Wasserversorgung in Wernau Zwei Brunnen sollen nicht versiegen

Der Sportplatzbrunnen wird den Wernauerinnen und Wernauern für die Notversorgung erhalten bleiben. Foto: Ines Rudel

Der Wernauer Gemeinderat hat nun doch einen Kompromiss für die zukünftige Nutzung des Eigenwassers der Kommune gefunden. Die Lösung ist finanziell sogar günstiger als der ursprünglich angedachte Rückbau aller Brunnen.

Wernau - Dass die Stadt Wernau im Jahr 2018 die Nutzung der Trinkwasserbrunnen im Neckartal aufgegeben hatte, sorgte bis zuletzt immer wieder für Unruhe in der Bevölkerung. Deshalb hat der Gemeinderat im vergangenen Jahr ein zweites, umfassendes Gutachten zur Eigenwasserversorgung beauftragt. Dieses kam ähnlich wie die erste Untersuchung zu dem Schluss, dass eigene Brunnen in Wernau sich nicht lohnen. Sowohl die Qualität des Wassers als auch die möglichen Fördermengen sind der Untersuchung zufolge eher mäßig.

 

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Allerdings hat das Ratsgremium im Januar beschlossen, zwei der Brunnen – den Antoniusbrunnen und den Sportplatzbrunnen, rechts und links der Esslinger Straße – als Brauch- oder Notwasserbrunnen ins Auge zu fassen. Lediglich das Hauptpumpwerk soll zurückgebaut werden, da dieses laut Gutachten in einem relativ schlechtem Zustand ist. Und während in der Januar-Sitzung noch ziemliche Verwirrung über die Anforderungen für die eine oder die andere Brunnenart herrschte, hat sich mittlerweile manches geklärt. Das gilt auch für die Kostenfrage.

Brauchwasser fürs Gießen und fürs Streuen

Nach der jetzt vorliegenden Schätzung müssten beim Sportplatzbrunnen rund 45 000 Euro investiert werden, um ihn zu einem Notbrunnen zu machen. Sein Rückbau bei kompletter Stilllegung wäre mit 80 000 Euro sogar deutlich teurer. Selbst wenn man die rund 100 Quadratmeter Fläche, die wegen der Brunnenanlage nicht verkauft werden können, einkalkuliert, bleibt die Rechnung noch im Plus. Das Herrichten des Antoniusbrunnens kommt mit rund 58 000 Euro etwas teurer, was daran liegt, dass eine Zufahrt befestigt werden müsste. Dies sei notwendig, wenn der Bauhof, wie angedacht, tatsächlich Brauchwasser entnehmen soll, etwa zum Gießen oder zum Herstellen von Salzlösung für den Streudienst im Winter, hieß es seitens der Verwaltung.

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Die Finanzen sprechen also nicht gegen die weitere Wassernutzung und auch die technischen Anforderungen sind überschaubar. Es müsse kein Schutzgebiet ausgewiesen werden und die Einbindung in ein Gewerbegebiet sei problemlos möglich, erklärte Ortsbaumeister Patrick Klein. Würde der Bund den Sportplatzbrunnen offiziell anerkennen, übernähme er sogar den Großteil der Kosten. Das ist nach Einschätzung des Landratsamts ungewiss, denn der Standort wird als eher schwierig eingestuft, weil zwischen ihm und der Stadt der Neckar sowie die Bahn verlaufen, die im Krisenfall als „schwer überwindbare Hindernisse“ eingestuft würden. Die Stadt will trotzdem einen Antrag stellen. Wird dem nicht stattgegeben, könne man trotzdem auf eigene Kosten und in Eigenverantwortung einen Notbrunnen einrichten und vorhalten, sagte Klein. So hat es der Gemeinderat denn auch beschlossen.

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Stefan Prakesch (Grüne) sah die Möglichkeit zu einer Kosteneinsparung, wenn man zunächst nur ein Notstromaggregat statt der vorgesehenen zwei anschaffe. Wolfgang Sieler (SPD) merkte an, dass im Notfall auch der Antoniusbrunnen für die Wernauer Bevölkerung reichen würde – deshalb sprach er sich für nur einen Brunnen aus. Dies habe der Gemeinderat aber schon in der letzten Sitzung anders entschieden, sagte Bürgermeister Armin Elbl, damit sei diese Frage abgehakt. Mit 19 Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen wurde die Einrichtung eines Brauchwasser- und eines Notwasserbrunnens beschlossen.

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Kritik an der Kommunikation zwischen Verwaltung und Gemeinderat gab es trotz dieser Einigkeit: Gereon Trabold (WBL/JB) entnahm dem aktuellen Schreiben aus dem Landratsamt, dass dieses sich schon 2018 dafür ausgesprochen hatte, die bisherigen Trinkwasserbrunnen zumindest für die Notwasserversorgung zu erhalten. Er kritisierte, dass das die Verwaltung dem Gemeinderat damals nicht mitgeteilt habe.

Zwei unabhängige Versorger

Versorgung
 Mit Trinkwasser wird die Stadt Wernau durch zwei Anbieter versorgt: Sowohl die Landeswasserversorgung als auch die Bodenseewasserversorgung liefern das begehrte Nass. Unter anderem werden damit die Hochbehälter Hengenbach und Hintere Ebene gefüllt. Fällt ein Lieferant tatsächlich aus, ist eine Umschaltung möglich.

Gutachten
 Das Büro Büro Bieske und Partner hat vergangenes Jahr ein weiteres Gutachten zur Eigenwasserversorgung in Wernau vorgelegt. Dessen Ergebnis entsprach einer Expertise von 2018: hoher Sanierungsbedarf, nachlassende Ergiebigkeit, großer Aufbereitungsbedarf. Das Fazit: Weiternutzung für Trinkwasser nicht sinnvoll.

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