Tobias Scherrieble ist schnell durchgestartet. Erst vor rund acht Jahren hat der heute 17-Jährige mit dem Wasserballspielen angefangen. Mittlerweile ist er in seiner zweiten Saison Stammspieler beim Bundesligisten SV Cannstatt und U-18-Nationalspieler. An diesem Wochenende kämpft er mit seinem Team gegen Bayer Uerdingen um den Einzug in das Play-off-Finale der Gruppe B. Am Samstag (17.30 Uhr) ist ein Sieg notwendig, um ein entscheidendes drittes Spiel zu erzwingen. Dieses fände tags darauf (12 Uhr) ebenfalls im Esslinger Neckarinsel-Freibad statt. Die eigentliche Cannstatter Heimstätte, das Sportbad Neckarpark, ist anderweitig belegt. Die erste Begegnung haben Scherrieble und seine Mitstreiter in Krefeld mit 10:12 verloren.
Einstweilen gilt es für das Toptalent des Kaders aber auch noch einen anderen Dämpfer zu verdauen. Mit dem U-18-Team seines Vereins verpasste Scherrieble am vergangenen Wochenende den erhofften deutschen Meistertitel. Beim Final-Four-Turnier in Potsdam mussten sich die Cannstatter dem Gastgeber im Endspiel mit 7:14 geschlagen geben. „Es war schon deprimierend“, sagt der Linksaußen.
Ansonsten konnte der Elftklässler der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in seiner noch kurzen Laufbahn schon einiges auf der Habenseite verbuchen. Direkt nach seinem Wechsel vom SSV Esslingen nach Cannstatt wurde er mit der U 12 deutscher Meister, später wiederholte er mit der U 16 den Erfolg. Hinzu kommen mehrere Teilnahmen mit den deutschen Junioren-Nationalmannschaften bei Europameisterschaften sowie bei einer Weltmeisterschaft.„Ich war schon immer eine Wasserratte“, sagt der Esslinger Scherrieble über sich selbst. Anfangs spielte er Handball und schwamm. Irgendwann verband er beide Sportarten und probierte Wasserball aus. „Mir hat es gut gefallen und ich hatte von Beginn an Talent“, sagt Scherrieble mit einem Schmunzeln.
Ein Talent, das auch sein heutiger Trainer Djordje Milojkovic lobt. „Wenn er so weiter macht, dann hat er eine sehr erfolgreiche Karriere vor sich, aber bis dahin ist noch ein langer Weg“, sagt der Coach. Scherrieble absolviert neben seinem Schulalltag jeden Tag mehrere Trainingseinheiten im Wasser oder im Kraftraum des Olympiastützpunktes Stuttgart. „Elf Einheiten pro Woche und am Wochenende dann Spiele“, rechnet Scherrieble durch. Viel Freizeit bleibt da nicht.
Sechs Tore im Play-off-Spiel gegen München
Der Aufwand zahlt sich jedoch aus. „Er spielt eine für sein Alter sehr reife Saison“, sagt Milojkovic. Und: „Er hat deutlich mehr Verantwortung übernommen, als man es vor der Saison erwarten konnte.“ Nicht nur, dass Scherrieble fast jedes Spiel absolvierte, er erzielte auch in wichtigen Momenten Tore. Wie im Play-off-Viertelfinale gegen die SG Stadtwerke München, als er beim 11:8 sechsmal einnetzte und als Spieler des Spiels ausgezeichnet wurde. In der Hauptrunde war er gemeinsam mit Marko Zemun bester Torjäger seines Teams (jeweils 26 Treffer).
Neben seiner reifen Spielweise zeichnet Scherrieble aus, dass er sich schnell und explosiv im Wasser bewegt und über einen starken Wurf verfügt. Nach seinem Schulabschluss in zwei Jahren plant er ein Auslandsjahr voraussichtlich in Spanien. Auch einen Wechsel zu einem anderen deutschen Verein in der leistungsstärkeren Gruppe A schließt er nicht aus.
Doch nach wie vor fühlt sich Scherrieble dem SV Cannstatt sehr verbunden und beim Trainer Milojkovic gut aufgehoben. Und vielleicht geht es ja bald sogar mit den Neckarstädtern in die höchste Liga. Dort möchten jene nach gut zehn Jahren Abstinenz und mehrfachen Abstiegen in die 2. Bundesliga Süd wieder hin. „Ich möchte das Halbfinale gewinnen und danach das Finale, um aufzusteigen“, sagt der Trainer Milojkovic. Sollte den Seinen der direkte Durchmarsch nicht gelingen, sei es freilich kein Drama. Bei einem aktuellen Scheitern bliebe im Übrigen immer noch die Chance über eine weitere Relegationsrunde.