Waschbären und Nilgänse Viele invasive Arten in Stuttgart
Die Population der Waschbären in Stuttgart nimmt immer weiter zu, es gibt allerdings auch viele andere Arten, die eigentlich hierzulande nichts verloren haben.
Die Population der Waschbären in Stuttgart nimmt immer weiter zu, es gibt allerdings auch viele andere Arten, die eigentlich hierzulande nichts verloren haben.
In Stuttgart gibt es nicht nur immer mehr Waschbären als invasive Art. Das erklärt Klaus Lachenmaier, Biologe, Wildtierexperte beim Nabu und Jäger. Der Biologe stellt aber fest, dass es in der Landeshauptstadt nach seiner Einschätzung mehr Waschbären als Nilgänse gibt. Deshalb müsse man, da, wo es brennt, eingreifen“, so der Jäger. Denn die Zahl der Waschbären werde weiter zunehmen. Aber nicht jeder Waschbär im Garten, sei ein Problem. „Wichtig ist“, betont Lachenmaier, „diese Tiere nicht zu füttern.“
Derzeit gebe es hunderte von Nilgänsen in Stuttgart. Ein Nilgansmanagement ist, wie mehrfach berichtet, noch in Arbeit. Auch auf städtischer Ebene. Nachdem es vom Regierungspräsidium Stuttgart bislang keine Lösungen gab, ist die Stadt Stuttgart, wie berichtet, aktiv geworden. Bezirksvorsteher Ralf Bohlmann hatte letztes Jahr Vertreter betroffener Ämter zu einem ersten Treffen eingeladen und die gesetzlichen Grundlagen und Maßnahmen diskutiert. Allein in Hofen am Max-Eyth-See lebten im vergangenen Jahr mehr als 150 Nilgänse. Sie machen sich auch auf Äckern und in Freibädern breit. Nach Angaben der Stadt wurden im vergangenen Jagdjahr 27 Nilgänse erlegt, davon 16 im angrenzenden Jagdbezirk zum Max-Eyth-See. Sechs Gänse seien in Stuttgart tot aufgefunden respektive bei Verkehrsunfällen gemeldet worden. Viele Nilgänse gab es im Freibad Rosental, dem Leuze, dem Mineralbad Berg, dem Inselbad Untertürkheim, dem Freibad Möhringen und dem Höhenfreibad Killesberg. Dort sorgten sie vor allem mit ihrem Kot für Ärger. Doch Lachenmaier erklärt, dass die Nilgänse auch ökologische Probleme verursachen und beispielsweise Stockenten, Blesshühner und Haubentaucher durch ihr aggressives Verhalten stören, die am Ufer brüten.
Ein Problem seien laut Lachenmaier auch die Sumpfbiber, die Nutrias. Sie wurden auch schon am Max-Eyth-See gesehen. „Die werden sich auch weiter ausbreiten“, so der Experte. Nutrias seien deshalb ein Problem, weil sie am Gewässer Sicherungen, Dämme und Deiche untergraben, was bei Hochwasser sehr problematisch sei. Sie verursachten große Schäden. Auch fräsen sie junge Schilfpflanzen. Im Wasser werden heimische Steinkrebse werde durch amerikanische invasive Krebsarten verdrängt.
Andere invasive Tierarten wie Ameisen oder amerikanische Eichhörnchen hat der Experte in Stuttgart noch nicht festgestellt. Zuletzt hatte die invasive Ameisenart Tapinoma magnum in der badischen Stadt Kehl für Schlagzeilen gesorgt, die in einer Superkolonie in Gärten, Häuser und Stromkästen eingedrungen ist und für Strom- und Internetausfälle gesorgt.
Invasive Arten, die die biologische Vielfalt bedrohen, sind nach einer Liste der Europäischen Union definiert. Darin sind unter anderem Nilgänse, Waschbären, Nutrias und Grauhörnchen aufgeführt. Unter den Pflanzen, die wild lebend in Deutschland nachgewiesen, sind es der Götterbaum, Riesenbärenklau und der Himalaja-Bergknöterich. Nach Angaben des Nabu Deutschland sind rund 168 Tier- und Pflanzenarten bekannt, die nachweislich negative Auswirkungen haben. In der Europäischen Union gehen Experten zufolge 1200 gebietsfremde Arten aus, von denen 15 Prozent als invasiv eingestuft werden und damit potenzielle Schäden anrichten.