Wasserball-Bundesliga Der „Opa“ ist der Ligabeste

Florian Pirzer hat eine ganz starke Saison gespielt und ist mit dem SV Cannstatt in die höchste deutsche Liga aufgestiegen. Foto: Archiv/Günter Bergmann

Torhüter Florian Pirzer vom Meister SV Cannstatt ist der Spieler des Jahres in der Bundesliga-B-Gruppe. Der 43-Jährige ist nicht nur wegen seiner sportlichen Erfahrung wichtig.

Reporter: Torsten Streib (tos)

Stein für Stein hat Florian Pirzer geduldig zusammengebaut, bis er fertig war, der Lego-Bausatz des Star Wars X-Wing Starfighter für Erwachsene. Neben weiteren Bauwerken steht dieser nun in seinem Wohnzimmer. Pirzer selbst war auch ein Baustein – und zwar ein wichtiger für die Wasserballer des SV Cannstatt auf dem Weg zum Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse. Der 43-jährige Torhüter hat bei seinen zehn Saisoneinsätzen sein Gehäuse so gut wie vernagelt und wurde siebenmal zum Spieler des Tages gewählt. Mehr noch. Siebenmal bedeuten Liga-Höchstwert, dementsprechend ist Pirzer nun vom Verband zum Spieler des Jahres in der B-Gruppe der Bundesliga ernannt worden.

 

Bei den je drei Halb- und Finalspielen hießen die Spieler des Tages unter anderem Max Vernet Schweimer, Boris Tepic und eben zweimal Pirzer – allesamt Torhüter und allesamt vom B-Gruppen-Meister aus Cannstatt. Ein Luxusproblem, mit dem er sehr gerne lebe, sagt der Trainer Djordje Milojkovic. Und auch das haltende Dreigestirn arrangiert sich laut Pirzer bestens mit der Situation. Letzterer sieht darin sogar einen großen Vorteil: „Ich muss in meinem hohen Wasserballer-Alter nicht bei jedem Spiel mitwirken. Wir stimmen uns untereinander ab und klären unsere Pläne dann mit Djordje, wer, wann zum Einsatz kommt.“ Ein Pluspunkt für das Team, ein Nachteil für die Gegner. Diese könnten sich nicht auf die Schwächen des Torhüters einstellen, weil sie ja nie wüssten, wer das Gehäuse hüten werde.

Und wie bewertet der Spieler des Jahres selbst seine diesjährige Leistung und seine Stärken und Schwächen? Rein statistisch sei das sein bestes Jahr gewesen, sagt Pirzer, der bei Mercedes-Benz als Kooperationsbetreuer arbeitet und mit seiner Freundin in Cannstatt wohnt. Beim Leistungsvermögen beruft er sich immer wieder gerne auf eine Aussage von Ernesto Priol Bice: „Weltklasse-Arme, Kreisklasse-Beine.“ Besagter Bice war Torwarttrainer beim SSV Esslingen, für den Pirzer von 2016 bis zu seiner Rückkehr an das Mombach-Bad im Jahr 2023 spielte. Soll heißen: Er komme nicht hoch genug aus dem Wasser, aber alles, was in Armhöhe ist, sei Beute von Pirzer. „Mittlerweile habe ich mich dabei aber auch verbessert“, sagt er.

Pirzer begann mit Wasserball in seiner Heimat Ingolstadt – und war anfangs stark damit beschäftigt, Bälle aus dem Netz zu holen. An hohe Niederlagen – auch mal mit 0:40 – könne er sich gut erinnern. Das Credo seiner Mitspieler lautete aber: „Du bist nur so gut, weil wir so schlecht sind.“ Denn: Er habe buchstäblich alle Hände voll zu tun gehabt und noch zig Bälle abgewehrt. Studienbedingt zog es ihn dann nach Mannheim. Dort spielte er beim Oberligisten SV Leimen/Mannheim, ehe er berufsbedingt im Jahr 2010 nach Stuttgart kam. In seiner zweiten Saison mit den Cannstattern folgte der Erstliga-Aufstieg, 2013 belegte er dort mit den Sauerwasserstädtern den vierten Platz.

Wie gesagt, 2023 kehrte er vom Erzrivalen Esslingen nach Cannstatt zurück – und das als „Opa“ des Teams. „Die meisten meiner Mitspieler könnten meine Söhne sein, nach mir ist unser Kapitän Lennart Löscher mit 30 der Nächstälteste“, sagt Pirzer lachend. Mit seiner Erfahrung ist er unheimlich wichtig für die Mannschaft. Nicht nur aus sportlicher Sicht, sondern er gebe seinen Kollegen auch Tipps für das Berufsleben, auf was sie beispielsweise nach dem Abitur achten sollten. Mit den vielen jungen Wilden – im Aufsteigerteam stehen Spieler mit Geburtsjahr 2008 und 2009 – schaffte er im Vorjahr den Sprung in die B-Gruppe und nun ins Oberhaus. Sein Fazit: „Sensationell, wie sich die Jungs entwickelt und ihr Potenzial immer noch nicht ausgeschöpft haben.“

Letzteres werden sie in der kommenden Bundesliga-Saison tun müssen. Pirzer, dann mit 44 Jahren, soll ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum Klassenverbleib bleiben. Zuvor muss sich aber zeigen, ob er weiter einen Stein auf den nächsten setzen kann – dann bei seinem neuen Lego-Projekt Star Wars Razor Crest. Aber nur, so Pirzer, „wenn ich mich mit meiner Freundin über einen Platz einigen kann“.

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