Das Stuttgarter Literaturhauses verdankt seinen Erfolg zum großen Teil dem nach Berlin wechselnden Leiter Florian Höllerer. Das sieht auch Verleger und Vorstandsmitglied Michael Klett so. Im StZ-Interview spricht er darüber, wie es weiter gehen soll.

Kultur: Stefan Kister (kir)
Stuttgart – Michael Klett sitzt im Boschzimmer des Literaturhauses. Eben kam der Vorstand zusammen, um das weitere Vorgehen zu beraten. Der, um den es geht, der scheidende Leiter Florian Höllerer, zieht sich dezent ins Nebenzimmer zurück. Es hilft nicht, ihm nachzublicken. Also schaut Michael Klett nach vorn.
Herr Klett, Sie haben einst völlig überraschend Florian Höllerer aus dem Hut gezaubert. Jetzt endet dieser Zauber brüsk. Haben Sie damit gerechnet?
Ich habe ihn damals nicht aus dem Hut gezaubert, aber ich war in dem Entscheidungsgremium derjenige, der sofort gesagt hat: Das ist er, den müssen wir nehmen.

Warum?
Florian Höllerer ist ein ungewöhnlicher Mensch. Manche hat das zunächst etwas überfordert. Das ist so ein deutscher Jüngling, der könnte aus einem Schillerdrama kommen. Ich kannte seinen Vater gut von meinem Studium in Berlin, wo ich auch das von ihm gegründete Literarische Colloquium, diesen Vorläufer aller Literaturhäuser, schätzen lernte. Deshalb war für mich sofort ein Zusammenhang gegeben. Es ging dann schnell. Sein Profil war einfach sehr überzeugend, seine Erfahrung, sein internationaler Hintergrund – Florian Höllerer ist ein Mensch mit viel Welt.

Der Erfolg des Literaturhauses unter zumindest anfangs sehr erschwerten Bedingungen hat Ihnen ja Recht gegeben. Aber ist dieser nicht in einem Maße mit der Persönlichkeit Höllerers verbunden, dass es einem bei der Frage Bange wird, wer ihn ersetzen könnte?
Das stimmt leider. Nehmen wir alleine seine kollegiale Verbindlichkeit: Kulturfunktionäre einer Stadt rivalisieren oft untereinander. Mit Höllerer gab es das alles nicht. Im Gegenteil, die verschiedenen Einrichtungen arbeiten zusammen und helfen sich gegenseitig. Wir im Vorstand sehen das Ganze, wie es bei Shakespeare heißt, mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Das weinende liegt auf der Hand. Das lachende tröstet sich mit der Einsicht, dass kreative Menschen nach einem Zeitraum von dreizehn oder fünfzehn Jahren einfach eine Veränderung brauchen. Wir gönnen es ihm, müssen jetzt aber einen Nachfolger suchen – am besten einen Höllerer-Klon.