Webshop für Holzdildos in Bönnigheim „Sex muss nicht giftig sein“

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Goa, Galizien, Fuerteventura: Silke Vogel ist freischaffende Webdesignerin und arbeitet auf der ganzen Welt. Nebenbei betreibt sie einen Webshop, über den sie Dildos aus Holz und ökologisch hergestellte Hand- und Fußfesseln vertreibt.

Diese Leder-Fußfesseln werden ohne Chemikalien gegerbt Foto: privat
Diese Leder-Fußfesseln werden ohne Chemikalien gegerbt Foto: privat

Bönnigheim - Goa, Galizien, Fuerteventura: Silke Vogel ist freischaffende Webdesignerin und arbeitet auf der ganzen Welt. Nebenbei betreibt die digitale Nomadin einen Internetshop, über den sie Dildos aus Holz nebst ökologisch hergestellten Hand- und Fußfesseln vertreibt. Sie erzählt über ihr ortsunabhängiges Leben und Arbeiten sowie den Ökotrend bei Sexspielzeug.

Frau Vogel, sie wohnen in Bönnigheim, sind dort aber so gut wie nie anzutreffen. Als freischaffende Mediendesignerin arbeiten Sie dort, wo andere Urlaub machen, zurzeit in Goa. Wie kamen Sie auf diese Idee?
Der Anlass dafür war tragisch: In kurzer Zeit sind in meinem Umkreis viele Personen gestorben. Da dachte ich: das Leben ist zu kurz, um nur im Büro zu sitzen. Und als Single und ohne Kinder habe ich auch hier keine Verpflichtungen. Da habe ich einfach zwei Passionen kombiniert: meinen Job und meine Vorliebe für das Reisen.
Freelancer-Mediendesigner auf Weltreise, kann man denn davon leben?
Wenn man nicht zu viel Geld ausgibt: ja. Mit 900 Euro im Monat komme ich gut durch. Ich übernachte nicht in Sterne-Hotels, sondern meist per Airbnb. In der indischen Provinz Goa habe ich beispielsweise in einer Holzhütte für Backpacker am Strand gewohnt.
Silke Vogel Foto: privat
Klingt aber nicht nach dem besten Ort, um übers Internet zu arbeiten.
Das stimmt. Aber mittlerweile bin ich ausgerüstet: Europaflatrate fürs Handy und ich habe immer einen mobilen Wlan-Router dabei. Mit einer vor Ort gekauften Sim-Karte habe ich dann überall LTE-Netz. Wenn Hostels schreiben, dass es Wlan gibt, taugt das in aller Regel nicht viel.
Suchen Sie sich Ihre Orte denn nach der Internetverbindung raus?
Nein. Ich gehe an Orte, die mich reizen: Goa, Galizien, Fuerteventura. Natürlich sollte das Wetter besser sein als in Deutschland, es sollte wenig regnen und ja: Internet sollte auch vorhanden sein. In ganz entlegene Winkel gehe ich nicht. Eine Region mit E-Netz wäre also ein No-Go.
Über Ihr interessantestes Projekt haben wir noch nicht gesprochen: Über einen Online-Shop vertreiben Sie ökologisches Sexspielzeug wie Holzdildos oder Bondage-Arm- und Fußfesseln. Wie kamen Sie darauf?
Zum einen interessiert mich das Thema einfach. Den Ausschlag gab aber das Buch von Timothy Ferris „Die 4-Stunden-Woche“, wo es darum geht, dass man sein Geld arbeiten lassen soll. Der Online-Shop sollte ein Selbstläufer werden, der konstant Geld reinbringt.
Und, funktioniert’s?
Nicht so richtig, der Verkauf läuft noch schleppend. Das Problem bei dem Sexspielzeug ist, dass man es auf amerikanischen Plattformen wie eBay oder Amazon nicht bewerben darf. Da sind die Amis einfach prüde. Auch Facebook hat mich anfangs geblockt, jetzt habe ich es eben als Spielzeug deklariert (lacht).
Und warum Öko-Sexspielzeug?
Ich finde, dass Sex nicht giftig sein muss. Viele Sexspielzeuge enthalten allerdings gefährliche Stoffe, wie zum Beispiel Lösemittel und Weichmacher. Auf Messen habe ich dann die Hersteller der Holzdildos kennengelernt, eine nette Familie im Odenwald. Seitdem vertreibe ich deren Produkte auf meiner Homepage.
Dann sind das gar nicht Ihre eigenen Produkte? Schade, sonst hätten wir Sie gefragt, wie Sie auf Namen wie Eichelhauer und Waldfee gekommen sind.
Ja, das sind nicht meine Namen. Ich finde sie aber witzig. Die Arm- und Fußfesseln sind aber meine Eigenkreationen, die ich als Auftragsarbeit von einem Gürtelmacher auf der Schwäbischen Alb herstellen lasse. Hier ist das Leder vegetabil gegerbt, das heißt, ohne Chemikalien und Giftstoffe, und damit hautverträglich.
Dann hat der Ökotrend also auch die Sexspielzeuge erreicht?
Ich finde, er entwickelt sich gerade. In den USA ist er schon länger ausgebrochen, das schwappt jetzt gerade nach Deutschland rüber. Vielleicht war ich mit meiner Homepage einfach zu früh dran.
Gibt’s da ab und zu komische Blicke im kleinen Bönnigheim für Sie?
Bislang nicht. Es wäre mir aber auch egal. Neulich hat meine Mutter nach mir gegoogelt und zufällig den Shop entdeckt. Die fand’s nicht so gut (lacht).
Den Webshop gibt es unter: http://www.oeko-toys-shop.de/



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