Wasserstoffnetz Weiße Flecken auf der Netzkarte im Südwesten?

Überall im Land werden Wasserstoffleitungen gebaut. Foto: picture alliance/dpa/Jan Woitas

Die Gasnetzbetreiber haben ihren Antrag für Wasserstoff-Autobahnen im Land gestellt. Bei der CDU hat man Bedenken. Werden wichtige Industriebetriebe im Land gut versorgt?

Entscheider/Institutionen: Annika Grah (ang)

Die Pläne für den Transport von Wasserstoff in Deutschland nehmen Form an. Und stoßen in Baden-Württemberg nicht auf Gegenliebe: CDU-Bundesvize Andreas Jung bezeichnet sie als „herben Tiefschlag“. Die Landesumweltministerin Thekla Walker und EnBW-Vorstand Dirk Güsewell sehen Nachbesserungsbedarf bei der Finanzierung. Die Fernleitungsnetzbetreiber haben der Bundesnetzagentur einen gemeinsamen Antrag für das Kernnetz vorgelegt, wie die Behörde am Dienstag mitteilte. Das Kernnetz soll das Herzstück für den deutschlandweiten Transport von Wasserstoff bilden und große Industriezentren und Kraftwerke versorgen.

 

Baden-Württemberg wird über mehrere Trassen angeschlossen

In Baden-Württemberg sind laut dem Antrag Leitungen in die Region Mannheim geplant, im Nordosten soll eine Leitung von Germersheim an Stuttgart vorbeiführen. Im Süden soll es Trassen von Ulm bis Lindau geben, außerdem könnten Leitungen nach Freiburg und am Hochrhein entlang führen. Umweltministerin Walker (Grüne) begrüßte die Pläne: „Ich freue mich besonders, dass die Badenova die im Kernnetz noch gar nicht enthaltene Hochrhein-Trasse ebenfalls eingebracht hat und die Fernleitungsnetzbetreiber diese mit aufgenommen haben.“ So werde eine Lücke in Südbaden geschlossen. Alle Regionen Baden-Württembergs müssten entsprechend ihres wirtschaftlichen Bedarfs angeschlossen werden.

Doch genau daran hat der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende und klimapolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag Zweifel: „Eine Anbindung von Baden-Württemberg nur über den Rhein-Neckar-Raum und die Region Stuttgart geht an unserer dezentralen Wirtschaftsstruktur mit starken Industriezentren überall im Land völlig vorbei“, so Andreas Jung. „Weite Teile des Landes drohen abgehängt zu werden: Bodensee und Schwarzwald, Oberschwaben, Oberrhein und Hochrhein.“ Der Bundeswirtschaftsminister müsse für eine gerechte Versorgung sorgen.

Zusätzliche Finanzierungsanreize gefordert

Jung forderte von der Bundesregierung zusätzliche Finanzierungsanreize, um für eine neue Dynamik zu sorgen. Auch Umweltministerin Walker unterstützt die Anliegen der Netzbetreiber nach verbesserten Finanzierungsbedingungen für die Startphase.

Die bisherigen Zusagen reichen nach den Worten des zuständigen EnBW-Vorstands Güsewell nicht aus: Mit dem Amortisationskonto habe der Gesetzgeber zwar eine Grundlage gelegt, sagte er. „Weitere von uns geforderte Nachbesserungen am Finanzierungsrahmen, wie etwa eine Reduzierung des Selbstbehaltes für die Fernleitungsnetzbetreiber, wurden hingegen nicht berücksichtigt“, sagte Güsewell. „Hier sehen wir noch Verbesserungsbedarf.“

Rund 60 Prozent der Leitungen in Deutschland sind Umstellungsleitungen – also solche, die derzeit noch Erdgas transportieren. Aber es braucht auch neue Investitionen. Hierzulande will die EnBW zum Start eine Milliarde Euro in die Hand nehmen, um das Netz aufzubauen. Über ihre Tochter Terranets BW will die EnBW die im Bau befindliche Süddeutsche Erdgasleitung (SEL) in das Wasserstoff-Kernnetz einbringen. Die Leitung sei schon für den Transport von Wasserstoff vorbereitet und soll einmal den Raum Stuttgart und Heilbronn beliefern. Mit der Umstellung rechne man frühestens im Jahr 2030. Weitere Projekte seien in Planung. Laut Bundeswirtschaftsministerium sollen erste Leitungen im nächsten Jahr in Betrieb gehen.

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