Wechsel bei IT-Dienstleister GFT GFT-Chef Ulrich Dietz gibt Firmenleitung ab

Seit 30 Jahren leitet der Gründer Ulrich Dietz GFT – nun löst ihn Marika Lulay ab. Foto: GFT
Seit 30 Jahren leitet der Gründer Ulrich Dietz GFT – nun löst ihn Marika Lulay ab. Foto: GFT

Marika Lulay, bisher Chefin des operativen Geschäfts, rückt auf. Dietz kommt an die Spitze des Verwaltungsrats und tritt künftig unter anderem auch als Start-up-Investor auf.

Wirtschaft: Andreas Geldner (age)

Stuttgart - In der Führungsetage des Stuttgarter IT-Dienstleisters GFT Technologies gibt es einen Wechsel. Der Gründer und bisherige Chef Ulrich Dietz wechselt an die Spitze des Verwaltungsrats. Auf den Chefposten rückt Marika Lulay, die bisher bei GFT, das operative Geschäft leitet. Die 54-Jährige ist seit 14 Jahren im Unternehmen, das inzwischen auf mehr als 4500 Mitarbeiter gewachsen ist. Der bisherige Verwaltungsratsvorsitzende Paul Lerbinger wird dort künftig Stellvertreter. Lulay wird zusammen mit dem Finanzchef Jochen Ruetz das Gremium der geschäftsführenden Direktoren bilden. Dietz wird seine Aktienanteile wie bisher behalten.

Der 59-jährige Dietz hat das Unternehmen, das auf IT-Dienstleistungen im Finanzsektor spezialisiert ist, im Jahr 1987 gegründet. Neben seiner Tätigkeit als Firmenchef ist Dietz seit Jahren bei den Debatten um Digitalisierung, Innovation und Start-ups nicht nur in Baden-Württemberg öffentlich präsent. Der bisherige GFT-Chef hat sich dabei immer wieder zu Fragen der Wirtschafts- und Technologiepolitik geäußert, gelegentlich auch provokativ.

Strategisches Interesse an Start-ups

Mit der internationalen Innovationsplattform Code_n hat er in den vergangenen Jahren ein Schaufenster für Start-ups auch aus Bereichen jenseits der Finanzbranche geschaffen. Dazu gehören unter anderem auch ein Innovationscampus am Unternehmenssitz in Stuttgart und ein im vergangenen Jahr erstmals in Karlsruhe veranstaltetes Technologiefestival.

„Ich möchte diese Themen ausbauen und dabei nicht permanent im Konflikt mit den Verpflichtungen im Unternehmen sein“, sagt Dietz. Ein Stichwort sei beispielsweise der weitere Ausbau des Innovationscampus. Er wolle mehr Zeit haben, um über neue Geschäftsmodelle nachzudenken und auch als Risikokapitalgeber aktiv werden. „Das wird aber nicht so lokalpatriotisch, wie es manche vielleicht gerne hätten“, sagt Dietz. Es gebe in ganz Deutschland gute Möglichkeiten und GFT sei beispielsweise auch in Spanien und Italien gut verankert. Er denke hier eher europäisch – und letztlich global: „Es ist von zentraler Bedeutung, dass wir in Deutschland und Europa bei der Digitalisierung nicht den Anschluss verlieren.“ Dies gelte besonders für den Mittelstand.

Bis zum Sommer wolle er auch hier noch an seiner seine Strategie feilen: „Ich werde jedenfalls nicht nur einfach Geld in die Hand nehmen und mal zehn Start-ups finanzieren.“ Interessant seien beispielsweise die Themen Datenanalyse und Robotertechnik. Bisher hat sich GFT an einzelne Start-ups beteiligt, erstmals Ende 2015 wie der Parkhaus-App Parkpocket. Dietz wird als Privatinvestor auftreten.

Dietz will als Investor unabhängig agieren

„Es gibt hier in Stuttgart durchaus eine gewisse Frühlingsluft“, sagt Dietz etwa zu jüngsten Meldungen wie dem Einstieg des Fahrrad.de-Gründers René Marius Köhler ins Risikokapitalgeschäft. „Da muss man einmal schauen, wie lange das anhält“, sagt Dietz. Er selbst werde jedenfalls erst einmal unabhängig agieren.

Nach genau dreißig Jahren an der Unternehmensspitze sei dies der richtige Zeitpunkt für den Wechsel gewesen. GFT stehe wirtschaftlich gut da und die Stabübergabe, die sich noch bis zum offiziellen Wechsel im Mai hinziehen wird, habe von langer Hand vorbereitet werden können. „Ich konnte mir den richtigen Zeitpunkt heraussuchen“, sagt Dietz: „Es ist ein gleitender Übergang“.

An der grundsätzlichen Struktur und Arbeitsteilung zwischen dem Unternehmen GFT und der angedockten Innovationsplattform Code_n werde sich nichts ändern, sagt die künftige Chefin Lulay. Während GFT selbst Innovationen entwickle, die nahe am Geschäft mit Finanzdienstleistungen sei, wolle das Unternehmen sich über die Innovationsplattform Code_n ganz neue Bereiche erschließen: „Wir sammeln hier Erfahrungen über einzelne Bereiche hinaus, die wir dann etwa auch als Berater Banken und Versicherungen anbieten können“, sagt Lulay, die als Unternehmenschefin auch weiterhin für beide Bereiche verantwortlich sein wird.

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