Wasserball – Challenger-Cup Jamie-Julique Haas: von der jungen Wilden zur Anführerin
Jamie-Julique Haas kam vor zweieinhalb Jahren aus Chemnitz zum SSV Esslingen, geht bei den Bundesliga-Wasserballerinnen voran – und will bleiben.
Jamie-Julique Haas kam vor zweieinhalb Jahren aus Chemnitz zum SSV Esslingen, geht bei den Bundesliga-Wasserballerinnen voran – und will bleiben.
Bevor sie die Frage beantwortet, muss Jamie-Julique Haas lachen. „Ich brauch’ auch nichts anderes“, sagt sie dann. Haas macht im kommenden Jahr ihr Abitur an der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in Stuttgart und sie ist mit 20 Jahren schon Kapitänin eines Bundesliga-Teams. Seit dieser Saison führt sie die Wasserballerinnen des SSV Esslingen an. Da bleibt nicht viel Zeit für andere Hobbys – aber die braucht Haas eben auch nicht. Von diesem Freitag bis Sonntag steigt sie mit den SSV-Frauen im tschechischen Strakonice beim Challenger-Cup ins Wasser. Im Gegensatz zur internationalen Premiere der Esslingerinnen im vergangenen Jahr will sie mit dem Team unbedingt die Qualifikation überstehen – und ist diesbezüglich optimistisch.
Optimismus ist eine von Haas’ Grundeigenschaften. Die andere ist Ehrgeiz. „Als sie damals zum Team kam, war sie eine junge Wilde. Seither hat sie sich super entwickelt und ist eine echte Anführerin geworden“, erzählt Teammanagerin und Ex-Trainerin Iris Schneider – und, dass Haas ihre Mitspielerinnen im Training und im Spiel mit besagtem Ehrgeiz fordert. Andererseits ist sie auch diejenige, die sich immer wieder etwas für gemeinsame Aktivitäten außerhalb der Schwimmhalle einfallen lässt. „Ich versuche, voranzugehen“, beschreibt Haas das selbst.
Sie weiß jedenfalls, was sie will. Und das weiß sie schon lange. Weil es beim SC Chemnitz in ihrer Heimat kein Bundesliga-Team gab, wechselte Haas vor zweieinhalb Jahren gemeinsam mit Nele Neubert nach Esslingen. 18 Jahre alt war sie damals. „Es war etwas Neues für mich“, erzählt sie, „es war eine Herausforderung, auf sich alleine gestellt zu sein, einkaufen gehen zu müssen etwa. Aber ich habe mich gut eingelebt.“ Geholfen hat, dass sie sich sofort im Team und im Umfeld beim SSVE gut aufgehoben fühlte – und dass ihr Esslingen gut gefällt. Sie hat eine Wohnung in der Innenstadt gefunden. Haas fühlt sich so wohl, dass sie sagt: „Ich bleibe nach dem Abitur auf jeden Fall hier.“ Und das, obwohl Chemnitz seit dieser Spielzeit mit einem Team in der Bundesliga ins Wasser steigt. Der 20:4-Sieg kürzlich in Chemnitz war für sie also auch eine Rückkehr. Haas war mit sechs Treffern wie meistens erfolgreichste Torschützin der Esslingerinnen. Neubert spielte übrigens nicht gegen ihre ehemaligen Kameradinnen, sie hat im Laufe der vergangenen Saison ihre Wasserballkarriere beendet.
Haas erzählt derweil: „Ich habe mir mittlerweile in Esslingen einen Freundeskreis aufgebaut.“ Wenn sie, abgesehen vom Wasserball, in der alten Heimat ist, besucht sie vor allem ihre Familie. Ihre Eltern, erzählt sie, unterstützen sie – und sie sind mächtig stolz auf ihre Tochter.
Die auffälligste Esslinger Spielerin im Wasser war Haas schon lange. Als dann Ioanna Petiki den SSVE am Ende der vergangenen Saison verließ, um in Kalifornien zu studieren und zu spielen, führte praktisch kein Weg an ihr als Nachfolgerin vorbei. Das Votum im Team war jedenfalls klar. Und sie fühlt sich in der neuen Rolle wohl. „Ich habe ja auch durch das Nationalteam einige Erfahrung gesammelt, das kann ich weitergeben“, erklärt sie. Teammanagerin Schneider bestätigt, dass sich Haas viel auch um die jüngeren Mitspielerinnen kümmert – im und außerhalb des Beckens.
Die Kapitänin ist davon überzeugt, dass der Weg des SSVE-Teams nach vorne geht – Zweiter in der Bundesliga waren die Esslingerinnen ja schon mal. „Wir haben noch Luft nach oben. Wir spielen uns immer besser miteinander ein“, sagt sie. Auch die Integration der jungen Spielerinnen klappt – wie vor zwei Jahren die von Haas.
Jetzt strebt Haas mit dem Team den nächsten Schritt im internationalen Wasser an. „Wir haben in der Bundesliga die vergangenen drei Spiele gewonnen. Ich habe ein gutes Gefühl, dass wir weiterkommen“, sagt sie über den Challenger-Cup in Strakonice, wo der SSVE-Tross am Donnerstag ankam.
Jamie-Julique Haas’ Zukunft soll also in der Region Esslingen stattfinden – und sie weiß auch schon einigermaßen genau, was sie nach dem Abitur machen möchte. „Ich werde etwas im Bereich Sport studieren“, erzählt sie, „ich will wie jetzt den Bereich Schule und Wasserball gut miteinander verbinden.“ Denn weitere Hobbys braucht sie ja nicht.
Wettbewerb
Die Wasserballerinnen des SSV Esslingen treten zum zweiten Mal beim Challenger-Cup an. Im vergangenen Jahr schieden sie in der Qualifikation trotz guter Leistungen aus. Diesmal treffen sie dort im tschechischen Strakonice auf die Gastgeberinnen von AJ Fezko Strakonice (Fr., 19 Uhr), Nevsehir Beledive Spor aus der Türkei (Sa., 17 Uhr) und Slavia UK Bratislava aus der Slowakei (So., 10 Uhr). Die Teams sind für die SSVE-Frauen unbekannt, das Videostudium hat aber ergeben, „dass wir uns Chancen aufs Weiterkommen ausrechnen“, wie Teammanagerin Iris Schneider sagt.
Weiterkommen
Die jeweils ersten beiden Teams der beiden Qualifikationsgruppen erreichen die nächste Runde, in der vom 6. bis 8. März 2026 (der Ort steht noch nicht fest) auch die ausgeschiedenen Teams aus dem eine Kategorie höheren Conference-Cup am Start sind.