Wechsel beim DGB Baden-Württemberg Landgraf-Nachfolger kommt von der IG Metall

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Der Gewerkschaftsbund bekommt Ende Januar einen neuen Landesvorsitzenden in Baden-Württemberg: Der Pforzheimer IG-Metall-Bevollmächtigte Martin Kunzmann wurde für die Nachfolge von Nikolaus Landgraf nominiert. Doch der Wechsel wirft Fragen auf.

Der DGB-Landesvorsitzende Nikolaus Landgraf will noch vor Ablauf seiner Amtsperiode abtreten und etwas Neues in Brüssel wagen. Foto: dpa
Der DGB-Landesvorsitzende Nikolaus Landgraf will noch vor Ablauf seiner Amtsperiode abtreten und etwas Neues in Brüssel wagen. Foto: dpa

Stuttgart - Es ging dann noch ziemlich schnell mit der Nachfolgesuche: Zweieinhalb Wochen nach Bekanntgabe des Rückzugs von Nikolaus Landgraf steht der neue DGB-Landesvorsitzende praktisch fest. Der Pforzheimer IG-Metall-Bevollmächtigte Martin Kunzmann wurde am Donnerstagabend vom Bezirksvorstand des DGB Baden-Württemberg für den Führungsposten nominiert. Allerdings muss er noch von einer außerordentlichen Bezirkskonferenz gewählt werden – diese ist für den 28. Januar vorgesehen. Dann wird sich der 60-Jährige in Stuttgart 100 Delegierten zur Wahl stellen – dies zunächst für ein Jahr, da die nächste reguläre Bezirkskonferenz im Januar 2018 stattfindet.

Kunzmann war gesetzt als Kandidat

Die Einsetzung einer „Findungskommission“ unter der Leitung des NGG-Landesvorsitzenden Uwe Hildebrandt hatte lediglich optische Gründe; viel zu suchen gab es nämlich nicht mehr – Kunzmann war schon gefunden. Sonst hätte er nicht schon vor der überraschenden Veröffentlichung des Landgraf-Abschieds parat gestanden.

„Sein Auftrag wird es sein, den DGB nach außen zu repräsentieren und die Kontakte zur Politik zu pflegen“, beschreibt Hildebrandt den betreffenden Arbeitsplatz. „Gleichzeitig wird er die Interessen der kleineren und größeren Gewerkschaften sowohl im Dienstleistungs- als auch im Industriebereich zusammenbringen müssen.“ Kunzmann sei als „langjähriger anerkannter Gewerkschafter der Richtige für diese Aufgaben“.

Seit 31 Jahren für die IG Metall Pforzheim tätig

IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger lobt den Neuen: „Ich kenne Martin Kunzmann aus mehr als 30 Jahren Zusammenarbeit und schätze ihn als geradlinigen Vertreter von Arbeitnehmerinteressen.“ Er sei landespolitisch kompetent, krisenerprobt und habe ein Gespür für wichtige gesellschaftspolitische Entwicklungen in der Arbeitswelt.

In Stuttgart weiß man von Kunzmann dennoch nicht so viel, weil er bisher stets in Pforzheim aktiv war. Der gelernte Mechaniker ist dort seit 31 Jahren für die IG Metall tätig, seit 25 Jahren als Geschäftsführer. Erst im Juni ist er bis 2020 wiedergewählt worden. 2011 trat der Sozialdemokrat bei der Landtagswahl gegen den damals amtierenden Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) an und holte kaum mehr als die Hälfte von dessen Stimmenanteil: 22,8 Prozent. Kunzmann hat eine erwachsene Tochter und zwei Enkelkinder.

Dass er ein Metaller ist, drückt einiges über die Machtverhältnisse im DGB aus: Von der IG Metall kommt das meiste Geld für den Dachverband, und sie gibt (tarif-)politisch nach innen und außen die wichtigsten Impulse. Diesmal hat sie ihren ganzen Einfluss auf die Personalauswahl geltend gemacht, um frischen Wind in den DGB zu bringen, der im Südwesten immerhin 817 000 Mitglieder vereint (Stand Ende 2015).

Landgrafs neue Aufgabe steht noch nicht fest

Wie bereitwillig Landgraf geht, ist nicht abschließend geklärt. Regulär wäre seine Amtszeit erst im Januar 2018 ausgelaufen. Nun zieht es ihn nach Brüssel. Was er dort machen will, lässt der DGB offen. Der Wechsel verläuft nicht so geordnet ab, wie es sein sollte. Möglicherweise hatte sich in Funktionärskreisen gehöriger Druck aufgebaut, so dass jetzt mit Unterstützung der DGB-Bundesebene der Umbruch angestoßen wurde. IG Metall und Verdi hatten die Bekanntgabe des Abtritts mit dünnen Danksagungen begleitet, von allen anderen Landesvorsitzenden kam zunächst gar nichts.

In jedem Fall dürfte Landgraf weiterhin Lobbyarbeit für die Gewerkschaften machen. Er selbst hatte von einer „Neuorientierung“ nach sieben Jahren als Landesvorsitzender gesprochen. Da er im Januar 50 Jahre alt werde, sei dies ein „guter Zeitpunkt für einen beruflichen Neustart“. Der gebürtige Neu-Ulmer wurde 2010 erstmals gewählt und im Januar 2014 mit 95 Prozent der Delegiertenstimmen bestätigt. Zuvor war er Regionalleiter der IG Bauen-Agrar-Umwelt (Bau). Besonders engagiert war der gelernte Fliesen-, Platten- und Mosaikleger in den vergangenen Jahren in der Deutschen Rentenversicherung – als alternierender Vorsitzender in Bund und Land.