Bei einer Brunnenbohrung geht es – wie man sieht – feucht zu. Foto: ASG
Der Zweckverband Ammertal-Schönbuchgruppe fördert seit 100 Jahren genug Wasser für die Bevölkerung. Aber Wasser jederzeit und in guter Qualität zu haben, ist nicht selbstverständlich.
Thomas Morawitzky
04.02.2026 - 08:41 Uhr
Von Rottenburg bis nach Dettenhausen, Steinenbronn, Schönaich reicht das Gebiet. 15 Gemeinden gehören zur Ammertal-Schönbuchgruppe (ASG), seitdem sich im Jahr 2024 auch Hildrizhausen dem kommunalen Zweckverband zur Wasserversorgung anschloss. Nun wird die ASG 100 Jahre alt.
Ehe der Zweckverband entstand, war es um die Wasserversorgung auf der Schönbuchlichtung nicht gut bestellt. „Wasser“, so Ralf Göttsche, Geschäftsführer der ASG, „war nicht ausreichend vorhanden. Es gab zwar Brunnen, aber die Qualität ließ zu wünschen übrig.“ Um 1910 existierten bereits mehrere Zweckverbände zur Wasserversorgung, im Gäu, auf den Fildern beispielsweise. Die Not war groß, insbesondere in Böblingen. Die Idee entstand, Wasser aus dem Rottenburger Teilort Kniebingen herbeizuleiten.
„Wasser war zwar vorhanden, aber um die Qualität war es nicht gut bestellt.“
Ralf Göttsche, Geschäftsführer des Wasserzweckverbands ASG
Am 20. Januar 1926 versammelten sich die Vertreter der interessierten Gemeinden in der Herrenberger Gaststätte Hasen und beschlossen die Gründung ihres Zweckverbandes. Einfach gestaltete sich die Finanzierung das Vorhaben nicht, dennoch konnten in kürzester Zeit sieben Wasserbehälter und rund 40 Kilometer Wasserleitung gebaut werden. Schon 1929 floss erstes Wasser – Ergebnis eines vorbildlichen Zusammenwirkens: „Alle wollten das Wasser. Jeder hat das Projekt unterstützt.“
Ein Filterkessel in Ammerbuch-Poltringen ist per Kran angeliefert worden. Foto: ASG
Die ersten 50 Jahre der Ammertal-Schönbuchgruppe, so Göttsche, waren von der Suche nach Wasser geprägt. Schon um das Jahr 1934 kam es erneut zu einer Verknappung, der Sommer war trocken verlaufen. Der Verband wuchs bis in die 1980er Jahre hinein stetig. Mit ihm natürlich auch die Zahl der Menschen, die mit Wasser versorgt wurden. Man ging dazu über, das Grundwasser anzureichern, indem man Wasser des Neckars in Kniebingen auf der Oberfläche verteilte. Mitte der 1950er Jahre schließlich konnten in Kniebingen fünf kleinere Brunnen gebohrt und in Betrieb genommen werden. In den 1960er Jahren entstanden im Ammertal weitere sieben Brunnen. „Endlich hatte man ausreichend Wasser,“ so Göttsche.
130 000 Menschen werden versorgt
Heute ist die Wasserversorgung über den Zweckverband längst gesichert. Rund 60 Prozent des Wasserverbrauchs in 15 Kommunen der Landkreise Böblingen, Tübingen, Herrenberg, Esslingen werden von der ASG aus eigenen Brunnen im Verbandsgebiet geliefert, die restliche Wassermenge kommt von der Bodenseewasserversorgung. In den 1970er Jahren stieg die Fördermenge des Wassers von etwa 2,5 Millionen Kubikmetern an, erreichte mitunter bis zu sieben Millionen Kubikmeter – im Wirtschaftsjahr 2024 lag sie bei 6,710 Millionen. Rund 130 000 Menschen werden von der ASG mit Wasser versorgt, rund 80 000 vom Wasserwerk in Ammerbuch-Poltringen aus.
Während sich der Geschäftssitz der ASG in Holzgerlingen befindet, schlägt das technische Herz der Gruppe in Poltringen, in einem Werk, das 1970 in Betrieb genommen wurde. Das Werk arbeitet mit einer Tagesleistung von etwa 14 000 Kubikmetern Wasser, im Sommer können es auch einmal 22 000 Kubikmeter sein. Im Rohwasserbehälter fließen die Gewässer aus fünf verschiedenen Zuleitungen zusammen und werden weitergeleitet in die Wasseraufbereitung.
Genug Wasser – nur viel zu hart
Als Trinkwasser geeignet ist das Wasser zuvor schon, jedoch um vieles zu hart. Mitte der 1980er Jahre wurde eine erste Enthärtungsanlage in Betrieb genommen. Seit 1997 verfügt der Zweckverband über eine Anlage, die den Härtegrad des Wassers auf 12,5 senkt und also weiches Wasser liefert. Ganz zu Beginn besaß sein Wasser einen Härtegrad von 31. Die Wasserversorgung durch den Zweckverband der Ammertal-Schönbuchgruppe sieht Ralf Göttsche als gesichert an. „Wir beobachten die Wasserabgabe sehr genau“, sagt er. „Wenn wir die aktuelle Entwicklung betrachten können wir sagen, dass wir genug Wasser für die Zukunft haben.“ Allerdings: Auch der Klimawandel gehört zu den Herausforderungen, die die Zukunft stellt.
Teilweise betagtes Verteilernetz
2018/2019 brachten eine Trockenphase, die jedoch in den kommenden Jahren ihren Ausgleich fand, und im Coronajahr 2020 war der Wasserverbrauch um Verband deutlich höher als in anderen. Investitionen allerdings werden nötig sein: „Wir gehören zur kritischen Infrastruktur“, sagt Göttsche. Der Verband hat in den vergangenen Jahren etwa zwei Millionen Euro aufgebracht, will weiter investieren, um seine Anlagen, sein weitreichendes und mitunter betagtes Verteilernetzwerk funktionsfähig zu erhalten. Die ASG verfügt über 80 000 Kubikmeter Speicherraum in rund 40 Hochbehältern und ein Leitungsnetz mit einer Gesamtlänge von rund 210 Kilometern. Es deckt seinen Strombedarf bis zu 14 Prozent selbst mithilfe von Turbinen und einer Photovoltaikanlage.
Blick hinter die Kulissen
Tag der offenen Tür Vier Mal wird im Laufe des Jahres 2026 besteht die Gelegenheit, den Betrieben der ASG an einem Tag der offenen Tür einen Besuch abzustatten – am 18. April im Pumpwerk in Kiebingen, am 27. Juni im Wasserwerk bei Poltringen, am 26. September am Hochbehälter Bromberg und am 17. Oktober im Wasserturm Walddorfhäslach, jeweils zwischen 10 und 15 Uhr.