Wasserversorgung in Köngen Banger Blick auf den Egert

Jörg Eckert von den Stadtwerken Esslingen, der Köngener Bürgermeister Otto Ruppaner und der Ortsbaumeister Oliver Thieme (von links) wissen, wie wichtig der Hochbehälter Egert für die Wasserversorgung der Gemeinde ist. Foto: Kerstin Dannath
Jörg Eckert von den Stadtwerken Esslingen, der Köngener Bürgermeister Otto Ruppaner und der Ortsbaumeister Oliver Thieme (von links) wissen, wie wichtig der Hochbehälter Egert für die Wasserversorgung der Gemeinde ist. Foto: Kerstin Dannath

In den vergangenen beiden Hitzesommern hat sich ein Problem mit der Wasserversorgung in Köngen angedeutet. Erschwerend kommt nun hinzu, dass einer der Hochbehälter nicht komplett einsatzfähig ist.

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Köngen - Köngen hat keine eigenen Quellen. Früher war die Wasserversorgung über den Ulrichsbrunnen im Neckartal sichergestellt. Doch nach dem Jahrhunderthochwasser 1978 am Neckar wurde die Gemeinde nach und nach komplett an die bereits im Jahr 1912 gegründete Landeswasserversorgung (LW) angeschlossen. Das Köngener Bezugsrecht beträgt schon lange 29 Liter pro Sekunde – doch ob diese Menge ausreicht, um die heutigen Bedürfnisse zu befriedigen, ist fraglich. Tatsache ist, dass die langen Trockenperioden der vergangenen Jahre, insbesondere 2018 und 2020, dazu geführt haben, dass es in den Sommermonaten in Köngen zu Engpässen bei der Wasserversorgung kam. „Der Spitzenverbrauchstag 2020 war der 7. August mit 63 Litern pro Sekunde“, berichtet Jörg Eckert, der Prokurist der Stadtwerke Esslingen (SWE).

Stadtwerke und Landeswasserversorgung konnten den höheren Bedarf überbrücken, ohne dass die Verbraucher viel davon gemerkt hätten. Trotzdem geht 2020 als das Jahr in die Köngener Geschichte ein, in dem erstmals eine Wassersparempfehlung an die Bevölkerung herausgegeben werden musste. Und auch dieses Jahr gab es Ende April bereits erste Höhepunkte: So bewegte sich am 26. April die Marke allein am Hochbehälter Egert schon auf 45 Liter pro Sekunde zu.

Coronapandemie trägt zum Problem bei

Der Hochbehälter Egert wiederum – einer von zwei Köngener Hochbehältern – hat seine eigenen Probleme: Bereits 2017 suchten die SWE und das Gesundheitsamt nach der Ursache coliformer Keime, die bei Proben festgestellt wurden. „Das Wasser hatte dennoch Trinkwasserqualität – solche Keime sind nur die Vorboten, dass etwas im Argen liegen könnte“, erklärt der Köngener Bürgermeister Otto Ruppaner. Nach zäher Suche entpuppte sich eine undichte Drainage in einer neueren Kammer des Hochbehälters als Übeltäter. Die defekte Kammer wurde nach der Hitzewelle im September 2020 außer Betrieb genommen. Nun steht Köngen also möglicherweise vor einem Hitzesommer und kann nicht alle Ressourcen ausschöpfen. „Sicherlich spielte beim landesweiten Mehrverbrauch 2020 auch die Coronapandemie eine Rolle“, sagt Eckert – denn viele Menschen waren zuhause und sind auch nicht in den Urlaub gefahren. In Esslingen etwa erhöhte sich der Verbrauch im vergangenen Jahr um etwa 20 Prozent.

Zurück nach Köngen: Angesichts der zu erwartenden weiteren Trockenperioden und der steigenden Bevölkerungszahl haben die Wasser-Verantwortlichen sowie Vertreter der LW und der Landwirtschaft die Versorgung und mögliche Strategien erörtert. Das Ergebnis: Ein Strukturgutachten soll zunächst die Gesamtsituation der Köngener Wasserversorgung erfassen; daraus soll dann ein Handlungskatalog abgeleitet werden. Das 26 000 Euro teure Gutachten, das das Land mit 13 000 Euro bezuschusst, ist mittlerweile in Auftrag gegeben, das Ergebnis wird für den Herbst erwartet. Das Problem: Erst mit dem Gutachten steht fest, was am Hochbehälter Egert gemacht werden sollte – davor aber kommt noch der Sommer, und am Egert ist nur eine Kammer in Betrieb.

Sind Zeitslots die Lösung?

Zudem gibt es einen weiteren Haken: Beide Köngener Hochbehälter werden über dieselbe Leitung mit Wasser versorgt. Das Rohr führt von Kirchheim zum Egert und ist mehr als 20 Kilometer lang. „Wenn auf der Strecke zum Egert was passiert, haben wir genau zehn Stunden Zeit, um das Problem zu beheben“, stellt Eckert lapidar fest. Sonst wird der öffentliche Wasserhahn abgedreht, denn im Hochbehälter muss immer noch genügend Löschwasser zu Verfügung stehen. Zu diesem zweiten Problem soll es eine eigene Untersuchung geben. Dabei geht es unter anderem um den Bau einer weiteren Hauptleitung, die Köngen versorgen kann, wenn die andere ausfällt. Ein entsprechender Förderantrag beim Land wurde bereits gestellt, bis er durch ist, müssen die Köngener warten.

Der Bürgermeister will alle potenziellen „Wasserzapfer“ sensibilisieren, um gut über den Sommer zu kommen: „Wasser ist eines unserer kostbarsten Güter – wir sollten es schützen. Wenn jeder ein bisschen spart, hilft es schon.“ Für Ende Mai ist ein Gespräch mit den Landwirten angesetzt. Die Gemeinde denkt über die Einführung von Zeitslots nach, damit nicht alle Landwirte ihre Felder gleichzeitig bewässern.

Wenn die zweite Studie fertig ist, wird laut Ruppaner die interkommunale Zusammenarbeit noch wichtiger, als sie es jetzt schon ist: „Da geht es zum Beispiel um neue Leitungsführungen, die auf der Gemarkung anderer Kommunen verlaufen. Im Idealfall gibt es Synergieeffekte, denn andere Kommunen haben bereits ähnliche Probleme oder werden sie bald bekommen.“ Jörg Eckert versichert, dass er und sein Team alle Notlagen im Griff haben werden. Er hofft zudem auf viel Regen und auf das Ende der Pandemie: „Wenn alle in den Urlaub fahren können, verbrauchen sie hier kein Wasser.“




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