzte Schatzsuchen in den Jahren 1690 und 1691

Ob die Geschichte einen wahren Kern hat? Nun, das kann man nie so genau wissen. Immerhin trieb die Legende von unermesslichen Reichtümern im 16. Jahrhundert drei Schatzsucher aus Weilheim dazu, sich in der Sibyllenhöhle genauer umzusehen. Historischen Quellen zufolge waren sie bereits im Jahr 1531 dort unterwegs. Fest steht, dass sie zwar nichts gefunden haben, wegen ihrer illegalen Suche aber schließlich im Kirchheimer Gefängnis landeten.

Zum letzten Mal werden Schatzsuchen in den Jahren 1690 und 1691 urkundlich festgehalten. Ob der Schatz inzwischen von jemandem gehoben wurde, ist nicht bekannt. Es wird jedoch erzählt, dass vor rund 150 Jahren eine Familie in Bissingen über Nacht auf unerklärliche Art und Weise reich geworden sein soll…

Die Burg Teck steht auf dem Sibyllenfelsen, wo der Sage nach tief drinnen die Sibylle ihr Schloss hatte. /Andreas Kaier

Wissenschaftlich geklärt ist dagegen das Phänomen der Sibyllenspur, die die vergrämte Mutter auf ihrem feurigen Ritt in die Fremde zwischen Dettingen und Owen hinterlassen haben soll. Wie die Legende weiter berichtet, soll dort, wo ihr Wagen die Erde berührt hat, ein Gleis in den Boden geschnitten worden sein, wo das Korn üppiger wächst als anderswo. Die Sage berichtet von einem letzten wohltätigen Abschiedsgeschenk an die Bauern in der Gegend.

Nun, diesen 600 Meter langen Streifen gibt es tatsächlich und er ist in der Landschaft gut sichtbar. Bodenkundler und Geologen vermuteten lange Zeit eine geologische Störung oder einen alten, von Menschenhand geschaffenen Prozessionsweg. Erste Untersuchungen im Jahr 1976 brachten ein erstes schwaches Licht ins Dunkel.

Die Ergebnisse wurden so ausgelegt, dass es sich bei dem Phänomen um eine geradlinige Grabenanlage aus römischer Zeit handelt, worauf Scherbenfunde hindeuteten. Spätere Luftbildaufnahmen und Ausgrabungen zeigten schließlich, dass es sich bei der Sibyllenspur um einen Teil des sogenannten Lautertal-Limes handelt, der einstmals das Römerkastell in Köngen mit dem Kastell bei Donnstetten verbunden hat.

Dieser Artikel wurde neuveröffentlicht. Die Erstveröffentlichung war am 13. August 2024.

Das Sibyllenloch – ein Hohlraum im Kalkstein der Schwäbischen Alb

Lage
Das sogenannte Sibyllenloch liegt genau unterhalb der Burg Teck auf rund 750 Meter über dem Meeresspiegel. Direkt am Eingang zur Burg führt rechter Hand ein schmaler Pfad rund 50 Meter hinunter zum Eingang der Höhle. Für Naturwissenschaftler ist die Sibyllenhöhle nichts weiter als ein Hohlraum, den Wasser im Kalkstein der schwäbischen Alb über Jahrmillionen hinweg geschaffen hat.

Geschichte
Mystiker und andere empfindsame Seelen gehen jedoch davon aus, dass der Hohlraum der Eingang zum Schloss einer weisen und wohltätigen Frau namens Sibylle ist, um die sich einige Sagen ranken. Eine weitere Höhle mit demselben Namen gibt es in unserer Gegend im Kirnbachtal bei Ebersbach an der Fils im Landkreis Göppingen.

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