Tiefblau und grün leuchtet es aus der Tiefe des runden Schachtes. Tausende Liter glasklaren Wassers stehen ohne jedes Kräuseln darin. Das Wasser gehört zum sogenannten Flachbrunnen Floschen, der im Wäldchen hinter dem gleichnamigen Sportgelände liegt.
Er ist einer von 17 Brunnen und Quellen in Sindelfingen, die von den Sindelfinger Stadtwerken, betreut werden. „Wir haben mehr Eigenwasser, als wir tatsächlich nutzen“, sagt der Wassermeister Michael Suffner. Und weil das viele gar nicht wissen, hatte die ehemals bei der Stadt tätige Hydrogeologin Inge Neeb die Idee, ein Brunnen-Navi zu erstellen.
Wissenswertes über die Wasserversorgung
„Damit sollte es der Öffentlichkeit möglich sein, die Brunnen und Quellen zu finden“, erklärt Jürgen Rodemann vom Amt für Grün, Umwelt und Klimaschutz bei der Stadt. Und nicht nur das. „Vonseiten der Stadt war der Gedanke dahinter, dass man gleichzeitig die Historie der Trinkwasserversorgung darlegen und für einen bewussteren Umgang mit Wasser sensibilisieren kann“, sagt Rodemann.
Dass die Wasserstellen katalogisiert wurden, ist jetzt mehr als zehn Jahre her. Das Navi ist zwar auch fürs Handy verfügbar, aufgrund veralteter Lizenzen ist die Übersichtskarte auf neueren Geräten nicht nutzbar. Trotzdem bleibt das Angebot in seiner eingeschränkten Funktion bestehen. Einheimischen könne es beispielsweise Ideen für Wanderungen geben. Daten zur Nutzung werden nicht erhoben.
Trinkwasserbrunnen sind nicht zugänglich
Nicht alle der 17 Wasserstellen im Brunnen-Navi sind allerdings für die Öffentlichkeit zugänglich, das gilt insbesondere für die, die noch Trinkwasser führen. Zu groß ist seit den Terroranschlägen auf das Word-Trade-Center in New York im Jahr 2001 die Angst vor Sabotageversuchen. Und auch die Hygiene gebietet es, dass beispielsweise der Schachtdeckel des noch in Gebrauch befindlichen Tiefbrunnens Floschen nicht geöffnet wird.
Der Tiefbrunnen Floschen ist gleichzeitig der tiefste Brunnen – wenn nicht im Kreis Böblingen, dann doch zumindest in Sindelfingen. Von außen ist das Wasserwerk Floschen leicht zu übersehen. Nur ein Abgang mit einer Tür zeugt davon, dass unterirdisch eine wichtige Ressource lagert. 134 Meter reicht das Bohrrohr in den Untergrund, bis tief in den Muschelkalk unter dem Keuper. Der Brunnen wird seit 1956 zur Gewinnung von Trinkwasser genutzt. Pro Stunde sprudeln knapp 55 000 Liter Wasser aus der Tiefe.
Ein versteckter Brunnen auf Spielplatz
Der bereits erwähnte Schachtbrunnen Floschen in seinem Betriebsgebäude von 1901 wurde noch bis 2004 für Trinkwasser genutzt. Er ist nur 15 Meter tief und wird immer noch gelegentlich eingeschaltet, damit das Grundwasser im Floschenwäldchen nicht alles flutet. Darüber hinaus liefert er Wasser für die städtischen Grünflächen. So kann wertvolles Trinkwasser gespart werden.
Ein kurios anmutender Brunnen ist ebenfalls ziemlich gut versteckt – auf einem Spielplatz in der Nähe des Goldbachs. Das Wasser, das der Tiefbrunnen Nüss noch abgibt, dürfen die Kinder auf dem Spielplatz zum Matschen benutzen. „Der Brunnen wurde 1950 gebohrt, hat aber nicht lange gedient für die Trinkwasserversorgung“, erklärt der Wassermeister. Weil es deutlich härter ist als der Sindelfinger Durchschnitt. Bis vor einigen Jahren habe man ständig mit wildem Müll oder verbotenen Grillfeuern in unmittelbarer Nähe der Tür zum Tiefbrunnen zu tun gehabt, erzählt Jürgen Rodemann. Im Zuge der Sanierung des Spielplatzes habe man darum beschlossen, den Zugang in dem mit Natursteinen und einer Treppe verkleideten Aufstieg zum Klettergerüst zu verbergen.
Brunnen aus dem Mittelalter
Etwas veraltet sind die Informationen des Brunnen-Navis beim sogenannten „30-Minuten-Brunnen“, dem Tiefbrunnen Harlanden. Er liegt zwischen Darmsheim und Ehningen und ist mit seinem bunt bemalten Häuschen weithin sichtbar. Bis 2008 war er zur Gewinnung von Trinkwasser in Betrieb, doch in den vergangenen Jahren wurde er lediglich für 30 Minuten am Tag eingeschaltet, damit die Wasserpumpe nicht kaputt geht. Das allerdings gehört auch erst einmal der Vergangenheit an, sagt der Wassermeister. Die Elektrik muss erneuert werden. Demnächst soll sich der Gemeinderat damit befassen.
Die vielleicht älteste Quelle in Sindelfingen lässt sich beim Wandern im Wald oberhalb des Krankenhauses besuchen. Der Marktbrunnen heißt nicht etwa so, weil man ihn dort findet, sondern weil schon im 16. Jahrhundert eine Leitung von dort zum Marktplatz führt. Heutzutage werden einige Becken im Sommerhofenpark aus der Quelle gespeist.
Arbeiten am Notfallplan
Diese und weitere Brunnen gibt es im Brunnen-Navi zu entdecken. Darüber, ob und inwiefern die Brunnen im Sindelfinger Stadtgebiet in Notlagen wieder einsatzbereit gemacht werden könnten, wollen Stadt und Stadtwerke aktuell nichts sagen. Man sei zu dem Thema aber in Abstimmungen mit dem Landratsamt.
Trinkwasser in Sindelfingen
Infrastruktur
In den vergangenen Jahren sind die meisten der eigenen Trinkwasserbrunnen der Stadt Sindelfingen umgewidmet worden. Nur zwei davon liefern heute noch Leitungswasser für Stadt und Teilorte. Das sind der Tiefbrunnen Floschen in Sindelfingen und der Tiefbrunnen See in Darmsheim. Das Brunnen-Navi ist zu finden unter www.sindelfingen.de/brunnen/index.html
Qualität
In der Kernstadt und in Darmsheim werden die Einwohner zumindest zum Teil noch mit eigenem Grundwasser versorgt. Das wird mit Wasser aus dem Bodensee gemischt. So lässt sich die sehr große Härte des kalkhaltigen Sindelfinger Wassers abmildern.
Bodenseewasser
Die zwei aktiven Brunnen decken rund fünf Prozent des Wasserbedarfs der Daimlerstadt und seiner Teilorte Maichingen und Darmsheim. Rund 31 Liter Wasser pro Sekunde liefern beide Brunnen zusammen. Für den Rest der Stadt wird Wasser aus der Bodenseewasserversorgung eingekauft. 26 Millionen Liter Wasser darf Sindelfingen täglich beziehen – das ist mehr, als die Stadt braucht. Darum geht ein Teil für eine gewisse Zeit an Reutlingen.