Webseite „Mundraub“ Obst für alle – wo in Stuttgart umsonst genascht werden darf

Von Chiara Milena Sterk 

Vielerorts hängen die Bäume voll mit Früchten, werden aber nur selten geerntet. Das Projekt mundraub.org zeigt auf, wo ganz legal vom Baum oder vom Busch genascht werden darf.

Wo gut Kirschen essen ist in Stuttgart – und wo das Naschen ausdrücklich erlaubt ist Foto: AP
Wo gut Kirschen essen ist in Stuttgart – und wo das Naschen ausdrücklich erlaubt ist Foto: AP

Stuttgart - Auf der Webseite mundraub.org kann jeder Bürger eintragen, wo in einer Stadt Mundraub begangen werden darf. Mundraub ist dabei das falsche Wort, denn bei Mundraub handelt es sich um nichts anderes als um Diebstahl. Die Seite zeigt vielmehr Orte auf, wo legal „Mundraub“ begangen werden darf – also wo vom Strauch Ernten und Naschen erlaubt ist.

Bei mundraub.org handelt es sich eigenen Angaben zufolge um die größte deutschsprachige Plattform für die Entdeckung und Nutzung essbarer Landschaften. Gegründet wurde mundraub.org im Jahr 2009 von Kai Gildhorn und Freunden. Die Vision von Gründer Gildhorn: Die essbare Landschaft gemeinsam entdecken und gestalten. In einem Video auf seiner Webseite erklärt der Gründer, was mundraub.org ist – nämlich ein Pflück- oder Genussatlas für öffentliches Obst. Doch Mundraub will nicht nur zum Pflücken anregen, sondern auch zum Nachpflanzen.

Unsere Karte zeigt, wo in Stuttgart genascht werden darf.

So funktioniert mundraub.org

So geht’s : Entweder ruft man die Karte auf, wenn man auf Tour gehen will und sieht nach, was wo gepflückt werden kann – oder aber man trägt selbst einen Baum in die Karte ein. Auf mundraub.org wird angezeigt, wo man sich gerade befindet. Findet man also einen Strauch oder einen Baum, der niemandem gehört, klickt man auf die Karte und trägt dies ein. Bevor die Einträge für alle Nutzer sichtbar sind, werden sie von Gildhorn und seinem Team geprüft – schließlich sollen Obstfreunde bedenkenlos plündern dürfen. Aber es sei auch schon passiert, dass es Ärger gab. Darum: Wer unsicher ist, lässt lieber die Finger in den Taschen.

Damit das alles aber auch gesittet zugeht, sind auf der Seite einige Regeln vermerkt: So sollen die Nutzer zum Beispiel die Eigentumsrechte beachten, behutsam mit Baum und Natur umgehen, die Früchte teilen und sich bei der Pflege von Obstbäumen engagieren.

Was Stuttgart an legalen Mundraub-Plätzen bietet

In ganz Deutschland sind bisher rund 75 Tausend Mundräuber aktiv gewesen, insgesamt fast 55 Tausend Fundorte vermerkt und bisher wurden 33 Bäume gepflanzt – der Aktionsradius zieht sich dabei bis ins australische Melbourne.

Im Stuttgarter Süden sind Kirschbäume, Walnussbäume und Brombeersträucher zu finden. Im Osten gibt’s Bärlauch, Apfelbäume, Brombeersträucher, Haselnusssträucher und Holunderbäume. Im Norden darf man Holunder, Kornelkirschen und Walnüsse räubern und im Westen können Haselnüsse und Brombeeren gepflückt werden. In Stuttgart-Mitte gibt’s vor allem Pflaumen, Haselnüsse und Kirschen zu holen.

Wie siehts mit der Schadstoffbelastung aus, wenn Obst mitten in der Stadt gepflückt wird ?

2013 hat eine Forschergruppe der Technischen Universität Berlin eine Studie veröffentlicht, was die Schadstoffbelastung von Obst in Städten angeht - und meint: Vor allem Beeren speichern Schwermetalle, mehr als Stein- und Kernobst. Nüsse nehmen am wenigsten Schadstoffe auf, bodennahes oder im Boden wachsendes Gemüse ist stärker belastet als Baumobst. Je höher die Verkehrsbelastung am Standort, desto höher seien Schwermetallbelastungen in Gemüse und Obst.

Grundsätzlich aber, so meinen die Forscher, ist die Belastung abhängig von der Entfernung zur Straße. Betrug der Abstand der Obstbäume zur Straße weniger als zehn Meter, war der Belastungswert bei zwei Drittel aller Gemüseproben höher als der EU-Grenzwert. Beim Obst, das über zehn Meter entfernt von der Straße gepflückt wurde, erreichte nur noch ein Drittel davon den europäischen Grenzwert.

Wo man was in und um Stuttgart pflücken kann, sehen Sie außerdem in der Karte.

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