Den Niederschlägen zum Trotz: Aus den Bächen und Flüssen im Kreis Esslingen darf weiterhin kein Wasser geschöpft werden. Darum kann das Verbot nicht aufgehoben werden.

Aus den Bächen und Flüssen, Seen und Teichen im Kreis Esslingen darf weiterhin kein Wasser für den privaten Gebrauch geschöpft werden – trotz der Niederschläge in den vergangenen Tagen. Diese seien zwar „ein Segen für die Vegetation und die Böden“, heißt es aus dem Landratsamt. Doch Entwarnung kann das Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz nicht geben. Auf Nachfrage teilt die Kreisbehörde mit: „Wir planen momentan nicht, das Wasserentnahmeverbot vorzeitig aufzuheben.“ Die vor gut vier Wochen erlassene Rechtsverordnung gilt bis zum 31. August.

 

Das Verbot war erforderlich geworden, weil die Pegelstände von Aich, Körsch, Lauter, Lindach, Fils und Neckar aufgrund zu geringer Niederschläge und konstant hoher Temperaturen Ende Juni unter das sogenannte mittlere Niedrigwasser gefallen waren. Denn niedrige Fließgewässer bedeuten den Verlust von Lebensraum für die Tiere und geringe Fließgeschwindigkeiten führen zu einem verringerten Sauerstoffgehalt, was ebenso eine Gefahr für die ökologischen Vielfalt bedeutet.

Flusspegel im Kreis Esslingen fallen wohl bald wieder

Nach Angaben des Landratsamtes haben die Pegel – bis auf den der Lauter in Wendlingen – inzwischen wieder den „Mittelwasserbereich“ erreicht. Doch den Prognosen zufolge ist mit einem raschen Rückgang zu rechnen, verweist die Kreisbehörde auf die Daten der Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg, die online öffentlich einsehbar sind.

Um das Wasserentnahmeverbot aufzuheben, braucht es mehr als nur stabile Pegel der Bäche und Flüsse. Auch der Grundwasserspiegel spielt laut den Experten im Landratsamt eine große Rolle. Die Oberflächengewässer würden auf Niederschläge kurzzeitig mit steigenden Pegeln reagieren, die anschließend schnell wieder in den Niedrigwasserbereich fallen, heißt es zur Erklärung. „Dies liegt unter anderem daran, dass die Grundwasserstände, die in den Talauen mit den Wasserständen der Oberflächengewässer korrespondieren, nach wie vor sehr niedrig sind. Die aktuellen Niederschläge reichen nicht aus, um die niedrigen Grundwasserstände aufzufüllen und damit nachhaltig die Pegel der Oberflächengewässer zu stützen. Hier macht sich die Trockenheit des Frühjahrs und Frühsommers nach wie vor bemerkbar.“

Juli war laut Wetterdienst durchschnittlich feucht

Auch wenn die Wahrnehmung in der Bevölkerung eine andere sein mag, dieser Juli ist allenfalls „durchschnittlich feucht“, sagen die Fachleute. An der Flughafen-Messstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Echterdingen wurden den Angaben zufolge bis zum 29. Juli insgesamt 68,8 Millimeter Niederschlag gemessen. Dieser Wert liegt unter dem langjährigen Durchschnitt von 87 Millimeter – und erreicht wohl das Niveau der Vorjahre. Im Juli 2023 waren es demnach 75,5 Millimeter Regen, im Juli des vergangenen Jahres 80,1 Millimeter. „Allerdings sind im Landkreis starke regionale Unterschiede zu beobachten, so treten am Albtrauf durchschnittlich höhere Niederschläge auf.“

Vor diesem Hintergrund bleibt es beim Wasserentnahmeverbot. „Bei länger, anhaltender Trockenheit und niedrigen Pegeln behalten wir uns vor, die Rechtsverordnung über den 31. August hinaus zu verlängern“, kündigt das Landratsamt an. Wer sich nicht an Vorschriften hält und trotzdem Wasser für seinen Garten abzapft, dem droht eine Geldstrafe. „Uns liegen wenige Meldungen über etwaige Verstöße vor, wobei die Sachverhalte derzeit ermittelt und geprüft werden.“