Wasserball-Bundesliga: SV Cannstatt Die rasante Entwicklung des Urgesteins

Auf Philipp Hartmanns Ansagen hören die Spieler des SV Cannstatt. Foto: Günter Bergmann

Der erst 19-jährige Philipp Hartmann ist beim Wasserball-Bundesligisten SV Cannstatt durch harte Arbeit zum Führungsspieler gereift. Auch beim jüngsten Sieg zuhause gegen München war auf ihn Verlass.

Reporter: Torsten Streib (tos)

Es war noch deutlicher als im Sommer beim Aufstiegsturnier zur ersten Wasserball-Bundesliga (Gruppe B) in Hamburg: Damals gewannen die Wasserballer des SV Cannstatt gegen die SG Stadtwerke München mit 13:9 – dennoch schnappten sich auch die Bayern noch das Erstliga-Ticket. Bei der Neuauflage der Partie am Samstagabend im heimischen Sportbad Neckarpark führten die Werfer von der Mombach-Quelle von Anfang an und fischten letztlich einen souveränen 11:6 (2:0, 0:1, 4:1, 5:4)-Erfolg aus dem Wasser.

 

Wie in Hamburg als auch am Samstag in Cannstatt war Philipp Hartmann mit am Ball. Der Allrounder spielt am liebsten auf der rechten Seite. „Ich schieße zwar nicht viele Tore, aber meine Aufgabe besteht darin, die Übersicht zu bewahren und gute Pässe zu spielen“, sagt er. Zuletzt gegen München stieg er ohne eigenen Torerfolg aus dem Wasser, aber seine Mitspieler profitierten einmal mehr von seinen Anspielen – und seinen Ansagen. Der 1,88 Meter große und 90 Kilogramm schwere Hartmann ist zweiter Kapitän und immer mehr in eine Führungsrolle hineingewachsen. Und das, obwohl er selbst erst 19 Jahre alt ist.

Damit zählt er im Stall der vielen, jungen Wilden dennoch schon zu den alten Hasen. „Es gibt nicht viele im Team, die älter sind als ich“, sagt Hartmann lachend. Dass der Spieler mit der Badekappen-Nummer zwei einmal in solch eine gewichtige Rolle schlüpfen würde, das hätte sein ehemaliger Trainer und jetziger Mitspieler Lennart Löscher nicht für möglich gehalten. „Als ich Philipp in der Jugend trainiert habe“, sagt Löscher, „war solch eine rasante Entwicklung innerhalb von drei Jahren nicht abzusehen“, sagt der Kapitän des SV Cannstatt. Grund: Er habe nicht viel Talent mit in die Wiege gelegt bekommen, aber das durch einen unbändigen Willen und enormen Ehrgeiz wettgemacht und „ist mittlerweile zu einem wichtiger Baustein unseres Teams geworden“, lobt Löscher. So ist der 19-Jährige, der in diesem Jahr sein Abitur gemacht hat, aktuell als Bademeister im vereinseigenen Mombach-Bad arbeitet und anschließend eine Lehre als Elektriker beginnen möchte, Cannstatts „Mister Zuverlässig“ schlechthin. „Wahnsinn, ich kann mich nicht erinnern, dass er in den vergangenen drei Jahren auch nur ein einziges Training verpasst hat.“

Eine Selbstverständlichkeit für Hartmann, der schon einige Höhen und Tiefen mit den SVC-Wasserball mitgemacht hat – unter anderem auch bei einem Abstieg aus der ersten Liga und dem Aufstieg zurück ins Oberhaus dabei war. „Wenn ich was mache, dann mach ich es richtig, deshalb versuche ich immer im Training zu sein, es macht mir ja auch riesigen Spaß“, konstatiert Hartmann.

Dabei waren seine Anfangsjahren nicht einfach. Seit seinem acht Lebensjahren ist er Mitglied beim SVC – zuerst als Schwimmer, später als Wasserballer. Eine Mannschaft in seiner Altersklasse gab es nicht, er spielte stets mit seinem großen Bruder Moritz in einem Team. „Meine Mitspieler waren meistens drei Jahre älter, da musste ich mich mächtig durchkämpfen“, erinnert sich der Cannstatter Co-Kapitän zurück. In der Altersklasse U 16 wechselte er dann zum SSV Esslingen, spielte dort bis zur U18 endlich mit Gleichaltrigen zusammen. „Das hat mir unheimlich gutgetan und viel gebracht.“

Ein besonders Wiedersehen mit den Esslinger gab es unter anderem zum diesjährigen Saisonauftakt. In Abwesenheit von Löscher führte Hartmann das SVC-Team erstmals als Spielführer ins Wasser. Zwar ging die Partie mit 14:15 verloren. Dennoch: „Es war ein ganz besonders Spiel, das ich nie vergessen werde“, erinnert er sich, „ich musste mehr Verantwortung übernehmen und auch das hat mich beflügelt und gleichzeitig Spaß gemacht“.

Nach dem Sieg über München belegt der SVC Tabellenplatz fünf. „Die Top-Drei sind drin“, sagt Hartmann, der mit den Seinen in zwei, drei Jahren den Sprung in die bessere Bundesliga-Gruppe-A schaffen möchte. „Wir haben uns alle Weiterentwicklung, aber unser Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Den Aufstieg packen wir noch.“

SV Cannstatt: Pirzer – Stanimirovic (4 Tore), Scherrieble (2), Löscher, Momirski (1), Kraut (1), Tick (1), Wachner (1), Pletikosic (1), Hartmann, Patsiavouridis, Wottschel, Zemun.

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