Wasserballer des SV Cannstatt Kampf ums sportliche Überleben

Von Thomas Näher 

Der Kampf gegen den Abstieg aus der Wasserball-Bundesliga spitzt sich für den SV Cannstatt zu: Gegen den SV Weiden geht es um alles oder nichts. Der Verlierer der Play-off-Runde spielt künftig zweitklassig.

Am Scheideweg mit dem SV Cannstatt: Interimstrainer Jürgen Rüdt Foto: Baumann
Am Scheideweg mit dem SV Cannstatt: Interimstrainer Jürgen Rüdt Foto: Baumann

Stuttgart - Sportlich lief wenig bis nichts, und die äußeren Bedingungen passten ideal zur tristen Stimmung im und um das Becken. Im Dauerregen unterlag der SV Cannstatt am Sonntag bei Duisburg 98 mit 6:12 und muss deshalb in die Play-down-Runde der Wasserball-Bundesliga – weshalb das Bild vom Wasser, das ihr bis zum Halse steht, nicht nur wörtlich zu nehmen ist, sondern auch im übertragenen Sinne. Cannstatt kämpft um das sportliche Überleben: In maximal fünf Begegnungen mit dem SV Weiden, die erste an diesem Mittwoch (19.30 Uhr) im Inselbad Untertürkheim, geht es um alles oder nichts. „Wenn wir in der Serie in Führung gehen, ist alles drin“, sagt Jürgen Rüdt, der in der Endphase der Saison für den etatmäßigen Trainer Jovan Radojevic eingesprungen ist, weil dieser im Wasser mithilft, den rettenden Strohhalm zu ergreifen – bisher allerdings vergebens.

Dabei hatte der SVC alles selbst in der Hand, nachdem er in der Best-of-three-Serie gegen Duisburg den 1:1-Ausgleich geschafft hat. Die Mannschaft blieb im Westen, bereitete sich profihaft mit Hotelübernachtung, Spaziergang und Besprechung auf das entscheidende Duell vor. „Letztendlich haben wir aber nur Geld verbrannt“, musste sich Rüdt eingestehen. Immerhin gewann er beim 6:5-Sieg im zweiten Spiel eine wertvolle Erkenntnis: „Wir sind in der Lage, auch auswärts zu gewinnen. Das haben wir in Duisburg bewiesen.“ Das macht Rüdt Hoffnung für die letzten, entscheidenden Duelle der Saison. Bloß keine Leiden gegen Weiden!

Wenn es aber dumm läuft, findet sich nach dem VfB Stuttgart in Kürze der zweite Bundesligist aus Bad Cannstatt in der zweiten Liga wieder – allerdings mit ungleich gravierenden Folgen. Beim SV Cannstatt hängen keine Arbeitsplätze und Existenzen an der Ligazugehörigkeit, auch finanziell wäre ein Abstieg kein Beinbruch, im Gegenteil. „Im Wasserball ist es doch so: Je weiter unten du spielst, desto billiger wird es“, sagt Rüdt. Wo es keine Fernsehgelder (wie im Profifußball) gibt, da gibt es in diesem Bereich auch keine Einbußen. Und die Fahrtkosten sinken, je enger der Radius der Konkurrenzvereine ist. Dennoch setzt der Verein alles daran, die Zweitklassigkeit zu vermeiden, wobei dieses Bestreben womöglich zu spät kommt. Zu groß war der personelle Aderlass vor der Saison.

Im aktuellen Nationalspieler Timo van der Bosch (zum SSV Esslingen), in Ex-Nationalspieler Florian Naroska (nach Australien) und in Torjäger Radojevic, der das Traineramt übernahm, brachen gleich drei Stützen weg. Dennoch beharrt Jürgen Rüdt auf der Feststellung: „Es war nicht nötig, dass wir so tief gesunken sind. Beim Spiel in Wedding etwa haben wir klar geführt und wegen Disziplinlosigkeiten verloren.“

Der Notfallplan steht jedenfalls schon. Auch nach einem möglichen Abstieg soll Jovan Radojevic den Neuaufbau in der zweiten Liga anführen. Mögliche Abgänge sollen durch eigene Nachwuchskräfte aus der U 17 ersetzt werden, die von Andras Feher trainiert wird und nach einem 10:6 beim ASC Duisburg mit einem Bein im Endspiel um die deutsche Meisterschaft steht. „Wir würden gezielt auf unseren Nachwuchs setzen, da sind einige gute Talente dabei“, sagt Rüdt.

Doch noch ist es nicht soweit, noch hat der SV Cannstatt alles selbst in der Hand.