Wasserversorgung in Stuttgart Trinkwasser aus einem neuen, riesigen Tank

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Die erste der beiden neuen Kammern des Wasserhochbehälters Kanonenweg hoch über der Stadt ist vor Kurzem in Betrieb genommen worden. Das Zehn-Millionen-Euro-Projekt soll Ende des Jahres fertig sein.

Von außen sieht man nur eine Betonwand, drinnen sind die neuen und alten (rechtes Bild) Wasserkammern viel spektakulärer. Foto: Jürgen Brand 10 Bilder
Von außen sieht man nur eine Betonwand, drinnen sind die neuen und alten (rechtes Bild) Wasserkammern viel spektakulärer. Foto: Jürgen Brand

S-Ost - Wer in den vergangenen Tagen in Teilen des Stuttgarter Ostens seinen Wasserhahn aufgedreht hat, hat sozusagen echtes Premierenwasser erlebt – ohne etwas davon mitzubekommen. Vor Kurzem wurde die erste neue Kammer des Wasserhochbehälters Kanonenweg in Betrieb genommen, seitdem kommt das Trinkwasser in vielen Haushalten und Betrieben der Stadtteile Gaisburg und Ostheim von dort. Die zweite der neuen Kammern wird bis Ende des Jahres fertig sein, dann werden nicht nur die Haushalte im Stuttgarter Osten, sondern insgesamt rund 100 000 Einwohner in der Stuttgarter Innenstadt aus den aufwendigen Neubauprojekt versorgt. Für die Anwohner am Urachplatz ist das eine gute Nachricht: Baulärm und -schmutz sind in absehbarer Zeit vorbei.

Die ältesten Kammern wurden 1881 gebaut

Die Stuttgarter werden schon seit mehr als 100 Jahren aus riesigen Wasserkammern am Urachplatz versorgt. Die ältesten stammen aus dem Jahr 1881 und gehören zu den ältesten Wasserversorgungseinrichtungen in Stuttgart überhaupt. Eine weitere Kammer kam 1926 dazu. Die Kammern sind denkmalgeschützt und es ist noch offen, was mit ihnen passieren wird, wenn im Laufe des Jahres der letzte Tropfen Wasser aus ihnen geflossen sein wird.

Die Entscheidung für den Bau neuer Wasserkammern hatten die Verantwortlichen der Netze BW Ende 2013 getroffen. Die Bausubstanz der Anlage war einfach zu alt und schlecht, für Einrichtungen im Turbinenhaus gab es keine Ersatzteile mehr, die Energiebilanz entsprach längst nicht mehr den heutigen Anforderungen.

Der Bau des neuen Hochbehälters im Erdhügel direkt neben den alten Kammern begann im Frühjahr 2015 mit der Rodung der Fläche. Anschließend wurden insgesamt rund 24 000 Kubikmeter Erdreich abgetragen und auf dem EnBW-Gelände beim Gaskessel zwischengelagert. Die Erde wird nach der endgültigen Fertigstellung des Bauwerks wieder benötigt, um den Hügel am Urachplatz neu entstehen zu lassen. Er soll auch wieder bepflanzt werden.

Die Bauarbeiten auf dem Areal nahe der Uhlandshöhe waren kompliziert und aufwendig, schließlich sollen die neuen Kammern auch wieder rund 100 Jahre halten. Acht bis zwölf Meter lange Betonbohrpfähle geben den Kammern die nötige Stabilität. Außerdem sind sie mit 18 bis 25 Meter langen, tief in den Berg gebohrten Stahlankern gesichert. Für die Kammern wurde in unzähligen Fahrten von Betonmischern Spezialbeton angeliefert, der wegen des permanenten Kontakts mit Trinkwasser keinerlei organische Bestandteile, die sich herauslösen und das Wasser verunreinigen könnten, enthalten darf.

28 000 Liter pro Tag

Mit den Betonarbeiten wurde im Frühjahr 2016 begonnen, ein Jahr später, im April 2017, waren die Rohbauarbeiten weitgehend beendet und die erste neue Kammer musste getestet werden, ob sie auch wirklich dicht war. Das wiederum war für den Projektleiter Steffen Greger und die Taucher der Stuttgarter Berufsfeuerwehr die Gelegenheit, für ein Bad und einen Tauchgang in einer ganz besonderen Umgebung – eben in der Kammer.

Mit der Inbetriebnahme der ersten, 3000 Kubikmeter Wasser fassenden Kammer ist ein weiterer Schritt gemacht. Die zweite Kammer ist etwas größer und fasst 3500 Kubikmeter. Bis Ende des Jahres, also ganz im Zeitplan, soll das gut zehn Millionen Euro teure Bauprojekt beendet sein. In seinem Einzugsbereich von Stuttgart-Mitte bis Hedelfingen werden pro Tag bis zu 28 000 Liter Wasser verbraucht.

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