Hoher Wasserverbrauch in Stuttgart Was Verbraucher während der Hitze beachten sollten

Von hsp 

Die Hitze und Trockenheit der vergangenen Tage führt auch in Stuttgart dazu, dass viel Wasser verbraucht wird. Wird das Trinkwasser hier knapp? Und ist es sinnvoll, Wasser zu sparen? Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Wasser.

Wasser ist eine wertvolle Ressource – vor allem in Ländern, aus denen wir Kleidung und Lebensmittel importieren. In Stuttgart wird das Wasser trotz anhaltender Hitze noch nicht knapp. Foto: dpa
Wasser ist eine wertvolle Ressource – vor allem in Ländern, aus denen wir Kleidung und Lebensmittel importieren. In Stuttgart wird das Wasser trotz anhaltender Hitze noch nicht knapp. Foto: dpa

Stuttgart - Vor ein paar Tagen hat die Stadt Montabaur in Rheinland Pfalz ihre Bewohner zum Wassersparen aufgerufen. Das Wasser werde knapp, die örtlichen Grünflächen würden vorerst nicht mehr bewässert. Auch in Stuttgart haben Hitze und Trockenheit der vergangenen Tage zu einem ungewöhnlich hohen Wasserverbrauch geführt.

Wie viel Wasser wird derzeit in Stuttgart verbraucht?

Am vergangenen Dienstag war der bisherige Spitzentag des Jahres, hieß es vom Energieversorger Netze BW. Der ist in Stuttgart für die Wasserverteilung zuständig. Täglich werden momentan etwa 160 000 Kubikmeter Trinkwasser verbraucht. An sich ein normaler Wert für die Landeshauptstadt – doch er sei insofern ungewöhnlich, als der Verbrauch in der Sommerferienzeit normalerweise deutlich sinke, sagt Dagmar Jordan, Sprecherin der Netze BW.

Wer nicht im Urlaub ist, verbraucht an heißen Tagen durch mehrfaches Duschen oder Gartengießen eben mehr Wasser als sonst. Doch so drastisch wie im Norden und Osten Deutschlands sei es in Baden-Württemberg mit Trockenheit und Hitze nicht, sagt Jordan. Und auch der Spitzenverbrauch vom letzten Jahr wurde in Stuttgart bislang nicht erreicht.

Könnte das Wasser in Stuttgart knapp werden?

Nein. „Es ist alles im grünen Bereich“, sagt Dagmar Jordan. Die Wasserkontingente seien bei weitem noch nicht ausgereizt und die Speicher der Stadt so ausgelegt, dass man gut über den Sommer komme.

Das Trinkwasser für die Landeshauptstadt kommt vom Bodensee und aus dem Donauried bei Ulm. Doch auch von der Bodensee-Wasserversorgung gibt es Entwarnung: Die große Hitzewelle der vergangenen Wochen habe dem Bodensee nicht gravierend zugesetzt. Engpässe bei der Trinkwasserversorgung gebe es trotz Niedrigwasser nicht. Maximal dürfen dem Bodensee nach Angaben des Versorgers innerhalb eines Tages 670 000 Kubikmeter Wasser entnommen werden. Der Spitzenwert der vergangenen Tage lag bei 490 000 Kubikmetern.

Sollte man an heißen Tagen besonders viel Wasser sparen?

Auch wenn die Wasserversorger Entwarnung geben und die Kontingente für die Region noch nicht ausgereizt sind: „Wasser ist eine wertvolle Ressource – und damit sollte man sorgsam umgehen“, sagt Dagmar Jordan. Das gilt allerdings nicht in besonderem Maße für heiße Tage – sondern ganz allgemein.

Denn: Deutschland ist ein wasserreiches Land, aber in vielen Ländern, aus denen wir beispielsweise Baumwolle, Lebensmittel und andere Waren importieren, ist das nicht so. Dazu kommen die Auswirkungen des Klimawandels und extreme Dürreperioden in manchen Gegenden. Außerdem sind die Förderung, Aufbereitung, der Transport und die Reinigung von Trinkwasser mit einigem Aufwand verbunden – und auch das Erwärmen von Wasser verbraucht viel Energie. Bewusst mit Wasser umzugehen, ist daher durchaus sinnvoll.

Weil das Gefälle der Wasserrohre in Stuttgart so groß ist, muss man sich hier auch keine Sorgen machen, dass man am Ende gar zu wenig Wasser verbraucht. In einigen anderen Städten sind die Abwasserrohre allerdings so dimensioniert, dass sie mit einer bestimmten Wassermenge gespült werden müssen, damit das Trinkwasser in den Rohren nicht stagniert. Es lohnt also, sich für seinen jeweiligen Wohnort gezielt zu informieren.

Wie steht es um den üblichen Wasserverbrauch einer Person?

Pro Tag nutzt eine Person in Deutschland täglich 121 Liter Trinkwasser, zeigen Zahlen des Umweltbundesamts. Davon etwas weniger als die Hälfte für die Körperpflege, den Rest für Toilettenspülung, Wäschewaschen, Essen, Trinken oder Geschirrspülen.

Viel größer ist aber der indirekte tägliche Wasserbedarf – also das, was für die Herstellung von Lebensmitteln, Textilien und anderen Dingen benötigt wird. Und der liegt je nach individuellem Konsum bei um die 3 000 Litern pro Person und Tag.

Für ein Kilogramm Rindfleisch zum Beispiel werden mehr als 15 000 Liter Wasser verbraucht. Der Wasser-Fußabdruck für Käse liegt bei etwa 5 060 Litern pro Kilo und der für eine Tasse Kaffee bei 130 Litern. Und für ein Kilogramm konventionell angebaute Baumwolle werden 10 000 Liter Wasser benötigt. Der Großteil dieses indirekt verbrauchten Wassers geht in die Bewässerung für Obst, Gemüse, Getreide und Baumwolle und in die Versorgung von Tieren.

Was kann man tun, um Wasser bewusster zu verbrauchen?

Was den direkten Wasserverbrauch angeht, kann man Wasser und Energiekosten sparen, indem man weniger warmes Wasser verbraucht. Spezielle und besonders sparsame Duschköpfe sind sinnvoll – oder nur eine zehnminütige Dusche statt einem Vollbad. Geschirrspülen mit der Spülmaschine ist übrigens sparsamer als ein Handwasch.

Um seinen indirekten Wasserfußabdruck einzudämmen, muss sein Konsumverhalten anpassen. Das Umweltbundesamt empfiehlt: Je weniger Fleischprodukte wir essen und je saisonaler und regionaler wir einkaufen, desto mehr tragen wir zum Schutz der Wasserresourcen in jenen Ländern bei, in denen diese knapp sind. Also: Erdbeeren aus der Region im Sommer statt spanische Erdbeeren im Winter kaufen. Weniger Fleisch essen, denn die Produktion von Fleisch verbraucht zehnmal so viel Energie und Wasser wie die von pflanzliche Kost. Und Kleidung aus Bio-Baumwolle verringert ebenfalls den indirekten Wasserverbrauch.