Wasserball: SV Cannstatt „Das hilft, so ein Ergebnis zu verstehen“

Der Nationaltorhüter und Kapitän des SV Cannstatt: Max Vernet Schweimer. Foto: Lennart Löscher

Max Vernet Schweimer, der Torhüter des Bundesliga-Teams, spricht über das historische Debakel gegen Waspo 98 Hannover und die aktuelle, schwierige Saison.

Sport: Dominik Grill (grd)

Mit der historischen 1:37-Niederlage beim amtierenden deutschen Wasserball-Meister Waspo Hannover hat die bisherige Saison des Bundesliga-Aufsteigers SV Cannstatt einen Tiefpunkt erreicht. Zwischenstand insgesamt: fünf Spiele, fünf Niederlagen, 121 (!) Gegentore. Wird aus dem erfüllten Erstliga-Traum nun ein Erstliga-Albtraum? Der Kapitän Max Vernet Schweimer, der am Samstag den Großteil der Begegnung im Tor war, spricht von Lerneffekten und über die aktuelle Situation.

 

Herr Vernet Schweimer, haben Sie eine Pleite diesen Ausmaßes in Ihrer Karriere schon einmal erlebt?

Ich habe ja schon in vielen Vereinen gespielt; da sind solche Spiele schon mal vorgekommen. Wir waren uns auch schon vor dem Spiel gegen Hannover der großen Unterschiede zwischen den Mannschaften bewusst – das hilft, so ein Ergebnis zu verstehen. Hannover ist nun mal eine Profimannschaft, und wir sind ein junges Amateurteam, das gerade aufgestiegen ist. Außerdem ist es für mich im Spiel und im Leben so: Niederlagen bringen einen mehr voran als Siege – wenn man sie analysiert und daraus lernt.

Sie sind Nationaltorhüter und Kapitän der Mannschaft. Haben Sie sich angesichts der Torflut in Ihrer Ehre angegriffen gefühlt?

Nein, dafür habe ich zu viel Erfahrung. Bei vielen Toren war ich chancenlos, auch wenn man als Torhüter natürlich immer denkt, man hätte mehr machen können.

In den vergangenen Jahren ging es für den SV Cannstatt steil nach oben, das Team feierte zwei Aufstiege in Folge. Wie geht die Mannschaft mit der jetzigen Situation um?

Es ist natürlich keine einfache Situation, vor allem für die jungen Spieler. Aber ganz unbekannt ist sie nicht. Anfang der letzten Saison, nach dem Aufstieg in die zweithöchste Liga, musste sich das Team auch erst einmal an das höhere Niveau gewöhnen. Es braucht einfach Zeit, bis die Jungs in der Mannschaft ihre neuen Rollen gefunden haben.

Apropos neue Rollen. Sie sind seit dieser Saison der Cannstatter Kapitän. Wie empfinden Sie diese Aufgabe? Erreichen Sie ihre Mitspieler auch mental?

Wir haben eine Truppe mit einigen erfahrenen, aber hauptsächlich jungen Spielern. In meiner Karriere war eine solche Mischung aus Reife aber auch Energie und Unbekümmertheit immer die erfolgreichste. Genau das nehme ich als Kapitän an und versuche es zu pushen.

Gleichzeitig ist es für viele Spieler natürlich ein Highlight, gegen so namhafte Teams wie Spandau und Hannover zu spielen. Ist die Begeisterung noch da?

Der Funke ist nach wie vor da. Das ist wichtig, denn wenn dieser Funke verloren geht, werde ich anfangen, mir Sorgen zu machen.

Am nächsten Samstag (18 Uhr) müssen Sie bei der SG Neukölln Berlin ran – neben dem SV Cannstatt das einzige Team, das ebenfalls noch keine Zähler hat. Ist das Spiel bereits richtungsweisend in puncto Klassenverbleib?

Es wäre natürlich gut, wenn wir die ersten Punkte sammeln. Wir rechnen uns auf jeden Fall etwas aus und werden im Gegensatz zum Hannover-Spiel mit unserem stärksten Team antreten. In Neukölln ist es immer schwierig zu spielen, gerade wegen der langen Anreise. Ich persönlich spüre aber keinen Druck. Wirklich zählen wird es erst in den Play-offs.

Wo sehen Sie den SV Cannstatt am Ende der Saison?

Ich wünsche mir, dass wir die Klasse halten und dass sich durch uns auch im Süden von Deutschland der Wasserball etabliert – und zwar in der Bundesliga.

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