Bereits im Jahr 2015 hatte der Ausschuss für Technik und Umwelt ein Gesamtkonzept für öffentliche Toiletten in der Esslinger Innenstadt beraten und die Verwaltung beauftragt, eine weitere barrierefreie öffentliche Toilette in der östlichen Altstadt einzurichten. Seitdem waren verschiedene Standorte im Gespräch, wurden aber immer wieder verworfen. Auch die Kosten für Bau und Instandhaltung bremsten das Vorhaben immer wieder aus. Als Alternative wurde auf das Konzept „Nette Toilette“ verwiesen. Bei diesem erklären sich Gaststätten oder Einrichtungen bereit, die eigentlich für ihre Gäste vorgesehenen Toiletten auch für Passanten kostenlos zu öffnen – dafür erhalten sie einen Zuschuss von der Stadt.
„Nette Toilette“ keine Alternative zu „Toilette für Alle“
Allerdings stehen diese Toiletten nur zu den Öffnungszeiten der jeweiligen Betriebe zur Verfügung und sind zudem oftmals nicht barrierefrei. Eine öffentliche Toilettenanlage können sie folglich nicht ersetzen. Deshalb hat die Stadt nun einen weiteren Vorstoß gewagt und drei Standorte daraufhin untersucht, ob sie für eine sogenannte „Toilette für alle“, die auch von Menschen mit schweren Behinderungen genutzt werden kann, geeignet sind. Während der Platz vor der Alten Feuerwache aus Sicht der Stadtverwaltung ausscheidet, kommen die Fläche gegenüber des Technischen Rathauses sowie das Areal hinter dem Café Uferlos im Maillepark durchaus in Frage für eine solche Toilettenanlage.
Der Platz vor der Alten Feuerwache wird aus verschiedenen Gründen als ungeeignet angesehen. So gilt es zum einen als technisch schwierig, die erforderliche Infrastruktur wie etwa die Leitungen auf der bestehenden Tiefgarage unterzubringen. Die Flächen neben dem Tiefgaragenbau wiederum dienen der Zufahrt zu Gebäuden oder dem Fußverkehr. Zudem würde eine Toilettenanlage an dieser Stelle aus Sicht der Verwaltung auch das Stadtbild stören.
Gegenüber dem Technischen Rathaus hingegen kann man sich durchaus eine Toilettenanlage vorstellen – zumindest, wenn diese am Pumpwerk platziert würde. Zwar wäre sie gestalterisch nicht das Optimum in der prominenten Lage am Eingang der Ritterstraße. Aber sie wäre dort gut sichtbar und erkennbar sowie leicht zugänglich und könne den Nutzern so ein Sicherheitsgefühl vermitteln. Auf der derzeit für Mitarbeiterparkplätze genutzten Fläche hingegen wäre eine Toilette aus Sicht der Verwaltung suboptimal. Denn dadurch würden die Möglichkeiten einer Neugestaltung der Fläche zu einem attraktiven Eingangsplatz, wie sie im Rahmen der Umgestaltung der Ritterstraße geplant ist, stark eingeschränkt.
Am besten geeignet für eine barrierefreie Toilettenanlage in der östlichen Altstadt ist aus Sicht der Stadt aber die Fläche hinter dem Café Uferlos im Maillepark. Denn hier seien die notwendigen Anschlüsse und Leitungen bereits vorhanden. Zudem sei eine neue Toilette im Anschluss an das vorhandene WC des Cafés gut sichtbar und leicht zugänglich. Auch an dieser Stelle könne den Nutzern daher ein hohes Sicherheitsgefühl vermittelt werden, glaubt man im Rathaus.
Toilettenanlage soll ansprechend gestaltet werden
Die Stadträte zeigten sich in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt prinzipiell zufrieden mit dem von der Verwaltung vorgeschlagenen Standort. Allerdings wurde mehrfach betont, dass nicht nur ein barrierefreies Klo, sondern eine „Toilette für alle“ eingerichtet werden müsse. Darunter versteht man ein Rollstuhl-WC mit zusätzlicher Pflegeliege und einem Personen-Lifter sowie viel Platz zum Rangieren. Zudem solle die Toilettenanlage – anders als das öffentliche WC am Bahnhof – ansprechend gestaltet werden, damit sie sich optisch gut in die Umgebung einfüge.
Birgit Huber, beratendes Mitglied im Ausschuss und selbst Rollstuhlfahrerin, erklärte den Standort am Café Uferlos allerdings für suboptimal: „Da ist eine Schräge, das funktioniert nicht.“ Zudem sei die in der Vorlage angedachte kleinere Version der Toilettenanlage nicht groß genug für das Rangieren mit dem Rollstuhl. Baubürgermeister Hans-Georg Sigel versprach, dass man sich im Zuge der Planungen eng mit dem Inklusionsbeirat absprechen werde. Die konkreteren Pläne werde man dann zur Diskussion vorlegen. Wenn alles läuft wie vorgesehen, soll die Toilette Mitte 2025 in Betrieb gehen.
Kriterien für das Stille Örtchen
Stadtgestaltung
Der Standort für eine neue Toilettenanlage in der östlichen Altstadt muss laut der Esslinger Stadtverwaltung einige Kriterien erfüllen, um als geeignet zu gelten. So soll sich das Toilettenhaus gut in das Stadtbild integrieren, nicht allzu weit entfernt sein von Bahn- oder Bushaltestellen sowie von Tiefgaragen und gut sichtbar sein, um Vandalismus vorzubeugen und den Nutzerinnen und Nutzern ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Zudem soll es sich möglichst in einem Bereich mit hoher Aufenthaltsqualität befinden, der von vielen Fußgängern frequentiert wird.
Technik
Auch in technischer Hinsicht muss der Standort geeignet sein – nicht nur von der Größe her, sondern auch im Hinblick auf einen Anschluss an das öffentliche Wassernetz oder in Bezug auf die Kosten für einen Kanalanschluss.