Waschbären breiten sich immer mehr in der Region aus. Zwei Experten erklären, wie man die Tiere aus Haus und Garten vertreiben kann – und, wie man einen Stadtjäger beauftragt, falls dies nichts hilft.
Sie sind flauschig, putzig, hochintelligent und geschickt – und vermehren sich rasant. Vor allem in den Landkreisen Ostalb, Rems-Murr, Göppingen und Esslingen sind Waschbären auf dem Vormarsch. Sorgen die pelzigen Banditen, die im englischen Sprachraum auch liebevoll „Trash Pandas“, also „Müll-Pandas“ genannt werden, zunächst oft für Verzückung, bereiten sie Hausbesitzern und Naturschützern Kummer. Immerhin machen sie Radau auf Dachböden, entfernen die Isolierung am Haus, plündern Fischteiche, richten unter Amphibien Massaker an und räumen Katzenfutternäpfe und Vogelnester leer.
In vielen Städten und Gemeinden sind inzwischen Stadtjäger beauftragt. Vor der sogenannten letalen Entnahme gibt es jedoch noch andere Mittel, die Waschbären aus Haus und Garten vertreiben können. Der Wildtierbeauftragte des Landkreises, Dominic Hafner, und Gerd Holzwarth, Leiter des Forstdezernates im Landratsamt Rems-Murr, erklären einige Tricks, die Waschbären zum Auszug bewegen können.
Woran erkennt man, dass ein Waschbär im Garten aktiv ist?
Poltern auf dem Dachboden oder auf der Terrasse, plötzlich leer gefressenes Katzen- oder Vogelfutter, keckernde und gurrende Laute oder der typische Waschbärkot können Anzeichen dafür sein, dass die Tiere ein Grundstück heimgesucht oder sich dort gar eingenistet haben. Wenn sie sich Zugang verschaffen, sind sie nicht zimperlich. „Sie können durchaus Dachziegeln beiseiteschieben. Ein Siebenschläfer schafft so etwas nicht“, sagt Dominic Hafner. „Wildkameras sind gar nicht allzu teuer. Sie können helfen, herauszufinden, wo sich die Waschbären bewegen oder wo sie ihr Versteck haben.“
Vogelhäuser sind bei Waschbären beliebt. Foto: dpa/Britta Pedersen
Wo verstecken sich Waschbären?
Allzu große Ansprüche haben die anpassungsfähigen Tiere nicht unbedingt an ihr Versteck. „Gartenhütten sind da ziemlich typisch“, erklärt Hafner. Aber auch Holzstapel oder die Dielen einer Veranda werden von Waschbären gerne angenommen. Vor allem, wenn das Nahrungsangebot in der Umgebung stimmt, werden die Tiere angezogen. Volle Obstbäume, verwilderte Grundstücke und frei herumliegendes Tierfutter sind für sie quasi eine Einladung.
Wie vertreibt man einen Waschbären am besten?
Lärm, Licht und starke Gerüche – das können Waschbären absolut nicht leiden. Werden beispielsweise blitzende Ultraschallgeräte mit Bewegungsmelder vor ihrem Unterschlupf positioniert, fühlen sich viele irgendwann nicht mehr wohl. „Allerdings muss man beachten, dass dadurch unter Umständen auch Haustiere betroffen sind“, erklärt Gerd Holzwarth.
In oder vor den Verstecken sowie entlang ihrer bekannten Wege können auch duftende Rausschmeißer platziert werden. Beutel mit Hundehaaren, Apfelessig, ein scharfer Chili-Sud, Lavendel- oder Pfefferminzöl sind für Waschbärnasen ein Graus, Chili hat zudem einen gewissen Pfefferspray-Effekt. Angeblich soll auch das Anpflanzen von Lavendel an betroffenen Stellen helfen. „Es ist aber wichtig, diese Maßnahmen zu variieren“, sagt Dominic Hafner. Sonst würden sich die Waschbären bald daran gewöhnen.
Unterschlupfmöglichkeiten und Futterangebot beseitigen
Wichtig ist es bei alldem auch, das Grundstück so zu gestalten, dass die Waschbären sich weniger wohlfühlen. Äste, die aufs Dach ragen, lose Dachziegeln oder Einstiegsmöglichkeiten in der Hausfassade sollten gekürzt beziehungsweise behoben werden. Dachrinnen als Aufstiege sollte man mit Abwehrgürteln sichern. Auch Schornsteine sind ein beliebter Einschlupf, die mit einem Gitter verschlossen werden können – alles natürlich vorausgesetzt, dass der Waschbär und eventuelle Junge nicht eingeschlossen werden. „Unterschlupf und Nahrungsangebot – das sind eigentlich die wichtigsten Punkte“, erklärt Holzwarth. Das bedeute, dass Obstbäume möglichst zeitig abgeerntet werden sollten. „Auch eine Biotonne oder den Kompost sollte man möglichst verschließen“, sagt Dominic Holzwarth.
Wie kann man Vogelhaus, Katzenfutter und Co. schützen?
Katzen und andere Haustiere sollten nicht draußen gefüttert werden. Vor allem nachts gilt es, das Futter – darunter fallen auch Meisenknödel – hereinzuholen. Je nach Bauart wirft ein Waschbär durchaus auch ein Vogelhaus um, um an den köstlichen Inhalt zu gelangen. Bäume und Pfosten, an denen sie befestigt sind, können mit stacheligen oder glatten Abwehrgürteln versehen werden. Ist das nicht möglich, eignet sich zum Aufstellen eines Vogelhauses auch ein Pfahl im Boden, der mit einem Regenfallrohr aus Plastik ummantelt ist. „Klettern können Waschbären zwar super, springen dagegen nicht“, sagt Hafner. Das Einflugloch von Nistkästen lässt sich mit trichterartigen Metallvorrichtungen absichern, in Igelhäuschen sollte das Futter weit weg vom Eingang platziert werden, damit Waschbärpfoten keine Chance mehr haben.
Volker Schwörer ist Stadtjäger. Foto: Gottfried Stoppel
Waschbären einfangen darf nicht jeder
Viele Varianten von Lebendfallen sind im Handel erhältlich – nur einsetzen darf man sie oft nicht. „Drahtgitterfallen sind wegen der Verletzungsgefahr für die Tiere generell verboten“, erklärt Hafner. Wer ohne Genehmigung und Sachkundenachweise Fallen aufstellt, begeht zudem Wilderei. Doch auch mit den nötigen Papieren steht man vor einem Problem: Durch die Einstufung des Waschbären als invasive Art ist es illegal, ihn in der Natur freizulassen. Theoretisch wäre es erlaubt, ihn auf dem eigenen Grundstück wieder auszusetzen. Doch damit wird nur erreicht, dass der Waschbär sich in Zukunft von Fallen fernhält. Direkte handfeste Konfrontation mit einem Waschbären sollte man vermeiden, sie können kräftig zubeißen und Krankheiten übertragen.
Wenn alles nichts hilft, wie beauftragt man einen Jäger?
Sollten alle Vergrämungsversuche fehlschlagen, hilft manchmal nur ein – in der Regel kostenpflichtiger – Jäger. Dieser kann einerseits weitere Schritte empfehlen, andererseits den Waschbären auch letal entnehmen, sprich töten. Dafür stellt er zunächst eine Lebendfalle auf, in die der neugierige Kleinbär meist recht schnell tappt. Dann wird er mit einem gezielten Schuss in den Kopf getötet, dies geschieht entweder auf dem Grundstück oder außerhalb der Ortschaft. In Orten, in denen kein Stadtjäger beauftragt wurde, vermittelt das Forstamt des Landratsamtes welche – und erteilt für 60 Euro entsprechende Genehmigungen.