Wasserball – Bundesliga Wo Hannes Glaser „hinlangen“ will
Der frühere Wasserball-Nationalspieler engagiert sich beim SSV Esslingen und hat bei der Entwicklung der Bundesligateams den Nachwuchs im Blick.
Der frühere Wasserball-Nationalspieler engagiert sich beim SSV Esslingen und hat bei der Entwicklung der Bundesligateams den Nachwuchs im Blick.
Nein, selbst ins Becken steigen wird er nicht mehr, wie er lachend erklärt. Dabei könnte er der Mannschaft wahrscheinlich schon noch helfen. Das tut Hannes Glaser nun auf eine andere Weise. Der langjährige Wasserballer des SSV Esslingen und ehemalige Nationalspieler ist nach acht Jahren in Hamburg, wo er Arzt wurde, als solcher arbeitete und für Poseidon Tore warf, nach Esslingen zurückgekehrt. Und gleich hat er bei seinem Heimatverein den Posten des Fachausschussvorsitzenden Leistungssport übernommen.
Hinter dem etwas sperrigen Begriff verbirgt sich eine vielfältige Aufgabe. Eine Aufgabe mit Entscheidungsspielraum. Glaser hat sie von Andreas Hobsch übernommen, der dem Verein jedoch erhalten bleibt. Der 32-Jährige ist für die Bundesliga-Teams der Männer und der Frauen zuständig, hat aber ganz besonders auch den Nachwuchs im Blick. Und will Lücken füllen, die mit dem Rücktritt des damaligen Teammanagers Axel Hänchen vor zwei Jahren entstanden sind, etwa die Pressearbeit des Männerteams. „Wir stellen uns neu auf und wollen die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen“, erklärt Vorständin Carola Orszulik, „das mit Hannes wird supergut: Er hat Erfahrung, weiß, wo er hinlangen muss, hat eigene Ideen und integriert sich gleichzeitig super in den Vorstand.“
Wo er vor allem „hinlangen“ möchte, formuliert Glaser so: „Wir wollen unserer Bundesligamannschaft wieder aus der Jugend zufüttern.“ Damit meint er vor allem die Männer. Das Frauen-Team, das am 10. Mai ins Halbfinale um die deutsche Meisterschaft startet, ist ohnehin fast deckungsgleich mit der A-Jugend und besteht zum größten Teil aus Eigengewächsen. Im männlichen Bereich hat Nachbar SV Cannstatt dem SSVE in den vergangenen Jahren den Rang abgelaufen. Aber es kommt wieder etwas nach.
Das braucht Zeit. Deshalb sieht Glaser die Rückkehr in die A-Gruppe der Bundesliga, aus der die Mannschaft vor knapp zwei Jahren abgestiegen ist, als „mittelfristiges Projekt“. Noch ist das Esslinger Team in der laufenden Saison im Rennen um den Aufstieg. Klappt es nicht – die Mannschaft sieht sich in der an diesem Donnerstag beginnenden Halbfinal-Play-off-Serie gegen den SV Krefeld auf Augenhöhe –, treten die Esslinger in der kommenden Spielzeit in der Liga an, deren Etikett das aussagt, was drin ist: Aus der B-Gruppe wird wieder die 2. Bundesliga.
Glaser ist diesbezüglich auf Vereinslinie: Sollte es mit dem Aufstieg klappen, unterstützt er das Team trotz dann nicht größer werdender finanzieller Mittel: „Aber es wäre für die Entwicklung nicht schlecht, zwei bis vier Jahre in der 2. Bundesliga zu spielen.“
Glaser ist dankbar, dass sich die Gruppe von Ungarn um Routinier Gergö Marnitz in der Mannschaft und drumherum einbringt und sich immer mehr mit Verein und Aufgabe identifiziert. Aber die Zukunft sieht er eben mit Eigengewächsen, „wie es früher mal war“. Das ist gut für die Verbindung mit den Fans und für den Nachwuchs selbst. „Was soll man denen sonst in Bezug auf die Perspektive denn sagen?“, fragt Glaser und gibt die Antwort unausgesprochen mit. Grundsätzlich sagt er: „Man muss Wasserball in Esslingen wieder attraktiver machen.“
Der Neu-Funktionär, der an den Medius-Kliniken in Ruit als Unfallchirurg arbeitet, weiß, dass es für einen Verein mit beschränkten Ressourcen eine Herausforderung ist, sowohl mit Frauen als auch mit Männern auf hohem Niveau zu spielen. „Beides ist schwierig“, sagt er, differenziert aber: „Die Männermannschaft ist stabilisiert. Bei den Frauen ist es einfacher, mit wenig Geld etwas zu erreichen, aber da ist mehr Fluktuation.“ Die Spielerinnen sind im Schnitt jünger als bei den Männern, der Start in den Beruf kann räumliche Veränderungen bedeuten.
Im Frauenwasserball kennt sich Glaser auch deshalb aus, weil seine Frau Jennifer der Esslinger Wasserball-Dynastie Stiefel entstammt und selbst Nationalspielerin war. Gemeinsam hat das Paar den Lebensmittelpunkt nach Esslingen verlegt. Und Hannes Glaser engagiert sich gleich bei seinem Verein. Nur ins Becken steigt er nicht mehr.
SSVE im Halbfinale
Die Wasserballer des SSV Esslingen treffen im Halbfinale der Bundesliga-B-Gruppe auf den SV Krefeld. Spiel eins in der Best-of-three-Serie ist an diesem Donnerstag (15 Uhr) im SSVE-Freibad auf der Neckarinsel. Spiel zwei und möglicherweise ein drittes Spiel sind am 10. und 11. Mai in Krefeld. In der Vorrunde hatte der SSVE gegen den späteren Ersten der Endabrechnung mit 16:14 gewonnen sowie mit 5:10 verloren.
Weitere Spiele
Im zweiten Halbfinale um die B-Gruppen-Meisterschaft stehen sich der SV Cannstatt und der SV Bayer Uerdingen gegenüber. Start ist am Donnerstag (18 Uhr) in Uerdingen, Spiel zwei findet am 10. Mai nach der ersten Play-off-Begegnung der SSVE-Frauen in Esslingen statt, zu einem möglichen dritten Spiel steigen die Konkurrenten am 11. Mai ebenfalls im Freibad auf der Neckarinsel ins Becken. In den Halbfinals im Kampf gegen den Abstieg treffen die SG München und der SVV Plauen sowie der Düsseldorfer SC und der SV Würzburg 05 aufeinander.