Wasserverband Rems diskutiert Kein Schutz vor Starkregenfluten

Von  

Der Geschäftsführer des Wasserverbands Rems schlägt Alarm: Das Gebiet am Oberlauf des Flusses ist gegen Hochwasser bisher nicht gut genug geschützt.

Für einige Bereiche der Rems in Waiblingen sind neue Renaturierungen geplant. Foto: Pascal Thiel
Für einige Bereiche der Rems in Waiblingen sind neue Renaturierungen geplant. Foto: Pascal Thiel

Urbach - Ein Einzugsgebiet von gut 30 Kilometern Länge am Oberlauf der Rems sei bisher noch ohne Schutz vor einem Hochwasser. Die Gefahrenkarten zeigten, dass Orte wie Mögglingen im Ostalbkreis und der Schwäbisch Gmünder Teilort Hussenhofen akut gefährdet seien. „Wenn wir dort nichts tun, bekommen wir Probleme“, sagt Hans-Peter Sieg, der technische Geschäftsführer des Wasserverbands Rems. Bei der jüngsten Sitzung am Dienstag in Urbach hat er sich mit mahnenden Worten an die Mitglieder gewandt. Man müsse dort dringend mehr tun, alle bisherigen Rückhalteräume an der Rems seien auf einer Distanz von 20 Kilometer angelegt worden. „Wir haben einen sehr selbstbewussten Geschäftsführer“, kommentierte der Vorsitzende des Wasserverbands, der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer, den Appell, ohne konkret darauf einzugehen.

Mehrere Projekte in Arbeit

Denn auch ohne diese neue Aufgabe ist der Wasserverband Rems zurzeit mit zahlreichen Planungen und Verfahren beschäftigt. Die Vorbereitungen zum Bau des Rückhaltebeckens Urbach/Plüderhausen laufen, der Spatenstich ist für den 13. Juli geplant. Hinter den Kulissen arbeitet man zudem an den Planungen für das Rückhaltebecken Schorndorf/Urbach, das mitten in einem Naturschutzgebiet liegt und daher von den Naturschutzverbänden kritisch gesehen wird. Eine Animation dieses sogenannten Auslassbauwerks, das die Wasserabgabe zeigen soll, war in der Sitzung zu sehen. Auch für die bestehenden Becken sind zurzeit Neuberechnungen im Gange. Diese sollen helfen, die Rückhalteräume im Falle eines Hochwassers besser einzusetzen, erklärte Sieg.

Zudem gehen die Planungen für die Renaturierungen weiter – die eigentlich, wie Sieg präzisierte, Umformungen der Flusslandschaft sind, welche die Natur sich selbst zurückerobern müsse. Sieg zeigte Bilder von der Bärenbach-Mündung nahe Plüderhausen, wo mithilfe von Baggern eine Insellandschaft angelegt wurde. Allerdings habe es in der Bauzeit im Winter zweimal Hochwasser gegeben. Die Rohrbrücke, über welche die Bagger fuhren, wurde laut Sieg einmal vollständig, einmal teilweise weggeschwemmt. Etliche Bau­materialen hätten danach wieder eingesammelt werden müssen. Rund 465 000 Euro hätten diese Bauarbeiten gekostet.

Zweite Renaturierung in Waiblingen

Die ins Stocken geratene Planung der Remsrenaturierung zwischen Winterbach und Geradstetten kommt laut Sieg nun wieder in Gang. Unter Umständen könnten die Bauarbeiten für einen sogenannten Flutpolder noch 2017 beginnen und im Jahr 2018 abgeschlossen sein. Auch für Waiblingen kündigte Sieg eine zweite Renaturierungsmaßnahme an. In der ersten war, wie berichtet, die Rems zwischen der Stihl-Galerie und der Kläranlage umgeformt worden. Nun soll eine Fortsetzung zwischen der Kläranlage und dem Stihl-Werk folgen. Sie betrifft eine Wiese, die laut Sieg als naturgeschütztes Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) klassifiziert ist. Der Kettensägenhersteller sei mit im Boot, er plane nahe seines Firmengeländes ein neues Bürohaus.

Der Plüderhausener Bürgermeister Andreas Schaffer kritisierte die langen Planungsphasen, welche die Renaturierungen mit sich bringen. Dafür seien Planverfahren von einer Dauer von bis zu zwei Jahren erforderlich. „Mir ist nicht klar, warum das so ist“, so Schaffer: „Wir tun doch etwas, was für das Gewässer gut ist.“