Wasserqualität Ungetrübter Badespaß

Von Regine Warth 

EU-Umweltexperten haben die Wasserqualität von Meeren, Seen und Flüssen in Europa getestet – fast überall gute Ergebnisse. Aber auch in Baden-Württemberg finden sich Ausreißer nach unten. Wir sagen, wo diese sind.

Zwei Frauen gehen bei hochsommerlichen Temperaturen am Baggersee in Kirchentellinsfurt (Baden-Württemberg) baden Foto: dpa
Zwei Frauen gehen bei hochsommerlichen Temperaturen am Baggersee in Kirchentellinsfurt (Baden-Württemberg) baden Foto: dpa
Stuttgart - – Welche Badegewässer wurden überprüft?
Kurz vor Beginn der Badesaison näher rückt, gibt die Europäische Union einen Bericht über die Wasserqualität der Badestellen an Seen, Flüssen und Küsten der 28 Mitgliedsstaaten sowie der beiden Nicht-EU-Mitglieder Schweiz und Albanien heraus. Dieser soll Urlaubern eine Orientierung geben, an welchen Badeorten in Europa das Wasser auch wirklich sauber ist. Die Daten stammen aus der Badesaison 2016 und wurden von nationalen Behörden an die Europäische Kommission und die Europäische Umweltagentur (EUA) übermittelt. In den Monaten Juni bis September des Vorjahres wurden regelmäßig bis zu vier Proben aus den insgesamt 221 667 Badegewässern entnommen und untersucht. Je nach Verunreinigung werden die Gewässer in „ausgezeichnet“, „gut“, „ausreichend“ oder „mangelhaft“ eingestuft.
Welche Verunreinigungen sind bedenklich?
Besonders geachtet wurde auf die Keime, die unter anderem Magen-Darm-Infekte, teils auch Harnwegsinfektionen auslösen können. Dazu gehören Escherichia-Coli-Bakterien (E.coli) und auch Darmenterokokken, die im Darm vieler Tiere aber auch Menschen vorkommen. Sie gelangen hauptsächlich über Abwässer und Abfälle aus der Tierhaltung in die Badegewässer. Problematisch sind aber die eher kurzfristigen Schadstoffbelastungen infolge heftiger Regenfälle und Überflutungen. Unberücksichtigt blieb von der EUA bei der Analyse der Wasserqualität andere Formen der Umweltverschmutzung wie etwa Müll.
An welchen Badestellen Europas kann bedenkenlos ins Wasser gegangen werden?
Das Wasser von Flüssen, Seen und Küsten wird von Jahr zu Jahr sauberer. Die allermeisten Badegewässer – nämlich 96,3 Prozent erfüllen die Mindestanforderungen an Sauberkeit, die die EU festgelegt hat. Das ist sogar besser als in den Vorjahren. Zum Vergleich: 2014 waren es noch 94,7 Prozent. Auch der Anteil der ausgezeichneten Badegewässer stieg in den vergangenen drei Jahren von 82,6 auf 85 Prozent. Am besten haben dabei die die Länder Luxemburg, Zypern und Malta sowie Griechenland und Österreich. Zum Vergleich: In Deutschland bekamen 90,8 Prozent der aufeglisteten Badestellen die höchste Beurteilung „exzellent“.
In welchen Ländern ist das Wasser nicht gut?
Als problematisch gilt die Wasserqualität in Irland, Großbritannien und der Slowakei – aber auch in typischen Urlaubsländern wie Italien, Frankreich und Spanien. So wurden in Frankreich 82 Badegewässer von 3359 als mangelhaft eingestuft, das entspricht 2,4 Prozent. In Spanien und Italien sind etwa 1,8 Prozent der Badegewässer verunreinigt. Dennoch zeigt sich das gesteigerte Umweltbewusstsein der Europäer: Von der Badesaison 2015 zur Saison 2016 ging die absolute Zahl der mangelhaften Badegewässer zurück: Waren es im Vorjahr noch 383, sind es heute nur noch 316. Bei 93 Badegewässern verbesserte sich der mangelhafte Zustand auf „ausreichend“. 72 Badegewässer rutschten dagegen in die schlechtes Kategorie ab.
Wie steht es um die Wasserqualität an Deutschlands Badestellen?
In Deutschland bleibt das Baden an den Küsten und in fast allen Flüssen und Seen ein sauberes Vergnügen: 97,8 Prozent der knapp 2300 untersuchten deutschen Badestellen erfüllen die EU-Mindeststandards. Neun von zehn Badestellen (fast 91 Prozent) bekamen sogar eine ausgezeichnete Qualität bescheinigt. Nur fünf Stellen in Deutschland fielen durch: Verschmutztes Wasser fanden die EU-Umweltexperten an zwei Badeplätzen an Niedersachsens zweitgrößtem See Dümmer, außerdem ist am Ostseearm Strelasund zwischen Stralsund und der Insel Rügen eine Stelle in Tremt betroffen. In Baden-Württemberg ist die Wasserqualität im Finsterroter See in Wüstenrot und in der Kocherbadebucht in Künzelsau mangelhaft. Geschwommen wird dort aber ohnehin nicht mehr: Der Finsterroter See wurde als Badegewässer abgemeldet, heißt es beim Gesundheitsministerium in Stuttgart. Und das Kocherfreibad sei bis auf weiteres geschlossen worden. Die Gemeinde saniert es.
Alle Ergebnisse gibt es bei der Europäischen Umweltagentur: www.eea.europa.eu/de. Alle Badestellen, die in Baden-Württemberg getestet wurden, finden sich hier: www.lubw.baden-wuerttemberg.de.