Wasserrohrbruch in Stuttgart Pannenserie in Stuttgarts Wassernetz

Von Wolf-Dieter Obst 

Der vierte Wasserrohrbruch binnen weniger Tage: Die lang anhaltende Trockenheit hat nun offenbar ihre Folgen fürs Stuttgarter Leitungsnetz. Die jüngste Baustelle gibt es in der Hauptstätter Straße im Stuttgarter Süden. Dass solche Alarmfälle 2016 deutlich rückläufig sind, wird Autofahrer vorerst nicht trösten. Die müssen auf der B 14 mit Staus rechnen.

Einer von mehreren Wasserrohrbrüchen in Stuttgart: Im Stadtteil Rot ging es am 6. September besonders spektakulär zu. Foto: Andreas Rosar/ Fotoagentur Stuttgart
Einer von mehreren Wasserrohrbrüchen in Stuttgart: Im Stadtteil Rot ging es am 6. September besonders spektakulär zu. Foto: Andreas Rosar/ Fotoagentur Stuttgart

Stuttgart - Ein Wasserrohrbruch im Stuttgarter Süden wird nicht nur am Montag, sondern auch noch etwas länger den Berufsverkehr auf der B 14 erheblich beeinträchtigen. Eine Fahrbahn der Hauptstätter Straße ist in Richtung Heslacher Tunnel vorläufig außer Gefecht. Weil Wasserkraft unterm Boden außer Kontrolle geraten ist, muss der Straßenbelag an dieser Stelle erneuert werden. Die Netze BW ist derzeit im Dauerstress: Denn dies war nun schon der vierte Rohrbruch in wenigen Tagen.

5. September: In der Augsburger Straße in Untertürkheim wird die Fahrbahn überflutet. 6. September: In der Züttlinger Straße in Rot rauscht ein Sturzbach. 13. September: In der Friedrich-Ebert-Straße im Stuttgarter Norden sind nach einem Rohrbruch mehrere Hundert Haushalte ohne Wasser. 19. September: In der Hauptstätter Straße im Stuttgarter Süden bricht eine Wasserleitung, ein Autofahrer meldet um 4.45 Uhr eine überschwemmte Straße.

Die Polizei sperrt eine Spur. Die Folgen sind am Montag ein drei Kilometer langer Stau im morgendlichen Berufsverkehr – „vom Heslacher Tunnel bis zum Neckartor“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann. Nicht besser sah’s am Feierabend aus. Und keine Entwarnung für Dienstag: „Wann die eine stadtauswärts gesperrte Spur saniert und freigegeben werden kann, entscheidet sich am Dienstag“, sagt Hans-Jörg Groscurth, Sprecher der zuständigen Netze BW.

Zahl der Schadensfälle geht deutlich zurück

Was ist los im Stuttgarter Wassernetz? Gibt es etwa zu viele marode Leitungen? Für den Betreiber Netze BW ist diese Serie eine eher zufällige Häufung. „Dies könnte mit der sehr langen Trockenheit, die hinter uns liegt, zusammenhängen“, sagt Marcus Schaufuß, Technischer Leiter der Netze BW Wasser GmbH. Die gerade zu Ende gegangene Trockenperiode könnte den Graugussleitungen zu schaffen gemacht haben, die es immer noch reichlich gibt. Die verwendeten Werkstoffe hatten bis in die 1970er Jahre „eine relativ schlechte Qualität“, so Schaufuß. Allerdings könne keine Rede davon sein, dass die Lage immer schlimmer wird.

Im Gegenteil: Die Zahl der Schadensfälle an Hauptleitungen, Hausanschlussleitungen und Armaturen in Stuttgart geht deutlich zurück. Wurden zur Jahrtausendwende 1200 Fälle registriert, sank die Zahl 2003 erstmals unter die 1000er-Marke und pendelte sich in den vergangenen Jahren auf Werte um die 600 ein. Bis Anfang September registrierte die Netze BW 279 Schadensfälle – dies würde rechnerisch für 2016 um die 450 Fälle bedeuten. Schaufuß gibt sich in seiner Prognose allerdings zurückhaltend: „Wenn es unter 600 werden, wären wir zufrieden.“

Anteil der alten Graugussleitungen: Elf Prozent

Noch gibt es in der Stadt 274 Kilometer Wasserleitungen aus Grauguss – im 2500 Kilometer langen Wassernetz. Das sind elf Prozent, der Anteil soll weiter sinken: „Wir erneuern kontinuierlich“, sagt Schaufuß. Bis alle Leitungen aus dem modernen Kunststoff-Stahl-Werkstoff bestehen, werden noch einige Jahre vergehen.

Zur Strategie gehört es, überall dort einzusteigen, wo ohnehin gebaggert wird. Im Neckarpark beispielsweise werden im Bereich der Hauptschlagadern der Stadt 2,6 Kilometer Wasserleitungen neu verlegt. Kosten: fünf Millionen Euro. Eine weitere Großmaßnahme ist die Verlängerung in Richtung Rotenberg für 3,8 Millionen. Zur Strategie der Netze BW gehört außerdem, „auch die Hausanschlüsse zu erneuern, wenn wir an den Hauptleitungen sind“, so Schaufuß. Am Wassernetz hängen etwa 75 000 Hausanschlüsse, pro Jahr werden etwa 35 Milliarden Liter Wasser verbraucht.

Fehlerstelle am Nachmittag gefunden

Hausanschluss ist übrigens auch das Stichwort im jüngsten Fall in der Hauptstätter Straße. Bei der Fehlersuche stellte sich am Dienstagnachmittag heraus, dass nicht die Wasserleitung , „sondern ein defekter Hausanschluss die Ursache des Schadens war“, teilte die Netze BW am Nachmittag mit. Womöglich Korrosion. Nach einer provisorischen Reparatur hatten die betroffenen 250 Haushalte wenigstens am Nachmittag wieder Trinkwasser aus der Leitung. Die endgültige Sanierung der Leitung unterm Gehweg soll in den nächsten Tagen abgeschlossen werden. Nur die Autofahrer werden verkehrstechnisch gesehen noch eine Weile auf dem Trockenen sitzen.

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