Was wird aus den Zirkussen im Land? Salto vitale

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Nicht nur die Großen der Szene – wie Knie oder Krone – sind in Schwierigkeiten, denn der Zirkus ist vor allem eines: personalintensiv. Eine Initiative von Studenten hilft den kleinsten der 300 Zirkusbetriebe hierzulande.

So kennt man den Circus Krone: Großer Rahmen, große Tiere Foto: dpa/Felix Hörhager
So kennt man den Circus Krone: Großer Rahmen, große Tiere Foto: dpa/Felix Hörhager

Stuttgart - Vom Zirkuspferd wird gesagt, dass es auch im Alter verlässlich in den Auftrittsmodus wechsle und sich im Takt der Kapelle wiege, wenn die Trompete ertönt. Was aber, wenn die Musik gar nicht spielt? Seit Mitte März steht in den Manegen hierzulande alles still: Löwen und Clowns, Tiger und Tänzer, Drahtseilartisten und Jongleure können nicht gastieren. Aber trainieren müssen sie trotzdem – und essen und Miete zahlen zumal.

Gerade jetzt, im Mai, wäre die Zirkussaison richtig in Schwung gekommen – und vor allem die großen Zirkusse wie Knie und Krone haben dafür vorab viel Geld in Werbung investiert. Auf Tourneen, die manchmal nacheinander durch 25 Städte führen, nehmen die Zirkusse ein, was sie für den personalintensiven Betrieb brauchen, der buchstäblich seine Zelte erst abbrechen muss, bevor er sie ganz woanders aufrichtet. Unternehmen wie Krone, immer noch der größte Zirkus der Welt, kommen auf 35 000 Euro Fixkosten täglich. Im Moment jedoch sind die Ausgaben auf ein Drittel gesunken, denn die meisten der 260 Mitarbeiter sind in ihren Heimatländern – alle anderen in Kurzarbeit. Über 300 Zirkusse registriert der Verband deutscher Circusunternehmen (VDCU) in der Republik, und nicht nur die Großen haben wegen im Voraus an die Kommunen überwiesener Platzmieten und Abstandsregeln, die greifen sollen (400 statt 1200 Zuschauer), ihre Sorgen. Der Kölner Circus Roncalli, ein Unternehmen ohne Tiere, will, gleichsam dem Autokino, als Autozirkus arbeiten, aber kleine Zirkusse ohne feste Quartiere sind bereits in echten Schwierigkeiten wegen des Coronavirus.

In der Existenzkrise

Zirkus Frankordi in Schwaigern, Bravissimo in Schönaich und Salto Mortale in Rangendingen gehören zu den erweiterten Familienunternehmen, die derzeit in der baden-württembergischen Region gestrandet sind. Um sie kümmert sich derzeit ein Team von Studenten, die bei einem Projekt ihrer Hochschule auf die Existenzkrise der Zirkusse aufmerksam geworden sind und nun helfen wollen. Sie sammeln Spenden (Informationen unter www.manegezu.de), um eine Kultur am Leben zu erhalten, die es schon in normalen Zeiten als analoge Kunst nicht immer leicht hatte: Salto vitale!




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