Was wird aus Aichwalder Traditions-Marke? Noch stehen Rehm Wurstdosen in den Regalen

Die Fleischwarenproduktion in Aichwald ist längst eingestellt worden. Foto: Roberto Bulgrin

Auch Monate nach dem Aus für die Traditionsfirma Rehm Fleischwaren aus Aichwald ist unklar, wie es mit der Marke weitergehen wird.

Region: Corinna Meinke (com)

Es war ein Schlag ins Kontor, als die Firma Rehm im Februar in Aichwald das Aus verkündete. Während der Großteil der Belegschaft von 52 Männern und Frauen mit dem Stopp der Produktion freigestellt wurde, dauert der Abschied von den traditionellen Wurstwaren aus dem Kreis Esslingen aus Verbrauchersicht noch an. Im stationären Handel ist die Dosenwurst noch zu haben.

 

Der Onlineshop ist geschlossen

„Wir haben noch einige Bestände am Lager, die wir abverkaufen“, bestätigt Wolfgang Rehm die Beobachtung und ergänzt: „Unsere Wurstkonserven werden noch von Edeka, Rewe und Kaufland bezogen“. Wolfgang Rehm, der Enkel des Firmengründers Eugen Rehm, fungiert als Inhaber und Geschäftsführer der Firma Rehm Fleischwaren Aichwald. Sein Onlineshop ist bereits stillgelegt mit dem Hinweis, man habe schweren Herzens die Produktion komplett eingestellt. Da der Großteil der Belegschaft freigestellt sei, fehlten dafür personelle Kapazitäten.

Ob die Marke Rehm, die sich seit 1938 im Ländle behauptet, komplett vom Markt verschwinden wird, ist weiter unklar. Die heutige Firma Rehm Fleischwaren geht zurück auf den Gründer Eugen Rehm und seine Ehefrau Maria, die 1938 den gepachteten Metzgerei-Gasthof „Zur Traube“ in Esslingen-Wäldenbronn übernahmen, 20 Jahre später in die Konservenproduktion einstiegen und 1973 in die Schurwaldgemeinde Aichwald umzogen. Um auch künftig von der Marke zu profitieren, wäre der Verkauf der Markenrechte oder eine Lizenzvergabe denkbar. Wolfgang Rehm beantwortet die Frage so: „Wir prüfen zur Zeit unterschiedliche Modelle. Es wäre natürlich erstrebenswert, den Fortbestand der traditionsreichen Marke auf Basis unserer Rezepturen durch einen künftigen Produzenten sichern zu können. Ob dies gelingt, ist allerdings bisher fraglich.“

Markenverkauf oder Lizenzvergabe

Im Februar wurden die wirtschaftlichen Schwierigkeiten mit hohen Kosten und hohem Preisdruck begründet. Eine Rentabilität sei mittelfristig nicht mehr gegeben, deshalb „haben wir die Stilllegung des Betriebes beschlossen“, bestätigte Rehm nun erneut. Diese Entscheidung sei getroffen worden, um einer sonst möglichen Insolvenz zu entgehen. Ziel sei es, den Betrieb eigenverantwortlich und ordentlich abzuwickeln und „sämtliche Forderungen aus eigenen Mitteln“ der Firma Rehm Fleischwaren zu bestreiten. In der Öffentlichkeit war auch über die Zukunft des Grundstücks und der Produktionsanlagen in Aichwald diskutiert worden. Die Immobilie „befand sich nie im Eigentum der Eugen Rehm GmbH & Co. KG. Der Betrieb war seit jeher gepachtet“ und das Grundstück ist im Familienbesitz, jedoch unabhängig von dem Unternehmen, erklärte Rehm nun dazu. Im Bundesanzeiger finden sich mehrere Gesellschaften im Umfeld von Rehm. Dazu zählt auch die Geschwister Rehm Gesellschaft mit beschränkter Haftung Aichwald, die Anfang des Jahres aufgelöst wurde. Rehm plagen seit Jahren wirtschaftliche Probleme. Die Insolvenz 2019 der Firma Eugen Rehm Esslinger Fleischwaren sei aus technischen Gründen formal noch nicht abgeschlossen, sagte unlängst der Insolvenzverwalter Tibus Braun. Immerhin seien die Forderungen der Gläubiger zu hundert Prozent erfüllt worden.

Nach kurzem Aufwind wurde im September 2022 die Maultaschenproduktion geschlossen, und ein Drittel der rund 100 Mitarbeitenden verloren ihre Arbeit. Zwischen dem alten Unternehmen und der neuen Gesellschaft Rehm Fleischwaren gibt es laut Braun keine geschäftliche Verbindung. Nach Abschluss des Insolvenzverfahrens soll die alte Gesellschaft aus dem Handelsregister getilgt werden.

2019 ging die Gründerfirma in Insolvenz

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